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Wasser ins Meer tragen - ZaunköniG - 18.03.2024 Wasser ins Meer tragen I Prolog Nach Jahren da ich weder Wert noch Würde Der Sprache meiner Ahnen je bedacht Missbraucht die Dirne fand und ungeschlacht Ja auch den Dienst an ihr nur eine Bürde Erfuhr doch spät ich ihre hohe Macht Als raunend sie begann zu mir zu sprechen Bald allen Widerwillen sanft zu brechen Ach war sie schön die jetzt mein Herz entfacht! Und als ich ganz betört von Form und Klang Dem Worte lauschte das da schritt im Tanze Voll dunklen Sinns - befahl sie dass ich schriebe Ich folgte gern weiß wenig ob gelang Wie Wort sich fügt zur Zeile dann zur Stanze Du hältst die Ernte meiner tätigen Liebe. . RE: Wasser ins Meer tragen 002 - ZaunköniG - 19.08.2024 II Am Rand des Teiches birgt die schöne Schnecke Im Perlmutt-Zauber tödliche Gefahr Wird ihrer nur mein Fuß zu spät gewahr. Nach dumpfem Dämmern bei der Croton-Hecke Fahre ich (schnell auf die Klippe drängt Die Welle) aus in meinem brüchigen Nachen Und suche dass sich der mit zahnigem Rachen Von allen Fischen mir am Eisen fängt. Die harsche Sonne straft mit steilem Strahle Gleich giftig jener Frucht der Mancenillen Pulst nesselarmig weiter Schwarm der Qualle Wo jäh die Nacht fällt taub vom süßen Mohne Will mein Leib nur den Durst mit Brandwein stillen Dort überm Lager lauern Skorpione. RE: Wasser ins Meer tragen 003 - ZaunköniG - 17.12.2025 III Als mit den schweren Schiffen dir zum Orte Des sonnigen Windes und des Spiels gelang Zu fliehn da wurdest froh du aus dir klang Wie bunter Sphären Tanz der Sang im Worte. Betäubend dich doch bald die Luft umschlang Und die dich grüßten wandten hingegeben Erneut sich jenen Tönen zu die weben Den Tag so kurz die brünstige Nacht so lang. Verirrt im Zauber kleiner Blütengärten Erkennst du jäh beim Stamm des Mango-Baumes Den Einen den im Norden du vermisst Jung und voll Kraft - ersehnten Weg-Gefährten Wie er die süßen Früchte deines Traumes Dir unverwandt mit seiner Liebsten isst. RE: Wasser ins Meer tragen 004 - ZaunköniG - 22.05.2026 IV Im Fluge hab ich niemals ihr Gefieder Doch wohl der Hähne heiseres Schrein gehört Das alle Nächte meinen Schlummer stört Gleich irr wie der Cikaden schrille Lieder. Vom Tale statt verliebter Hirtenflöte Bricht jäh erschreckend und bedrohlich hell Der Hunde widerstreitendes Gebell Vorm steten Unken dort von Frosch und Kröte. Ich höre Nachbarn fleißig Dinge machen Des Hammers Schlag Motoren im Gebrüll Zum Segen oder Fluche unseren Tagen? Nie höre ich das Singen höre Lachen Auch eines Kindes das sich freuen will Nur immer wieder bittere Greise klagen. RE: Wasser ins Meer tragen 005 - ZaunköniG - 26.05.2026 V Leicht geneigt frühmittaglichem Hauche Steht erblühend schlank der Gräser Halm Fernes Dengeln auf der steilen Alm Beere schwillt in Dolden dort am Strauche. Summen dieser Stunde steter Ton Fleißiger Hummel wie im Tanz der Mücke Frucht so jung dass sie noch keiner pflücke Doch Begierde regt sich immer schon. Unterm Berg das Grün der prallen Matten Zwischen Stein und blumigem Erdreich quillt Flüsterndes Gemurmel bis zur Seichte Wo unendlich langsam von den satten Rindern nach dem Käuen jedes stillt Seinen Durst an sommerlicher Feuchte. RE: Wasser ins Meer tragen 006 - ZaunköniG - 28.05.2026 VI Spätabends lag er nach der schweren Schlacht Auf weitem Feld und starb an seinen Wunden Schon ganz verloren war das Maß der Stunden Und immer wurde über ihn gewacht. Nun konnte friedlich ihm das Herz gesunden Wie er umhüllt vom Dunkel blutig lag Im Scheiden hat an seinem letzten Tag Versöhnung mit dem Leben er gefunden. Kühl steigt es auf durch die zerschlagenen Glieder Lässt den so Müden voll Geduld vertraun Dass seiner sich sein Wächter wohl erbarmt. Bevor ihn andere fänden rissen wieder An diesem Leib - flieht er ins Morgengraun Und wird von seinem Engel still umarmt. RE: Wasser ins Meer tragen 007 - ZaunköniG - 30.05.2026 VII In Tanz und leichtem Singsang sie umzieht Den düsteren Herrscher dieses Zwischenreiches Um seine harten Züge bebt ein Bleiches So starr sein Auge das ins Leere sieht. Rund auf dem Boden liegen Fleisch und Späne Durch die sie ihre schmutzigen Röcke schleift Derweil von hinten eine andere keift Und seltsam dabei bleckt die roten Zähne Die vom Genuss der Betel so sich tönen. Doch wendet die den bösen König reizt Sich plötzlich mir zu hebt den blutigen Saum Derweil sich ihre Züge herb verschönen Da sie für mich die Beine lüstern spreizt Entsteige ich entsetzt dem schwülen Traum. RE: Wasser ins Meer tragen 008 - ZaunköniG - 01.06.2026 VIII Das Volk macht sich den Frommen gern zum Spotte Wo der nur betend leiht sich dieser Welt Dass er nicht ihrer Kümmernis verfällt Sein ganzes Herz anheim gibt seinem Gotte. Selbst einen dumpfen Flegel zu versöhnen Den Mächtigen der stets für sich nur will Dient er geduldig beugt sich und schweigt still Will man ihn schelten schlagen und verhöhnen. Im Flickenkleide tanzt er unter Narren Wirft leicht sein Lohngeld hin den armen Kindern Bedürfnislos ernährt er sich nur spärlich Der Losung treu in Demut zu verharren Geht er getarnt als Sünder unter Sündern Und weiß sein Leben reich und so gefährlich. RE: Wasser ins Meer tragen 009 - ZaunköniG - 03.06.2026 IX Ich sehe in den fast noch jungen Zügen Sie hatten den der immer sie erblickt In ihren Bann gezogen und berückt Ein Bleiches unterm Blühn des Lebens liegen. Nur weniges Tun vermagst du noch zur Stunde Dann sitzt du gerne still in unserer Mitte Doch tanzest du so mit bedächtigem Schritte Und wenn du sprichst sprichst du von deiner Wunde. Die Schatten banntest du aus deinem Tage So leicht wie du die Nacht zum Feste machtest Dir stellte wo des Alters Frucht kaum reifte Nach deiner Endlichkeit sich nie die Frage Bis plötzlich als du selbstvergessen lachtest Dich kurz des Todes dunkler Flügel streifte. RE: Wasser ins Meer tragen 010 - ZaunköniG - 05.06.2026 X Unmerklich hat der Himmel sich vermummt Kein Laut nur eine Taube irgendwo Die traurig ruft so leis von nirgendwo Und sicher erst zur Dämmerung verstummt Der Wind der gestern streng und herrisch fegte Vom Meere her erst in verhaltenem Wimmern Ließ noch die Wellen leicht erschauernd schimmern Bevor die Macht verhauchend er sich legte. Dies ist ein Tag fast wie ein jeder andere Nur eben stiller es geschieht nicht viel Dort ganz weit hinten wird ein Tier beladen Ich finde da ich auf und nieder wandere Am weiten Strande mir kein rechtes Ziel Und schau fast weh noch Kindern zu die baden. RE: Wasser ins Meer tragen 011 - ZaunköniG - 07.06.2026 XI Verwelkte Blumen von Getier zerfressen Gebrochener Baum vom Sturme einst geknickt Gesunkenes Boot die Rettung kaum geglückt Verfallenes Haus Bedachung lang vergessen Das Holz zerstreut das dafür war gestückt Ein Kleid zerfetzt mit schmutzig grauen Tressen Und dort ein Stuhl wo es sich stolz gesessen Steht nutzlos schief die Lehne morsch gebückt. Der alte Wein im Glase staubig sauer Das wollene Vlies zeigt gieriges Gewimmel Der Motte die hier ihre Eier legte Die Frucht im Korbe braun und voller Schimmel Des Wurmes Brut im Boden auf der Lauer Vergangen was vergangene Liebe hegte. RE: Wasser ins Meer tragen 012 - ZaunköniG - 09.06.2026 XII Du sage der nach brünstiger Glut sich sehnt Ob denn im Mäßigen wäre Leisen Milden Nicht leichter stetes Tagewerk zu bilden Muss Durst unstillbar brennen bleibt verpönt Was zwingend sich nicht deiner ganz bemächtigt Den Blick zum Himmel gleich und Abgrund lenkt? Ist der ein Seher schon der Düsteres denkt Und gern mit Feuers bösem Geiste nächtigt? Schau diesen Boden der dein Heim umgibt Er nährt dich gut hier grasen deine Ziegen Das alte Dach wird noch den Wettern wehren Und die Gefährtin die dich sorgend liebt Kann eure Kinder hier am Orte wiegen – In seinem Dienst soll sich dein Leben mehren. RE: Wasser ins Meer tragen 013 - ZaunköniG - 11.06.2026 XIII Benommen lauern sie auf ihre Beute Die Zeit wie dort auch im Gebälk die Schlange Sie hausen bei mir. Wie gleicht sich doch lange Vergangenes ereignislosem Heute. Die Luft steht stickig im gekalkten Raume Auf Steinen das vom Wind zerschlissene Brett Verdingt dem Fremden sich als karges Bett Und dieses teil ich nur mit einem Traume. Die Sonne will schon feierlich versinken Und immer hat im feindlich heißen Süden Obwohl verlockend viele Dinge winken Der Tag mich noch zu keiner Tat entfacht Erinnerung wird zur Plage lässt ermüden So dämmere ich hinüber in die Nacht. RE: Wasser ins Meer tragen 014 - ZaunköniG - 13.06.2026 XIV Dem Taumeln gleich vom lasch gebundenen Boote Das hier und dorthin stößt die wilde Welle War noch die Seele jenseits fast der Schwelle Die alles Leben trennt und alles Tote Doch als in harschem Gold die Sonne scharf Und streng sie rief zu neuen Tags Gebote Erhob sie sich gehorsam aus dem Kote In den das Gestern sie verächtlich warf. - Bleib Sklavin keines Leids mehr keiner Mühe Sie sind vergangen - hör des Morgens Klang Der stets sich in den Dienst der Mutigen stellte Dann wird erheiternd dich in diese Frühe Ein Segen heben und er wirke lang Der sich aus Meinem Licht dir beigesellte.- RE: Wasser ins Meer tragen 015 - ZaunköniG - 15.06.2026 XV Nach Tagen Nächten mühevoller Reisen Nicht dass Gefahr noch Abenteuer lockte Kam der da dumpf im sticken Boote hockte Zur wüsten Insel wo die Vögel kreisen Die fiedrig Stummen welche immer fliegen Um hohe Klippe dort beim öden Strand Erkennen ihn den Bruder auf dem Sand Wie sie an keinem Orte heimisch liegen Wenn dann in dunklem Unmut durch die Wellen Er ziellos um des Körpers Kühlung pflügt Gleich wie er vor der eigenen Trauer flüchtet Dann wird ein Vogel ihm doch zum Gesellen Der überm Wasser dicht im Wind sich wiegt Nur ganz das Auge auf sein Haupt gerichtet. RE: Wasser ins Meer tragen 016 - ZaunköniG - 17.06.2026 XVI So bleib in deiner Kammer dumpf und grau Im alten Leinen liegen das dich deckte Und vor dem strengen Blick des Tags versteckte Wie seiner Mühe. Träge du und lau Du wolltest niemals mutig dich bewähren Nur heimlich lugen hin zum weiten Heer Der Wagenden. Das Leben schien zu schwer Doch eigenes Tun vermag uns nur zu nähren. Nun du dein Weniges hältst mit schlaffen Armen Nässt Missmut dir durch jede leere Stunde In der du immer dich dem Kampf nicht stelltest Gleich der aus weichem Fleisch gebrochenen Wunde. Dein Fehl entfacht in keinem ein Erbarmen Da feige du dich keinem beigeselltest. RE: Wasser ins Meer tragen 017 - ZaunköniG - 19.06.2026 XVII Vor Sehnsucht weh und selbstentgrenzt gefangen Von fernen Strandes Zauber Wassern Wesen Von Gipfeln die in weißem Glühn sich lösen Und jenen stillen Gärten nie durchgangen Der Blume deren Duft nur stets geträumt Von Sonnen-Nähe dort auf blauem Firne Dem Kusse fremden Kindes auf der Stirne Da zart die warme Flut den Fuß umschäumt. Sich süß die Bilder in einander schlingen Und aus der Öde grauen Tags entheben Dass Wunsch erbebt sie mögen nicht verblassen Vor Glück berauscht ganz ohne Ziel im Schweben Durch des Korall bunt-wucherndes Umringen Nur mag sich solche Wirklichkeit zu fassen. |