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Sonnets 031
#1
William Shakespeare
1564 – 1616 England



XXXI.

Thy bosom is endeared with all hearts,
Which I by lacking have supposed dead,
And there reigns love and all love's loving parts,
And all those friends which I thought buried.
How many a holy and obsequious tear
Hath dear religious love stol'n from mine eye
As interest of the dead, which now appear
But things removed that hidden in thee lie!
Thou art the grave where buried love doth live,
Hung with the trophies of my lovers gone,
Who all their parts of me to thee did give;
That due of many now is thine alone:
Their images I loved I view in thee,
And thou, all they, hast all the all of me.


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#2
Übersetzung von
Terese Robinson


XXXI.


Du trägst im Busen, was ich je beweint,
Was mir, so wähnt’ ich, einst das Grab geraubt,
Die Liebe und was sich der Liebe eint
Und all die Freunde, die ich tot geglaubt.
Wie flossen willig mir die frommen Zähren,
Wie war der Schmerz mir Pflicht und bitt’re Lust!
Nun ist’s, als ob die Toten fern mir wären,
Es schweigt der Schmerz, sie ruhn in deiner Brust.
Du bist das Grab, drin meine Toten leben,
Geschmückt mit meiner Liebe Widerschein,
Ein jeder gab dir was ich ihm gegeben,
Der vielen Recht ist nun dein Recht allein.

Ihr Bild, das ich geliebt, lebt nun in dir,
Und alles hast (du alles) du von mir.


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#3
In der Übersetzung von
Johann Gottlob Regis



XXXI.


Die Herzen aller, die ich für begraben,
Weil sie mir fehlten, hielt, bereichern deine Brust.
Da wohnen Lieb’ und alle Liebesgaben,
Und jeder Freund, den ich mir tot gewußt.

Wie manche heilige fromme Träne lernte
Mein Aug’ aus treu andächt’ger Liebe weinen
Zum Zoll den Toten, die nun wie entfernte,
In dir verborgne Wesen mir erscheinen!

Lebend’ger Liebe Grab bist du erbaut,
Prangst mit Trophäen meiner toten Lieben,
Die all’ ihr Teil an mir dir anvertraut:
Der vielen Gut, dir ist’s allein verblieben.

Die einst geliebten Bilder zeigst du mir,
Und du, ihr Inbegriff, mein alles eignet dir.


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#4
Übersetzung von
Max Josef Wolff



XXXI

Die Herzen alle sind in deiner Brust,
Die ich geliebt, die mir der Tod geraubt,
In dir lebt Liebe und der Liebe Lust,
In dir die Freunde, die ich tot geglaubt.

Wie manche fromme Träne mußt' ich weinen,
Die Liebe trauernd meinem Aug' entwand,
Als Zoll der Toten, die jetzt neu erscheinen,
Die ich in dir nach langer Trennung fand.

Du bist die Gruft, da leben meine Toten,
Geschmückt mit Kränzen, meiner Liebe Zier;
Dir ließen sie, was ihnen ich geboten,
Und aller Gut gehört jetzt einzig dir.

Den teuren Bildern gibst du neues Leben,
Mein alles sei, wie ihnen, dir gegeben.



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#5
In Übersetzung von
Emil Wagner
1810 - 1889
(eigentlich: Ludwig Reinhold Walesrode)


XXXI.

Dein Herz ist theuer vieler Menschen Brust,
Die, weil ich sie entbehret, todt geglaubt;
Dort herrscht die Liebe und der Liebe Lust,
Die Freund’ auch, die ich hielt vom Grab geraubt.

Wie manche Thrän’, als reine fromme Gabe,
Hat treue Liebe nicht entlocket mir
Um die, die ich geglaubt im dunkeln Grabe,
Die nur verborgen lagen all’ in dir!

Ein Grab, wo frühe Liebe lebt, bist du,
Das die Trophäen sonst Geliebter zieren,
Die all’ ihr Recht auf mich dir sprechen zu:
Dein ist, was jenen mußte sonst gebühren.

Die Bilder, die ich liebte, sind in dir,
Und du (sie alle) hast das All’ von mir.


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