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Sonnets 112
#1
William Shakespeare
1564 – 1616 England


CXII.

Your love and pity doth the impression fill
Which vulgar scandal stamp'd upon my brow;
For what care I who calls me well or ill,
So you o'er-green my bad, my good allow?
You are my all the world, and I must strive
To know my shames and praises from your tongue:
None else to me, nor I to none alive,
That my steel'd sense or changes right or wrong.
In so profound abysm I throw all care
Of others' voices, that my adder's sense
To critic and to flatterer stopped are.
Mark how with my neglect I do dispense:
You are so strongly in my purpose bred
That all the world besides methinks are dead.



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#2
Übersetzung von
Terese Robinson



CXII.

Dein Lieben und dein Mitleid löschen still
Von meiner Stirn das Brandmal nierdrer Schmach;
Was frag’ ich, wer mir gut, wer böse will,
Liebst du mein Gutes, siehst mir Böses nach.
Du bist mir alle Welt, drum strebe ich
Nach Lob und Tadel, die dein Mund mir spendet,
Für niemand sonst und niemand sonst für mich,
Kein andrer, der den harten Sinn mir wendet.
In tiefen Abgrund werf ich jede Acht
Auf andre Stimmen, so daß Aug’ und Ohr
Für Schmeichelei und Tadel stumpf gemacht
Und bringe dafür die Entschuldigung vor:

Du bist so innig meinem Zweck vereint,
Daß außer dir mir nichts zu leben scheint.


.




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Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#3
In der Übersetzung von
Johann Gottlob Regis



CXII.

Dein Liebend Mitleid schließt die Wunde wieder,
Die in die Stirn mir grub des Pöbels Dienst.
Was kümmert mich mein Leumund für und wider,
Wenn du mein Gutes ehrst, mein Schlimmes übergrünst?

Du bist die Welt mir. Deinem Mund beständig
Vertrau’ ich all mein Lob- und Tadelsrecht.
Für niemand bin ich sonst, niemand für mich lebendig,
Der mir den eh’rnen Sinn links oder rechts bewegt.

In tiefsten Abgrund werf’ ich alle Sorgen
Um Menschengunst. Mein taubes Otterohr
Wird nicht auf Lästrer, nicht auf Schmeichler horchen, -
Doch welchen Grund der Gleichmut leg’ ich vor?

Im Herzen fühl’ ich dich so mächtig leben,
Daß mir wie tot erscheint die Welt daneben.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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