30.04.2026, 00:24
Romeo und Julia
Euch Tränen? – nein, ich kann euch nicht betrauern!
Ihr habt des Lebes höchste Lust erfahren,
Und rief der Tod euch auch in Lenzesjahren,
war's, weil Ernücht’rung mocht’ in spätern lauern.
Viel besser, zwischen öden Grabesmauern
Aus freier Lieb’ Entschluß euch aufzubahren,
Als sollt’ sich euch nach Jahren offenbaren:
Man fühlt nur einmal hehrstes Wonneschauern.
Die eine Nacht, verschwelgt in Juliens Kammer,
Muß euch mit jedem Leid der Welt versöhnen,
Euch trösten über allen Schmerz und Jammer.
Und eurem Tod entles’ ich ahnend Eines:
Vielleicht winkt dort ein Heim dem höchsten Schönen;
Denn – ihr erfuhr’s: die Erde ist ihm keines!
Euch Tränen? – nein, ich kann euch nicht betrauern!
Ihr habt des Lebes höchste Lust erfahren,
Und rief der Tod euch auch in Lenzesjahren,
war's, weil Ernücht’rung mocht’ in spätern lauern.
Viel besser, zwischen öden Grabesmauern
Aus freier Lieb’ Entschluß euch aufzubahren,
Als sollt’ sich euch nach Jahren offenbaren:
Man fühlt nur einmal hehrstes Wonneschauern.
Die eine Nacht, verschwelgt in Juliens Kammer,
Muß euch mit jedem Leid der Welt versöhnen,
Euch trösten über allen Schmerz und Jammer.
Und eurem Tod entles’ ich ahnend Eines:
Vielleicht winkt dort ein Heim dem höchsten Schönen;
Denn – ihr erfuhr’s: die Erde ist ihm keines!
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.

