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Sonnets 115
#3
In der Übersetzung von
Johann Gottlob Regis



CXV.

Was ich dir vormals schrieb, falsch muß ich’s nennen:
„Nie könnt’ ich wärmer lieben dich als heut.“
Denn wie die Glut je heller sollte brennen,
Sah da mein Urteil keine Möglichkeit.

Und doch: wenn Zeit und Zufall tausendfältig
Gelübde lockert, feste Zwecke lähmt,
Geweihte Schönheit schwärzt, der Fürsten Rat gewältigt,
Dem Ungefähr die Störrigsten bequemt:

Ach! durft’ ich da, bang vor der Zeiten Hand,
Nicht sagen: „Jetzt lieb ich am meisten ihn.“
Als ich gewiß war über Unbestand,
Das Heut ergriff, weil Morgen dunkel schien?

Lieb’ ist ein Kind, das fort und fort gedeiht;
Zu vollen Wachstum ließ mein Wort ihm Zeit.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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Nachrichten in diesem Thema
Sonnets 115 - von ZaunköniG - 28.10.2007, 15:16
RE: Sonnets 115 - von ZaunköniG - 03.05.2023, 11:50
RE: Sonnets 115 - von ZaunköniG - 01.06.2026, 08:32

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