01.06.2026, 08:32
In der Übersetzung von
Johann Gottlob Regis
CXV.
Was ich dir vormals schrieb, falsch muß ich’s nennen:
„Nie könnt’ ich wärmer lieben dich als heut.“
Denn wie die Glut je heller sollte brennen,
Sah da mein Urteil keine Möglichkeit.
Und doch: wenn Zeit und Zufall tausendfältig
Gelübde lockert, feste Zwecke lähmt,
Geweihte Schönheit schwärzt, der Fürsten Rat gewältigt,
Dem Ungefähr die Störrigsten bequemt:
Ach! durft’ ich da, bang vor der Zeiten Hand,
Nicht sagen: „Jetzt lieb ich am meisten ihn.“
Als ich gewiß war über Unbestand,
Das Heut ergriff, weil Morgen dunkel schien?
Lieb’ ist ein Kind, das fort und fort gedeiht;
Zu vollen Wachstum ließ mein Wort ihm Zeit.
.
Johann Gottlob Regis
CXV.
Was ich dir vormals schrieb, falsch muß ich’s nennen:
„Nie könnt’ ich wärmer lieben dich als heut.“
Denn wie die Glut je heller sollte brennen,
Sah da mein Urteil keine Möglichkeit.
Und doch: wenn Zeit und Zufall tausendfältig
Gelübde lockert, feste Zwecke lähmt,
Geweihte Schönheit schwärzt, der Fürsten Rat gewältigt,
Dem Ungefähr die Störrigsten bequemt:
Ach! durft’ ich da, bang vor der Zeiten Hand,
Nicht sagen: „Jetzt lieb ich am meisten ihn.“
Als ich gewiß war über Unbestand,
Das Heut ergriff, weil Morgen dunkel schien?
Lieb’ ist ein Kind, das fort und fort gedeiht;
Zu vollen Wachstum ließ mein Wort ihm Zeit.
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Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.

