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Sonnets 012
#7
In Übersetzung von
Karl Kraus

1874 – 1936


XII

Zähl ich die Zeit am bangen Schlag der Glocke,
seh ich, wie Sonne sinkt in dunkle Nacht,
seh ich, daß weiß sich färbt die dunkle Locke
und kurz nur währt des Veilchens Frühlingspracht –

seh ich den Baum, dem jene Blätter starben,
die Herden vor dem Sonnenstrahl bewahrt,
und was einst grün war, nun in welken Farben
dahingeführt auf Sommers letzter Fahrt:

dann frag ich, deiner Schönheit zugewendet,
wie sie vor der Verwüstung will bestehn
und ob sie nicht, die selber sich verschwendet,
so schnell, wie Neues blüht, dahin wird gehn.

Nichts wahrt den Wert vor harter Zeit Verderben,
als ihr zum Trotz ihn wahren in dem Erben.

.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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Nachrichten in diesem Thema
Sonnets 012 - von ZaunköniG - 13.08.2007, 01:10
RE: Sonnets 012 - von ZaunköniG - 23.02.2023, 19:43
RE: Sonnets 012 - von ZaunköniG - 26.06.2024, 09:43
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