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Sonnets 095
#1
William Shakespeare
1564 – 1616 England


XCV.

How sweet and lovely dost thou make the shame
Which, like a canker in the fragrant rose,
Doth spot the beauty of thy budding name!
O, in what sweets dost thou thy sins enclose!
That tongue that tells the story of thy days,
Making lascivious comments on thy sport,
Cannot dispraise but in a kind of praise;
Naming thy name blesses an ill report.
O, what a mansion have those vices got
Which for their habitation chose out thee,
Where beauty's veil doth cover every blot,
And all things turn to fair that eyes can see!
Take heed, dear heart, of this large privilege;
The hardest knife ill-used doth lose his edge.


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#2
Übersetzung von
Terese Robinson



XCV.

Wie lieblich deine Schande selbst betört,
Die, wie ein Wurm im rosigen Kelch versteckt,
Die junge Schönheit deines Ruft zerstört,
Wie hold hast du das Laster zugedeckt!
Die Zunge, die dein loses Tun berichtet,
Und es durch lüsterne Erklärung mehrt,
Sie muß dich preisen, während sie dich richtet,
Weil schon dein Name jedes Wort verklärt.
O, welch ein Schloß erwählte sich die Sünde,
Da sie zu ihrem Wohnsitz dich gewollt,
Hier deckt die Schönheit tiefsten Lasters Gründe,
Und was das Auge sieht, wird licht und hold!

Doch, liebes Herz, dies große Vorrecht hüte,
Mißbrauch stumpft selbst des schärfsten Messers Güte.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#3
In der Übersetzung von
Johann Gottlob Regis



XCV.

Wie lieb und hold die Schmach gekleidet ist,
Die, wie ein Wurm in duft’gen Hyazinthen,
Die Knospenschönheit deines Namens frißt!
O, welchen Reiz umgibst du deinen Sünden!

Die Zunge, die von deinem Wandel spricht,
Leichtfertig deutend dein Vergnügen tadelt;
Ihr Leumund selbst ist ohne Beifall nicht,
Weil sie dich nennend, böse Sagen adelt.

O, welch ein Wohnhaus fiel den Fehlern zu,
Die ihren Aufenthalt in dir sich wählten!
Da schleiert Anmut jeden Makel zu:
Was Augen sehn, es muß für lieblich gelten.

Dies weite Vorrecht fürchte, teures Herz!
Denn Mißbrauch stumpft der schärfsten Messer Erz.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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