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20.03.2024, 10:50
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 21.03.2024, 11:38 von ZaunköniG.)
Perlen der Himmelskrone Mariens
aus Lobsprüchen heiliger Seelen gewunden
Willst du wissen, welche Seele
Ohne Makel, ohne Fehle
Aller Perlen reinste Schöne
Mit dem höchsten Prachtschmuck kröne:
Schau zum Sternendom, zum blauen
Auf, zum Urbild der Jungfrauen!
Schau mit lauterm Engelsinn
Hin zur Engelkönigin!
I.
Du auserwählte Tochter des ewigen Vaters!
(St. Justin.)
Am reinsten Liebebusen sah’n Aeonen,
Sah’n sel’ge Geister einst vor allen Zeiten
Dort in des Himmels unermess’nen Weiten
Den ew’gen Sohn beim ew’gen Vater thronen.
Doch unter all den klaren Aetherzonen,
Die endlos ihren Wonneglanz verbreiten,
Sah’n sie noch keine Himmels-Tochter kleiden
Sich in das Goldgewand der Mächte, Thronen. –
Da zuckt ein Lichtstrahl, dunkle Geister scheuchend,
Hoch aus dem Vaterhaupte voll Ideen,
Hoch aus der Wolkenstirn des Allberaters:
Und flieh’, wie Pallas einst, dem Haupt entsteigend
Des Vaters Zeus, bejubelt ward in Höhen:
So hallet Preis der Tochter Gott des Vaters.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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II.
Du Quelle der Menschheit Gottes des Sohnes!
(St. Method.)
Der Weiheit Lichtstrom, tief zur finstern Erde
Will strömen Er, zur wüsten, zur unreinen,
um neu im Gnadenstreiche zu vereinen
Was Sündennacht einst schied vom Lichteshheerde.
Doch flieh’, das Lichtmeer, das die Geister nähret:
Als Bächlein will es rieseln her zur kleinen,
Entweihten Erd’, ein Kind in Binden weinen,
Nur so entsühnen, was die Schuld entehrte. –
Nun sagt, ihr Geister, uns: wo ist die Quelle
Zu finden, die in ungetrübter Helle
Herab von klaren Höh’n des Sternenthrones
Dies Licht uns sende, das uns rettend leuchte,
Das dort die Finsternis zum Abgrund scheuchte?:
Sie ist’s, der laut’re Herzquell Gott des Sohnes.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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III.
Du Wohnsitz des heiligen Geistes!
(St. Hieronym)
Des Vaters Lichthaupt schauen hehr umschweben
Die Jubelgeister Ihn, den Geist der Wonne,
Der Lieb’ und Wahrheit; dann zum ew’gen Sohne,
In seines Busens Heiligtum sich heben,
In jenes Liebecentrum, dem das Leben
Des Alls so reich entquoll; in jene Sonne,
Die Licht entsendet bis zur fernsten Zone,
Wo Welten noch die Sphärennetze weben.
Hier konnte ruh’n der Geist der ew’gen Wahrheit. –
Doch nein, auch im Geschöpf sucht Er die Stätte,
Wo weilen soll im Weltenflug sein Fittig.
Er fand sie. Wo?: Im Herzen reinster Klarkeit,
Das lieblich blinkt in silberklarer Glätte:
Im Jungfraubusen, ach, so keusch, so sittig!
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IV.
Du Lustgarten des ewigen Vaters!
(Chrysipp.)
Die Sonnenglut der Flammenlieb’ zu mindern,
Will pflanzen sich die Minne einen Garten,
Wo sie im Schattenhaine unter zarten,
Liebholden Blüten sich ergeht, zu lindern
Der Mittagsstrahlen Pfeile. Seht, bei Kindern
Der Menschen: wo sich Lieb’ und Unschuld paarten,
Wo Reinheit, Einfalt Edenswonne wahrten:
Da findet ihre Lust sie, fern von Sündern. –
Doch sagt mir, Welten all! wo zu erspähen
Wohl ist ein solch entzückend Lustgefilde,
Wo wir die Urlieb’ selbst lustwandeln sähen?
Wo aller Himmelsblumen Prachtgebilde
Ambra verhaucht in linden Zephyrs Wehen? --:
Maria nennt sich’s, Jungfrau süß und milde.
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V.
Du getreueste Ernährerin Christi!
(St. Wilhelm.)
Ein Himmelslämmlein will auf Erden weiden.
Zu eng sind Ihm des weiten Himmels Auen,
Wo Sterne zahllos zieh’n am hehren, blauen
Prachtdom des Aethers. Seht doch, Engel neiden
Die Blumen all, die Lilien, die beschreiten
Des Lämmchens Füße. Demanttröpfchen tauen
Dort Gnadenbäche nieder auf den grauen,
Den dürren Sand, wo seine Tritte gleiten. –
„O dürfte ich dies süße Lämmchen nähren!“
So hör’ ich Schäferinnen tausend flehen,
Die leider, ach! des Lilienschmucks entbehren. –
Nur Eine ist’s, die wir es laben sehen
Mit Liliensaft und Milch und Honigbeeren:
Die Geisterhirtin dort in Sternenhöhen.
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VI.
Du Heiligtum des göttlichen Geises!
(St. Ildephons.)
Der höchsten Himmel Lichtthron, zu alltäglich
Ward er dem Geiste, Den nicht Welten fassen:
Dem auch Atome groß, und kleinlich Massen
Erscheinen, gegen die selbst Sonne kläglich,
Ach, winzig klein sich zeigen. Unaussprechlich
Zieht es den Liebegeist zur Demut. Hassen,
Nein, kann Er nur des Stolzes freches Prassen.
Die schlichte Einfalt minnet er unsäglich.
Und nun, welch Herz wählt Er zum Heiligtume
Sich aus, das seinem hehren Glanz entspräche?
Das demutvoll der Gnaden Schätze häufte?
Des Feindes Übermut in Einfalt bräche? –
Maria birgt’s, die gnadenüberträufte,
Maria, sie, der Erde schönste Blume.
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VII.
Du unbefleckte Pforte des Schöpfers!
(St. Sedulius.)
Des Wettersturmes wildentbranntes Grollen
Hat ausgetobt. Schon lächeln blau die Höhen;
Schon säuselt wieder linden Windes Wehen.
Verstummet ist des dumpfen Donners Rollen.
Wo kurz noch erst der Blitze Zorn erschollen,
Ist nun des Farbenbogens Pracht zu sehen,
Der sich zur Pforte wölbt in Sternennähen,
Durch die jetzt weiße Wolkenschäfchen trollen. –
Des Himmels Groll verhallt. Der Weltengründer
Steigt als Erlöser nieder, arme Sünder
Mild umzuwandeln in des Vaters Kinder.
Er naht. Wie rein! Schon glänzt sein Friedensbogen.
Durch welche Lichtespfort’ Er wohl gezogen,
Daß so der Fürst der Nacht sich sah betrogen?! –
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VIII.
Du heiligster Tabernakel des Wortes!
(St. Andreas Cretens.)
Wie schmückest Du, o Gottesdiener Moses!
Mit Goldeszier, mit Edelstein und Seide,
Den Engelschaaren selbst zur Augenweide,
Das erste Zelt des Herrn, ein heilig großes! –
Gewiß! das Pfand des irdisch höchsten Loses:
Wert ist’s, daß uns die Hölle drum beneide. –
Doch sagt, was dient dem Worte selbst zum Kleide,
Zum würdigen, im Zelt des heil’gen Schoßes? –
Sind Gold und Seide, Perlen, Edelsteine
Wohl für die Gottheit selbst die würdige Hülle,
Wenn sie zum Erdball steigt, die maßlos reine? –
O nimmer! – Nur das Herz, das Gnadenfülle
Süß überströmt, Mariens Herz alleine,
Es ist der Gottheit Zelt, das selig stille.
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IX.
Du Zither des heiligen Geistes!
(St. Bonaventura.)
O welche Harmonie in jenen Sphären
Wo Welten gar so friedlich um sich kreisen,
Wo himmlisch süße, wunderbare Weisen
Erhab’nen Sangs ertönen in den Heeren
Glücksel’ger Geister! Was noch könnte mehren
Die Luft der Sänger, die sich dort befleißen,
Im reinsten Lied den Herrscher hoch zu preisen,
In reichen, ach, in zaubrisch vollen Chören?! –
Doch nein, noch sind nicht rein genug die Saiten
Dem Geist gestimmet, dem sogar der Himmel
Nicht rein genug erschien. – Die einzige Zither,
Die einzig lauter Ihm die süßen Lieder
Je wiedergab: man rühmt im Klanggewimmel
Sie – Harfe Davids, dran sich Himmel weiden.
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X.
Du Prachtwohnung der göttlichen Herablassung!
(St. Andreas Cret.)
Wohl schreiten Herrscher auch zur Köhlerhütte,
Wenn Jagdlust sie im Dickicht irre führte,
Doch keiner gern sich eine Hütt’ erkürte,
In der nicht herrschte traulich schlichte Sitte;
In der nicht Reinheit thronte selbst in Mitte
Der Armut, die so hold stets Einfalt zierte.
Wo diese, da bedarf’s nicht Reichtums-Bürde,
Will Hoheit weg vom Tande zieh’n die Schritte. –
Im Liebeseifer jagend nur nach Seelen,
Hat sich so gerne einst zur Erd’ verirret
Des Weltalls Fürst, sich innig zu vermählen
Der schönsten Braut. Doch ob sich auch verlieret
In Wüsten hin sein Pfad; es kann nicht fehlen:
Zur reinsten Hütte nur der Fuß Ihn führet.
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XI.
Du lebendiger Palast des Engelkönigs!
Der Gott der Geister ist kein Gott des Todes;
Nein, ew’ge Quelle untigbaren Lebens,
Urantrieb jenes überreichen Webens,
Das Geist um Geist bewegt, um Welten Gottes
Zahllose Welten. Haucht Er: lebt Ihm Totes;
Gebeut er: sieh, geschah es nicht vergenens
Umkreist Ihn raschweg, wonnesamen Schwebens,
Endloses Neugebild’, azurnes, rotes. –
Doch im Verlauf der ewigen Aeonen
Erschienen Ihm des Lichtpalastes Räume
Wie allen Lebens bar und ausgestorben:
Bis Er die Reinste fand in irdischen Zonen,
Die Lebensmutter, die (wähnt nicht, ich träume!)
Ein Gott um Blut zum Tempel sich erworben. –
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XII.
Du Himmelstreppe Gottes zu uns Menschen!
(St. Augustin.)
So hoch der Nachtgeist einstens stieg zu Sternen,
Um trotz all jenem schnöderborgten Blinken
Zum Flammenabgrund schmählich hinzusinken,
Hin zu des finstern Chaos tiefsten Fernen:
So hoch will Demut, daß wir schweben lernen,
Indem wir Pfaden folgen, die uns winken
Durch Leid zum Licht; indem wir Kelche trinken,
Die aller Sünden Gift aus uns entfernen.
Von Stuf’ zu Stufe stieg die Liebe nieder:
Vom Thron zum Stall zum Kreuz, zum Grabe
Um heimzuholen die verlornen Brüder.
Doch fragt ihr, welche Trepp’ den zarten Füßen
Zum Niedergang gedient, die Heilesgabe
Zu bringen: hört sie „Himmelsaufgang“ grüßen!
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XIII.
Du Wasserleitung der göttlichen Gnade!
(St. Bernhard.)
Im Paradies versiegte einst die Quelle,
Aus welcher Wasser drang für’s ew’ge Leben.
Da sah’n vom Meer wir jenes Wölkchen schweben
Empor dort an des Karmels heil’ge Stelle,
Das einst Elias schaute dämmernd helle.
Zur Wolke ward’s, die Segenstau uns geben,
Die Gnadenregen strömen sollte. Reben
Und Halme blüh’n von dieses Nasses Welle.
So rein hat sich noch nie ein Quell ergossen,
Wie dieser quoll aus voller Himmelswolke;
So lauter sich noch nie ein Born erschlossen.
Kein Wunder denn, daß lauter auch die Leitung
Sich zeigen muß, auf daß dem Gottesvolke
Zum Heile munde dieses Tranks Verbreitung.
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XIV.
Du Morgenröte des ewigen Lichtes!
(St. Bernhard.)
Die Nacht entfleucht. Der heit’re Morgen grauet.
Schon streift den Horizont die goldne Sonne;
Schon weckt sie ringsumher des Lebens Wonne.
Seht, welch ein Perlenschmuck die Au betauet!
Bevor indes der Gnadenhimmel blauet,
Steigt reinster Duft empor zum Lichtesthrone.
Und wo den Duft verklärt die Strahlenkrone
Des Lichtquells, glänzt Aurora, schaut nur, schauet!
Und stammt Aurora, dämmert auch der Morgen.
Und rötet sie sich frischer, liebestrahlend,
So glüht auch rascher Helios auf im Glanze
Der Majestät. – Hinweg ihr finstern Sorgen!
Der neue Tag bricht an. Seht, Preis Ihm zahlend,
Die Fittigträger nah’n im Schwingentanze!
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XV.
Du Wurzel der kostbarsten Blüte!
(St. Methodius.)
Trotz allem Schweiß und allen herben Mühen
Entsproß dem fluchbelad’nen Erdengrunde
Der Dorn, die Distel nur, auf daß zur Stunde
Das Sündgeschlecht gedächt’, die Luft zu fliehen.
Nur ein Trost blieb: es müsse einst erblühen
Aus Jesse’s Stamm ein Wunderreis. Die Kunde
Vererbte sich von Seher-Mund zu Munde;
Und Heil ward allen, die das Ohr dir liehen.
Schon ist gestreut der heil’ge Himmelssamen.
Das Würzlein fehlt nur noch. Bald muß es sprießen,
So reich benetzt vom reinsten Geistestaue.
Und seht, es keimt! Die Engel es begießen.
O wie entzückt es alle, die da kamen,
zu schau’n was ihm entsproß auf sonniger Aue!
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XVI.
Du Baum des fruchtbringendes Lebens!
(St. Bonaventura.)
Dem Sündenbaume war der Tod entsprossen,
Da Schlangenlist obsiegte einst dem Weibe,
Das keck lustwandeln ging zum Zeitvertreibe
Der falschen zu, entfernt vom Ehgenossen.
Doch als die vier Jahrtausende umflossen,
Entkeimte (daß nicht unerhört mehr bleibe
Der Väter banges Seufzen) jenem Leibe
Aus reinstem Stoff der herrlichste der Sprossen.
O welch ein Baum im neuen Edensgarten!
Er birgt die süße Frucht des ew’gen Lebens,
Beschattend ein Gefild, dem Engel warten.
Er trägt von Tugendblüten tausend Arten.
Was an ihm aufrankt gläubigfrommen Strebend:
Führwahr, es grünt in Hoffnung nicht vergebens!
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XVII.
Du Nährerin dessen, der alles ernährt!
(St. Hieron.)
Die ew’ge Lieb’ vergißt nicht auf den Zweigen
Des kleinsten Vögleins, nicht des Wurms im Staube:
So zeigt es uns Natur, so lehrt’s der Glaube
Vom Vater dort, vom güteüberreichen.
Sie, denen Salomo’s Schmuck nicht zu vergleichen,
Die Lilien, die den Gluthen bald zum Raube;
Die Blümchen all der Au’ und Wies’ und Laube:
Sie nähen, spinnen nicht; und doch – kaum weichen
An Pracht sie Himmelssternen. Sieh’, wohl kennest
Du Ihn, der alles nährt und herrlich kleidet. –
Doch frag’ ich dich, ob du mir’s Schäfchen nennest,
Das Hüll’ und Speise einst dem Lamm bereitet,
Und sprichst du Engelssprache, so bekennest
Du fromm: Sie ist es, die der Seraph neidet.
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XVIII.
Du Sachverwalterin des Himmels!
(St. Andreas Avell.)
Weh, Erd’ und Himmel liegen tief im Streite!
Ach, wer besänftiget ihr lautes Grollen,
Hört man hier Flüche, dorther Donner rollen?
Sieht man den Drachen Gift versprüh’n im Neide?! –
Wohlan, es naht in schneeig weißem Kleide,
Mit Rosenwangen, mit so zarten, vollen
Ein Mägdlein, dem die Geister Ehrfurcht zollen,
Und schwingt die Friedensfahn’ ob unserm Leide;
Beut uns des Heiles Pfand, verteilet Gnaden,
Verfügt freigebig über Himmelsschätze,
Und eilt, zur Lammeshochzeit uns zu laden;
Zerreißt des alten Feindes Trugesnetze,
Und ruft: O folgt nur kindlich meinen Pfaden,
So wißt: in’s Vaterland ich euch versetze!“
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XIX.
Du blühender Ruhesitz Gottes!
(St. Bonavent.)
Ermüdet war des Schöpfers Fuß vom Schreiten
Hin durch die endlos weiten Weltenauen,
Sein Auge wie erschlafft vom Fernhinschauen
Hinein, hinaus durch alle Ewigkeiten.
Ein Ruheplätzchen sucht er sich im weiten,
Im unermess’nen All, im lichten, blauen;
Und wo sein Auge Gnade strahlt, da tauen
Die Pole auf, Ihm Matten hinzubreiten. –
Doch nirgends trifft sein wählerisches Spähen
Ein Plätzchen, wo die Augen wonnig ruhten,
Weil keins genügend prangt im Blütenflore,
Wie’s Ihm geziemt: - bis es sein Geist ersehen
Im Herzen jener einzig Schönen, Guten,
Die man nun Herrin preist im Cherubchore.
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XX.
Du Glanzestempel der göttlichen Gnade!
(St. Andreas Hierosol.)
Allein von echtem, reinen Ophirgolde
Getraut sich Davids Sohn in grauen Tagen
Dem Herrn ein Haus zu bau’n das überragen
Den Sionshügel und Moria sollte.
Und doch – so herrlich er ihn schmücken wollte - :
Nur Schattenbilder konnte er (mit Zagen!),
Das Steingesetz nur, Stab und Manna tragen,
In’s Zelt, wo er dem Herrn Verehrung zollte. –
So sagt, was ziemet wohl dem Gott der Gnade,
Dem ew’gen Urbild aller Ebenbilder
Nun für ein Tempel? was für eine Lade?
Welch Marmorhaus? sagt, welche gold’ne Hallen,
Wenn, Israel! dir naht der Herr, dein milder? - :
Traun, nur das Herz, das glänzt von Gnadenstrahlen!
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XXI.
Du kristallhelles Fenster des Himmels!
(St. Bonavent.)
Die Flut verläuft. Schon ragen Bergeshöhen
Weitum empor aus dunkeln Sündflutwogen.
Die Arche kommt zum Ararat gezogen.
Der Himmel hat erhört des Schiffers Flehen.
Noah beeilt sich, nach dem Land zu sehen.
Durch’s Fenster blickt er. „Wenn mich nicht betrogen
Die Zeichen rings, so haben sich verzogen
Die Wetter alle: laßt hinaus uns gehen!“ –
Im Zeitenvollmaß ließ der Herr vom Grolle
Und sänftigte die flut der Strafgerichte,
Und blickte gnädig auf uns sündige Wichte
Herab vom Himmelsdom. Durch welch ein Fenster
Sah er hernieder, Er, der Wesen Schönster?:
Das demantklare nennt sich „Gnadenvolle!“
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XXII.
Du Arche der Gottesgeheimnisse!
(St. Ildephons.)
In heil’ges Dunkel barg der Herr die Plane
Des Weltenbau’s die Schätze seiner Gnade,
Die tief geheimnissvollen Heilespfade:
als sich sein Geist berieth, wie Er einst bahne
In Herzen sich den Weg; wie er sie mahne,
Bedacht zu sein, daß nicht der Nachtgeist schade. –
Doch sagt, wie heißt die wundersame Lade,
Worein er vor des Zeitlaufs gier’gem Zahne
Den reichen Schatz verschloß? – Sie ist’s, die reine,
Die spiegelglatte, blanke, unversehrte,
Die in des Engelherzens Silberschreine
Ein Kleinod barg, das allem Unheil wehrte:
Der Demuth Kleinod, die, dem eitlen Scheine
Stets feind, gar sein den Urfeind fliehen lehrte.
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XXIII.
Du Endziel der Verheißungen Gottes!
(St. Andreas Cret.)
Wer kennt des Sternenlaufs verborg’ne Ziele?
Wer aller Meere schaurig tiefe Gründe?
Wer dort des Abgrunds finstre, schwarze Schlünde?
Und wer der Weisheit Plan im Weltgewühle? –
Gerechte, ja, erquicken Vorgefühle
Zukünftger Läuterung von aller Sünde.
Sie schauten Ihn, das Sühnelamm: nicht blinde,
Belog’ne Lügner, die auf weichem Pfühle
Der Laster lind sich betteten. – Schon deutet
Der Seher jüngster auf den Sohn und Retter:
Da naht des Sehergeistes Braut, die hehre:
Am Ziel ist die Verheißung; ausgebreitet
Der Weisheit Plan. Der Weltenbühne Bretter
Verwandeln sich; es strahlt die neue Lehre.
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XXIV.
Du unerschöpfliches Meer aller Gnadengaben Gottes!
(St. Ephrem.)
Welch Vöglein wagt’s, die Flüsse all und Meere,
Wenn noch so durstig, jemals auszutrinken?
Die Wogenberge all, die schäumend blinken,
In sich zu saugen? – Dennoch – traut der Lehre!:
Gesetzt, daß nicht der Tod beim Vöglein wehre,
So müßten einstmals doch die windschnell flinken,
Die treuen Fittige zum Sand ihm sinken,
Anstatt in’s tränkend Naß – in trock’ne Leere. –
Doch ein Meer kenn’ ich, daß nicht zu erschöpfen,
Weil in Unendlichkeit sein Grund sich hüllet.
Es nennt sich Nektarmeer der Gnadengaben.
Und ob auch tausend Segler drin sich laben;
Millionen and’re dort den Durst gestillet:
So können stets Milliarden aus ihm schöpfen.
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XXV.
Du königlicher Weg des Erlösers!
(St. Bernhard.)
Des Ostens Herrscher naht. Auf! bahnt ihm Wege!
Auf! ebnet Ihm die rauhen Felsensteige,
Das Krummes sich zur graden Fläche neige!
Hoch über alle Klüfte breitet Stege! –
Doch weh, wie eifrig auch die Hand sich rege,
Wie emsig hier der Fuß zum Grund sich beuge:
Ach, diese Bahn, man bringt sie nicht zur Neige,
Ob man Jahrhunderte der Müh’n auch pflege!
Jahrtausend vier bedarf’s, bis sie vollendet.
Wie so? warum? ist sie so unvergleichlich? –
Gewiß! sie blinkt vom reinsten Alabaster,
Der jedes Auge, das ihn anstaunt, blendet.
Ist doch auf diesem Weg nur übersteiglich
Die Kluft, die gähnet zwischen Licht und Laster.
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XXVI.
Du Pforte der Freiheit!
(St. Bonavent.)
Bethulien du des Weltalls, arme Erde!
Wie wardst du doch zum Spielball der Tyrannen,
Die täglich neue Fesseln dir ersannen!
Ach, wie man rings dein grünes Tal verheerte!
Weh, wie der Feind die Jungfrau’n dir entehrte!
Und frech dir alle Schätze trug von dannen!
Kein Wunder, daß dir Blutesströme rannen
Vom rotbetränten Antlitz, schwer versehrte! –
Doch zage nicht, ob du auch rings umschlossen!
In größter Drängnis darfst du Hilfe hoffen.
Noch steht dir eine Freiheitspforte offen:
Schau, wie Judith durch sie so unverdrossen,
So mutvoll, herrlich schön zur Tiefe schreitet,
Und dort des Feindes Haupt dir kühn erbeutet!
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XXVII.
Du Wohnhaus der Weisheit!
(St. Justin.)
Der Weisheit Ernst ist feind dem Weltgeräusche;
In stiller Einsamkeit nur weilt sie gerne,
Dem geistesleeren Lustgetümmel ferne.
Sie flieht was Nahrung ist betörtem Fleische.
Einst wollte sie – wenn ich mich hier nicht täusche –
Vom tiefen Sinnen ruh’n. Da zog’s zum Sterne,
Erdkreis genannt, sie’s her, in weite Ferne.
In Josephs Hütt’ entfloh sie dem Getäusche
Des eitlen Scheines. Aber hier, wo thronte
Die hohe würdig in so schlichten Räumen?
Wie konnte hier der hehren es gefallen? –
Wie? Wo?: neun Monde seht sie süß verträumen
Im Herzenszelt der Reinen, die vor Allen
Sich zu erküren es so reich sich lohnte! –
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XXVIII.
Du unbeflecktes Gewand Gottes!
(St. Method.)
Der ewig gleichen Herrlichkeiten müde,
Beschloß der Herrscher aller Himmelswelten,
Zu wohnen einst in niederen Gezelten
Des Bethlehems der Sterne, das im Liede
So schön die Erd’ sich nennet. Lieb’ und Friede
Enttriefen seinem Schritte. Hasses Schelten,
Es muß verstummen. Demut kann nur gelten,
Wo Ihm zum Tempel wird ein fromm Gemüte.
Seht, nur im schlichten Erdenpilgerkleide
Erscheint Er, aller Himmel höchste Wonne:
Doch rein will Er’s vom Rauch der Sündenfackel.
Wo fand sich wohl ein solch Gewand: der Sonne
An Reinheit gleich, an Zartheit feinster Seide:
Und doch so schlicht? - : Sie bot’s, die ohne Makel.
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XXIX.
Du Rebe des wahren Weinstockes!
(St. Bonavent)
Die Erde ward zum Meer der Bitterkeiten,
Seit Eva sich an jener Frucht vergriffen,
Die Gift verbarg durch Schlangenlist voll Kniffen.
Nur Wermut seh’ ich Brüder sich bereiten,
Nur Qual sich, nur sich lügen, trügen, neiden,
Beplündern sich mit frechen Räubergriffen,
Nur morden mit dem Stahle, den sie schliffen.
Verschwunden waren gänzlich Edens Freuden. –
Da schaute mitleidsvoll die ew’ge Liebe
Zum Jammertale nieder. Nektarsäfte
Aus ewiggrünem Weinstock bot den Frommen
Sie zärtlich bar, zu saugen Himmelskräfte,
Doch sagt, aus welcher Rebe sie gekommen?:
Aus ihr, die nie aufschloß in wilde Triebe.
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XXX.
Du fruchtbarer Ölbaum im Hause Gottes!
(St. Joh. Damasc.)
O heil’ger Baum mit immergrünen Zweigen,
Die ew’gen Gottesfrieden uns verkünden!
Wie wurzelst du so tief in Edensgründen!
Wie früchtereich die Äste dir sich neigen!
Wo ist ein Wunderbaum dir zu vergleichen!? –
So sehr auch unsre Wunden sich entzünden:
Sie heilen rasch von deinem Öl, dem linden.
Vor deinem Schatten schon Gebrechen weichen.
Zahllose Wildlinge einst um dich standen,
Am Haus des Herrn selbst und in allen Landen.
Da nimmt von dir ein Ästchen zart die Taube,
Und pfropft mit lauterm Wachs und weichen Banden
Manch Zwerglein auf die wilden: und dem Staube
Entwächst der Lichtstoff rein in Lieb’ und Glaube.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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XXXI.
Du strahlender Morgenstern!
(St. Ephrem.)
Von hohen Himmelsauen seh’ ich stürzen
Den stolzen Träger nachtgeword’nen Lichtes,
Ihn, Lucifer – entsetzlichen Gerichtes.
Hei, wie sie ihm den Vampirflügel kürzen,
Die Höllenflammen! Ha, wie sie ihm würzen,
Dem frechen Haupt des höllischen Gezüchtes,
Den Taumelbecher! Bleiernen Gewichtes
Die Abgrundketten jach ihn überstürzen. –
Da taucht vom grünen Erdenhorizonte
Ein andrer Stern auf, reinern, lichtern Glanzes.
Viel höher steigt er, als der erste thronte.
Welch Aug’ erträgt das Licht des Strahlenkranzes,
Der ihn verklärt? – Der Morgen tagt; die Sonne
Blitzt auf: der Stern zerfleußt in sie vor Wonne.
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XXXII.
Du Paradies der Wonne und Unsterblichkeit!
(St. Ephrem.)
Schön war des ersten Edens holder Garten,
So lang ihn noch die Trugesschlangen mieden,
So lang der Unschuld Lilien in ihm blühten,
Und Friedensengel seine Pforten wahrten.
Doch weh! die Engel wichen, und die zarten,
Die lautern Lilien welkten. Nicht beschieden
War jener Stätte ew’ger Wonnefrieden.
Ach, Noth und Tod, sie stürmten ein, die harten! –
Da baute sich die Lieb’ ein zweites Eden
So unverletzbar rein und hold und herrlich,
Daß nimmer Stürme seinen Flor verwehten,
Daß keine Schlange dort mehr wird gefährlich.
Prangt doch des Lebens Baum im reichbesäten
Nächst dem des Wissens ewig unversehrlich.
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XXXIII.
Du zweiter Himmel!
(St. Chrysost.)
Wohl sprichst du recht, o Hiob, frommer Heide!
Daß selbst die Himmel nicht ganz rein sich zeigen
Vor Dessen Augen, Dem sich Berge neigen,
Der an sich selbst nur volle Augenweide
Genießen kann. Denn, ach, zum tiefsten Leide
Der ew’gen Liebe wagen wegzusteigen
Zum Abgrund – Rotten, die den Höllenreigen,
Den schwarzen, dort eröffnen; die, dem Eide
Der ew’gen Treue treulos, Den verfluchen,
Der sie in’s Sein rief! – Sieh, da schafft der Meister
Des Sternenalls in’s weite Lichtgewimmel
Sich einen wundersamen zweiten Himmel,
Wo nie ein Engel sinkt im Meer der Geister,
Nie’s einer wagt, zum Abfall zu versuchen.
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XXXIV.
Du jungfräuliche Erde, vom Fluche unberührt!
(St. Andreas.)
Als Gott der Erde fluchte, hielt die Rechte
Mild segnend Er auf ein Geländ gebreitet,
Das Er zu hohem Zwecke sich bereitet:
Das nie entweihen sollten finst’re Mächte.
Und ob auch jener Zornflut Schreckensnächte
Den Erdball in ein Bußgewand gekleidet:
O staunet, wie die Woge rückwärts schreitet
Vor jenem Gnadenteil im Sündgeschlechte!
Nichts Totes durfte je dies Heilsgelände,
Beflecktes nichts das reine je berühren.
behütet haben es der Engel Hände,
Es treu geschützt vor wildunreinen Tieren.
Bot es doch ja die holde Blumenspende,
Des Retters Heilsgewand lichtrein zu zieren.
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XXXV.
Du Balsam des süßesten Wohlgeruches!
(St. Bernhard.)
Verschleuß nur, Pascha, deine Nardenspende!
Verbirg dein Mekkaharz in Zedernschreine!
Verwahr’s in Gold, in klare Edelsteine,
Damit nicht nahen ihm vermess’ne Hände!
Du weißt, wie rasch der süße Duft ja schwände,
Zerbräche das Gefäß, das reiche, kleine.
Und solch ein Öl, das wunderlich feine,
Vergösse nur wer seinen Wert nicht kannte. –
Doch sieh’, der Balsam himmlisch holder Süße,
Den ich dir nenne, haucht (sagt man) die Düfte
Nur stärker aus, je weiter er zerfließe.
Schon füllt mit Ambra er die fernsten Lüste.
Und wenn man ihm die rechte Strömung ließe:
Er dränge selbst belebend in die Grüfte.
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XXXVI.
Du immergrünender Weinstock!
(St. Gregor. Thaumat.)
Beseligt trank ich wiederum auch heute
Der Liebe Nektarwein dort am Altare.
Wie mundet, ach, so süß der himmlisch klare!
Wie schwimmt in Ihm das Herz im Meer der Freude!
Wie schwelgt es wonnig, spottend allem Leide,
In Ihm, der zählet jedes uns’rer Haare,
Der von der Wieg’ uns schützet bis zur Bahre,
Uns schmücket mit purpurnem Hochzeitskleide!
Führwahr, ein solcher Trank: nicht von gemeiner,
Von niedrig schlichter Rebe mag Er stammen;
Nur aus der immergrünen kann Er fließen,
Die nicht in Gluten dorret; die in reiner,
In ew’ger Frische blüht, und dennoch Flammen
Im Safte nährt, die bis zum Äther schießen.
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XXXVII.
Du keuscheste Turteltaube!
(St. Epiphanius.)
Manch Täubchen ward in blendend weißer Schöne
Nach Salem einst zum Tempel hin getragen;
Und manches wunderliebe hört’ ich klagen
Mit zärtlich süßem, lauterm Lockgetöne.
Und ach, in wehmutvollem Schmachtgestöhne
Sah manches ich die reinen Lüfte schlagen
Mit müdem Fittig – letztmals sich noch wagen
Aus kühler Kluft hinaus zum heißen Föhne. –
Doch nein, so rein, so keusch, so lieblich milde,
So schneeig weiß, so schüchtern; doch so traulich;
So ganz geformt nur nach dem Himmelsbilde
Der Gottestaub’ am Jarden; so beschaulich,
Wie die von Nazareth einst aufgeschwebet:
So keine mehr den Fuß zum Himmel hebet.
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XXXVIII.
Du Gefäß der Auserwählung!
(St. Cyprian.)
Aus Tausenden ward einstens auserwählet –
Den Tempelschmuck mit kunstgewandten Händen
Gar zierlich schön und glanzvoll zu vollenden –
Beseelet, den Gottes Geist beseelet,
Zu formen Alles, was zum Edlem zählet:
Den Marmor hier zum Prachtschmuck an den Wänden;
Dort Elfenbein und Gold, den Blick zu blenden,
Falls er sich erfurchtlos im Schau’n verfehlet. –
Und wenn dann Strahlen sprühte jene Vase,
Die dort das Manna barg in heil’gen Zelten:
Aus welchem Stoffe wähnt ihr wohl bereitet
Die Herrliche, die einstens Ihn umkleidet,
Der Himmelsbrod sich nennt und Herrn der Welten? - :
Traun! nur von Demant stammt sie, nicht von Glase. –
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XXXIX.
Du glückselige Brücke zu Gott!
(St. Alphons Lig.)
Da Sündefluch der Erde heit’re Triste
Zu Wüsteneien umschuf, grüne Auen
Zur dornbesäten Öde einst, zur rauhen;
Ein zottig Fell sich schlang um Adams Hüfte;
Und Rachegeister rasten durch die Lüfte:
Da gähnte eine tiefe Kluft vom blauen,
Lichtklaren Äther bis zur Erde. Grauen
Ergriff die Engel ob dem Sündengifte,
Das aus der Erde quoll, die Kluft zu füllen.
Doch weh! sie gähnte tiefer nur und greller. –
Da barg die Liebe sich in Staubeshüllen,
Beschloß zum dunklen Stern herabzusteigen.
Auf welcher Brücke wohl?: Seht hell und heller
Strahlt sie, sie gold’ne, der die Sonnen weichen! -
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