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1864 Die Bremer Versuchung
#1
1864

Die Bremer Versuchung


Ein Frühlingstag, die Sonne scheint. Was will man
noch mehr vom Tag? Er braucht kein Torf zu stechen!
Statt dessen gilt es zeitig aufzubrechen
zu einem Botengang ins Hotel Hillmann.

Die Kiebitzeier war'n Delikatessen.
Er ist mit Ludwig mittags angekommen,
man hat die Eier dankbar angenommen,
wies ihnen einen Platz zu, dort zu essen...

Das edle Porzellan und die Servietten;
Die beinen war'n vor Ehrfurcht kaum zu retten.
Wozu ist wohl dies Tüchlein zu benutzen?

Da sitzen sie, adrett, doch etwas steif
und Ludwig wird bald der Gedanke reif:
Man nimmt das Ding bestimmt zum Naseputzen!


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#2
2

Am Essen gab es wirklich nichts zu meckern
und doch beschlich die zwei ein Unbehagen,
ob wohl genügt ihr dörfliches Betragen.
Sie aßen schweigsam, ach; jetzt blos nicht kleckern,

und schauten sich an Nebentischen ab,
wie andere Besucher sich benahmen,
bis dann zwei Herrn zu ihrem Tische kamen:
Die setzten sich dazu und einer fragte knapp,

ob Heinrich denn der kleine Maler wäre.
Dem war die ganze Szene nicht geheuer,
doch packte ihn die Frage bei der Ehre.
"Das bin ich!" und eh weitre Fragen drohen,
sind er und Bruder Ludwig, sein Getreuer,
dem ersten Keis der Hölle leis entflohen.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#3
3

Der Eindruck der Begegnung saß noch tief.
Die beiden fremden Herren war'n Vertreter
des königlichen Hofes, wie sich säter
herausgestellt hat, denn mit einem Brief,

der kurz danach das Brelinghaus erreichte,
wälzt sich das ganze Leben Heinrichs um:
Der König selbst gewährt ein Studium
auf seine Kosen. Vater Wilhelms Beichte,

dass er wohl  eingeweiht war in den Plan,
ging unter in der allgemeinen Freude.
Der König gibt dem Heinrich seinen Segen!

Allein ein Zeugnis wär noch vorzulegen.
So sei es denn: Es geht ja auch nicht aan,
dass jemand sein Talent einfach vergeude.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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