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Kosmischer Kindergarten
#1
Kosmischer Kindergarten
 
Wir wollen alle Rechenformeln kennen
und Orbitale in Vektoren pressen,
Planeten in exakten Units messen
und roten Staub in Silikate trennen.
 
Uns manchmal in Ideen zu verrennen
gehört dazu, doch die sind schnell vergessen;
ein Faktencheck (woher, wie lang und wessen?)
genügt, - um bunte Kugeln zu benennen...
 
Wir bauen Megariesenteleskope
und starren bis zur Kosmosapokope,
an der die Technokratenlinsen brechen.
 
Und hinter Supernovanebelphantasien
verschnörkeln sich groteske Galaxien,
wo kleinste Pixel unser Sein belächeln.
 
15.04.2026
Die Schönste
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#2
Seid gegrüßt, Aphrodite.

So ein Wissenschaftsthema ist ja mal ein origineller Einstieg ins Forum.
Mit Formfragen brauchen wir uns nicht lange aufhalten: Der Text löäuft rund.
Der Schmutzreim brechen / läccheln fiel erst beim wiederholten Lesen auf.

Schwierig finde ich die gehäufte Verwendung von Fremd- und Fachwörtern.
Einerseits unterstreicht es die sinnliche Entfremdung von den beobachteten Objekten,
was mir ein Motiv für dieses Sonett zu sein scheint. Andererseits macht es ganzen Text etwas sperrig wenn man als Leser nicht jeden Begriff auf Anhieb versteht.

Bei "Kosmosapokope" z. B. versagt auch eine schnelle Googlesuche, auch wenn ich die gefundene Erklärung für das Teilwort Apokope im Kontext näherungsweise deuten kann.

Es ist auch nicht ganz klar, wer dieses "Wir" ist.
istdie Menschheit als Ganzes gemeint?
Oder die Astronomie- und kosmologie-Community?
Oder wir die wir Berichte auf Facebook und den Panorama-Seiten der Tageszeitungen lesen?

Sicher interessiert sich nicht jeder Leser für genaue Formeln.
Beteiligte Wissenschaftler werden eine gefundene Formel nicht einfach wieder "vergessen", weil sie eben kein trockenes Zahlenwerk sind, sondern der Weg zu einer Erkenntnis, die sicher auch für die modernen Entdecker den Sternenhimmels eine poetische vielleicht sogar spirituelle Dimension hat.

Mein Thema wäre glaube ich die Diskrepanz der Erlebniswelten zwischen Wissenschaftlern und Laien. Aber die läßt sich mit einem undefinierten Wir kaum beschreiben.

Dennoch gerne gelesen, - und wie gesehen auch etwas zum Nachdenken gebracht.

liebe Grüße
ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#3
Sei gegrüßt, ZaunköniG,

und vielen Dank für Deine Gedanken - ich freue mich riesig, dass einige meiner Ideen bei Dir angeschlagen haben, auch wenn ich mir den Fokus etwas anders vorgestellt habe. In erster Linie meinen Dank, dass Du Dich mit dem Werk auseinandergesetzt und Dir die Zeit zum Kommentieren genommen hast.

Ich hatte gehofft, dass der Titel den Einstieg und die Verbindung zum Inhalt etwas erleichtert. Die Fachbegriffe kenne ich selbst nicht - muss ich zu meiner Schande gestehen (bis auf die Neologismen, die kommen von mir) - und habe mit Astrophysik, Mathematik, Wissenschaft (bis auf die Wissenschaft der Sprache) o. ä. nichts am Hut. Ich saß abends da und dachte, es wäre doch mal ganz nett, ein Sonett über das Universum zu schreiben.

Ich bin unter dem Titel "Kosmischer Kindergarten" auf einen Artikel bei Google gestoßen, dass ein System entdeckt worden ist, in dem neue Planeten entstehen. Und diese Seite der Wissenschaft (die Erforschung und Katalogisierung und Vermessung dieser neuen Himmelskörper) mit der Möglichkeit, diese auf die möglicherweise sogar Hybris der Menschheit übertragen zu können - auch wenn ich natürlich völlig mit Dir konform gehe, dass sich davon nicht alle Menschen angesprochen fühlen - fand ich als Thema reizvoll. Bei Interesse am genauen Gestaltungskonzept einfach den weißen Bereich hier drunter markieren, habe keine Spoilerfunktion gefunden.

Daher auch der Einstieg mit der Überhäufung von (vermeintlichem) Fachvokabular, um das, was wir zur Vermessung und Benennung des Universums machen unglaublich hochtrabend, exakt und richtig (kennen, messen, in Vektoren pressen Marserde in Silikate auftrennen, analysieren) scheint, um die Weiten des Universums lösen zu können. Wilde Ideen werden unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten ganz schnell wieder verworfen und nur noch eben geschaut, woher kommt das Signal, wie lange hat es zu uns gebraucht und welches Objekt können wir dort festmachen, aha, wir können das Objekt (bunte Kugel, Planet, etc.) benennen.

Mit den bunten Kugeln passiert zeitgleich der Umschwung in die Terzette, wo unser Gebaren, das Universum in kleine Excel-Tabellen pressen zu wollen, als Spiel "im Kindergarten" mit bunten Murmeln und Megariesenteleskopen (wie der größte Bagger im Sandkasten) entlarvt wird - und dass hinter der für uns erfassbaren Grenze (wo das Universum noch weitergeht für uns aber aufhört -> Kosmosapokope, unsere auf Technokratie (hier kann oder kann nicht der geneigte Leser oder die geneigte Leserin mitgehen, ob er/sie eine derartige Wissenschaft als technokratisch beurteilt oder nicht) beruhenden "Spielzeuge" (Megariesenteleskop) verweigern ihren Dienst, erkennen quasi nur "Universu" und das durch die Apokope verschluckte "m" bleibt nicht sichtbar) des Universums verschnörkelte (also eben nicht gradlinige und erfassbare und in unsere Schemata und Formeln und unser "geradeaus Starren" passende) Galaxien existieren, wo selbst die kleinste Form der Existenz (die Pixel) uns intellektuell und existenziell so weit überlegen ist, dass sie die Astrophysiker/Wissenschaftler oder im übertragenen Sinne uns in unserer wissenschaftlichen Hybris nur belächeln kann.

Achso: Der Schmutzreim ist natürlich ein Feature, warum sollten die Kinder wohlklingende Sprache können und das Kindergebrabbel wo es dann auch mal unrein wird sich schön reimen, vor allem, wenn die Linsen brechen? Nein, das war natürlich nur ein zufälliger "glücklicher" Effekt, der, wie ich finde, gut passt. "Belächeln" wollte ich unbedingt haben, fand aber Linsen die "schwächeln" viel zu schwach und von "Entdeckungen hinterherhecheln" wollen wir gar nicht anfangen.

Es ist quasi die Doppelschichtigkeit bzw. umgekehrte Perspektive des kosmischen Kindergartens. Für uns (oder unsere Atrophysiker) ist es der entdeckte Bereich, wo neue Sterne und Planeten entstehen, die man wie neue Kinder benennen kann - während für die kleinsten Pixel in den für uns gar nicht erfassbaren Bereichen des Universums wir der Kindergarten sind.

Das war zumindest meine inhaltliche Intention, aber wie immer im lyrischen Rahmen freue ich mich über alle Denkanstöße und eigene Wege, die durch das Werk gegangen werden. Für mich persönlich gibt es schon richtig und falsch, insbesondere was Form, Metrik, Reimschema und z. T. auch (Bild)-sprache betrifft aber auf der Seite des Lesers/der Leserin gibt es - meiner Meinung nach - alle Freiheiten.

Ich danke Dir für die investierte Zeit!

Grüße vom Olymp, Aphrodite
Die Schönste
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