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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Alfred Wolfenstein]]></title>
		<link>https://sonett.fontane-place.de/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett.fontane-place.de]]></description>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 01:12:23 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Trennungen in dieser Zeit]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=30398</link>
			<pubDate>Tue, 12 Aug 2025 09:08:54 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=30398</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Trennungen in dieser Zeit</span><br />
<br />
Was bleibt mir, wenn wir von einander scheiden?<br />
Auch du siehst etwas bleich aus schwarzem Wagen,<br />
Noch ein Mal zu mir her, von Qualm beschlagen -<br />
Weiß winkt die Einsamkeit, ein bleibend Leiden.<br />
<br />
Was lebt in mir, wenn wir Lebwohl uns sagen,<br />
Verschiednen Tons? Die großen Räder schneiden<br />
Bald die verschlungnen Hände durch, uns beiden,<br />
Denn alle Uhren schlagen Abschied, schlagen -<br />
<br />
Was denke ich? Hier endlich nicht mehr denke!<br />
Denn alles schwebt - Minuten schön - Geschenke -<br />
Es ist so schmerzlich gut, dich noch zu sehn.<br />
<br />
Und du? Die fremde Welt kanns doch verstehn,<br />
Daß auch die Männer manchmal weinen müssen,<br />
Ja, sie erlaubt am Bahnhof, dich zu küssen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Trennungen in dieser Zeit</span><br />
<br />
Was bleibt mir, wenn wir von einander scheiden?<br />
Auch du siehst etwas bleich aus schwarzem Wagen,<br />
Noch ein Mal zu mir her, von Qualm beschlagen -<br />
Weiß winkt die Einsamkeit, ein bleibend Leiden.<br />
<br />
Was lebt in mir, wenn wir Lebwohl uns sagen,<br />
Verschiednen Tons? Die großen Räder schneiden<br />
Bald die verschlungnen Hände durch, uns beiden,<br />
Denn alle Uhren schlagen Abschied, schlagen -<br />
<br />
Was denke ich? Hier endlich nicht mehr denke!<br />
Denn alles schwebt - Minuten schön - Geschenke -<br />
Es ist so schmerzlich gut, dich noch zu sehn.<br />
<br />
Und du? Die fremde Welt kanns doch verstehn,<br />
Daß auch die Männer manchmal weinen müssen,<br />
Ja, sie erlaubt am Bahnhof, dich zu küssen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[An die von 1914]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25724</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 18:12:10 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25724</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
AN DIE VON 1914<br />
<br />
Wie sind zu Tänzern Bürger rings geworden!<br />
Die langen Herzen kommen wild geflogen,<br />
Die kühlen, von einander angezogen<br />
Es ist so heiß und rot wie nie im Norden.<br />
<br />
Es trommeln bis zum Tod mit gleichem Schlage<br />
Hinausgezogne auf erhöhten Knieen,<br />
Die niemals Rätsel fühlten, nie aufschrieen.<br />
Erstürmen hallend Lösung jeder Frage.<br />
<br />
Warum bewegtet ihr euch nicht im Frieden<br />
So außer euch, so ruhlos und so gerne!<br />
Gekommen wäre niemals mehr der Krieg.<br />
<br />
Doch lernt dies Feuer für den neuen Frieden,<br />
Stürmt dann wie jetzt und ruft statt Hurra: Sterne!<br />
Und opfert euch für Geist und seinen Sieg.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
AN DIE VON 1914<br />
<br />
Wie sind zu Tänzern Bürger rings geworden!<br />
Die langen Herzen kommen wild geflogen,<br />
Die kühlen, von einander angezogen<br />
Es ist so heiß und rot wie nie im Norden.<br />
<br />
Es trommeln bis zum Tod mit gleichem Schlage<br />
Hinausgezogne auf erhöhten Knieen,<br />
Die niemals Rätsel fühlten, nie aufschrieen.<br />
Erstürmen hallend Lösung jeder Frage.<br />
<br />
Warum bewegtet ihr euch nicht im Frieden<br />
So außer euch, so ruhlos und so gerne!<br />
Gekommen wäre niemals mehr der Krieg.<br />
<br />
Doch lernt dies Feuer für den neuen Frieden,<br />
Stürmt dann wie jetzt und ruft statt Hurra: Sterne!<br />
Und opfert euch für Geist und seinen Sieg.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Frau]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25723</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 18:09:31 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25723</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
FRAU<br />
<br />
<br />
Eine Maske, die von ihr die Stimme hat<br />
Wie sie schmal ins Telephon klingt — und sich weitet,<br />
Ruft herein in meines Kopfes laute Stadt,<br />
Auch mit Augen blanl wie ihre ausgebreitet:<br />
<br />
Sei nicht liebevoll, sei gierig, sei nie matt!<br />
Sei ein Körper, der die Körper brausend reitet.<br />
Habe Menschen zu genießen niemals satt!<br />
(Doch der böse Schrei klang hymnenhaft besaitet)<br />
<br />
Schweigen kam und hielt, — summte weit und leer.<br />
Als verspannten meine Drähte sich durch Meer<br />
Und als stände eine Wartende ganz fern —<br />
<br />
Aber plötzlich packte ich, ein riesiger Mann,<br />
Hin und riß sie her und bog sie um — Doch dann<br />
Küßte meine ihre Stirn wie einen Stern.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
FRAU<br />
<br />
<br />
Eine Maske, die von ihr die Stimme hat<br />
Wie sie schmal ins Telephon klingt — und sich weitet,<br />
Ruft herein in meines Kopfes laute Stadt,<br />
Auch mit Augen blanl wie ihre ausgebreitet:<br />
<br />
Sei nicht liebevoll, sei gierig, sei nie matt!<br />
Sei ein Körper, der die Körper brausend reitet.<br />
Habe Menschen zu genießen niemals satt!<br />
(Doch der böse Schrei klang hymnenhaft besaitet)<br />
<br />
Schweigen kam und hielt, — summte weit und leer.<br />
Als verspannten meine Drähte sich durch Meer<br />
Und als stände eine Wartende ganz fern —<br />
<br />
Aber plötzlich packte ich, ein riesiger Mann,<br />
Hin und riß sie her und bog sie um — Doch dann<br />
Küßte meine ihre Stirn wie einen Stern.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Luftschiff über der Stadt]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25722</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 18:02:05 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25722</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
LUFTSCHIFF ÜBER DER STADT<br />
<br />
Durch die Wolken trommelnd, vorwärts gereckt.<br />
Spitz und weiß und wild und neu wie ein Kind,<br />
Strotzend von Leichtheit, sichtbarer Wind,<br />
Blau von Himmel, schattig von Erde gefleckt,<br />
<br />
Über die Stadt, mit heißen Gesichtern bedeckt.<br />
Über Geschrei, das aus schwebenden Herzen rinnt,<br />
Über Augen vom Blick in Sonne blind.<br />
Über die Hand der Entzückung, zur Luftfahrt gestreckt.<br />
<br />
Fliegt es, über das Leben von einstmals fliegt es.<br />
Fremdeste Höhen nahe und gierig wiegt es,<br />
Hirne reißt es aus den Wänden,<br />
<br />
Schwach wie ein Spiegel dunkelt die Erde,<br />
In des Himmels leuchtendere Geberde<br />
Greifen wir ein mit neuen Händen!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
LUFTSCHIFF ÜBER DER STADT<br />
<br />
Durch die Wolken trommelnd, vorwärts gereckt.<br />
Spitz und weiß und wild und neu wie ein Kind,<br />
Strotzend von Leichtheit, sichtbarer Wind,<br />
Blau von Himmel, schattig von Erde gefleckt,<br />
<br />
Über die Stadt, mit heißen Gesichtern bedeckt.<br />
Über Geschrei, das aus schwebenden Herzen rinnt,<br />
Über Augen vom Blick in Sonne blind.<br />
Über die Hand der Entzückung, zur Luftfahrt gestreckt.<br />
<br />
Fliegt es, über das Leben von einstmals fliegt es.<br />
Fremdeste Höhen nahe und gierig wiegt es,<br />
Hirne reißt es aus den Wänden,<br />
<br />
Schwach wie ein Spiegel dunkelt die Erde,<br />
In des Himmels leuchtendere Geberde<br />
Greifen wir ein mit neuen Händen!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Hinterm Fenster]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25721</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 18:00:41 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25721</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
HINTERM FENSTER<br />
<br />
Vor mir zwar steht ein Haus steil<br />
— Unten keine Straße, Luft nicht oben<br />
— Steine, die um schwache Gläser aufwärts toben,<br />
Rechts kein Ende, Wand, links nur Wand —<br />
<br />
Grau im vollen Fenster ausgespannt.<br />
Wie ein Schild an meinen Blick gehoben.<br />
Blind mir gegens weiche Haupt geschoben.<br />
Ja ins Zimmer dringend, zu zerdrücken geil —<br />
:<br />
Dieses Haus. — Jedoch um Zentimeter bloß<br />
Neigend die gehemmte Stirn — und frei vom Stoß<br />
Schau und atme ich erlöst den Fluß der Straße hin.<br />
<br />
Die vom Park unendlich ausgedehnt wird<br />
Und vom leichten Himmel, winddurchsirrt,<br />
Und mir zuhaucht, wie ich nicht gefangen bin.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
HINTERM FENSTER<br />
<br />
Vor mir zwar steht ein Haus steil<br />
— Unten keine Straße, Luft nicht oben<br />
— Steine, die um schwache Gläser aufwärts toben,<br />
Rechts kein Ende, Wand, links nur Wand —<br />
<br />
Grau im vollen Fenster ausgespannt.<br />
Wie ein Schild an meinen Blick gehoben.<br />
Blind mir gegens weiche Haupt geschoben.<br />
Ja ins Zimmer dringend, zu zerdrücken geil —<br />
:<br />
Dieses Haus. — Jedoch um Zentimeter bloß<br />
Neigend die gehemmte Stirn — und frei vom Stoß<br />
Schau und atme ich erlöst den Fluß der Straße hin.<br />
<br />
Die vom Park unendlich ausgedehnt wird<br />
Und vom leichten Himmel, winddurchsirrt,<br />
Und mir zuhaucht, wie ich nicht gefangen bin.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die Laternen]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25720</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 17:59:30 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25720</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
DIE LATERNEN<br />
<br />
Ach man ist es überdrüssig, nur zu denken,<br />
Nichts als einzeln denkende zu sehn!<br />
Denn so viele dieser Zeit stehn,<br />
Steife Straßen mühsam mit den Köpfen zu erhellen.<br />
<br />
Rührt euch, laßt euch zu Gestalten schwellen,<br />
Laßt nicht wie durch schwarzes totes Rohr<br />
Nur die scharfen Gase zum Gehirn empor<br />
Durch euch . . dennoch euch vorüber . . bleiches Licht lenken.<br />
<br />
Merkt auch, daß ihr, so enteint.<br />
Nur hinaus und gar nicht für euch scheint<br />
. . Und erhebt das tiefe Herz aus seiner Schwäche,<br />
<br />
Werden müßt ihr, was so lang nicht war,<br />
Durchgefühlter Geist, ein neues Paar ..<br />
Bietet euch in eurer ganzen Fläche!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
DIE LATERNEN<br />
<br />
Ach man ist es überdrüssig, nur zu denken,<br />
Nichts als einzeln denkende zu sehn!<br />
Denn so viele dieser Zeit stehn,<br />
Steife Straßen mühsam mit den Köpfen zu erhellen.<br />
<br />
Rührt euch, laßt euch zu Gestalten schwellen,<br />
Laßt nicht wie durch schwarzes totes Rohr<br />
Nur die scharfen Gase zum Gehirn empor<br />
Durch euch . . dennoch euch vorüber . . bleiches Licht lenken.<br />
<br />
Merkt auch, daß ihr, so enteint.<br />
Nur hinaus und gar nicht für euch scheint<br />
. . Und erhebt das tiefe Herz aus seiner Schwäche,<br />
<br />
Werden müßt ihr, was so lang nicht war,<br />
Durchgefühlter Geist, ein neues Paar ..<br />
Bietet euch in eurer ganzen Fläche!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Draußen]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25719</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 17:57:46 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25719</guid>
			<description><![CDATA[Alfred Wolfenstein<br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
DRAUSSEN<br />
<br />
Berstend angefüllte leere Stadt,<br />
Deren Wucht die Erde flinker dreht.<br />
Gierig um sich selber sausend Rad,<br />
Dessen Innres wie ein Loch vergeht! . .<br />
<br />
Die den Fuß auf Asphaltwiesen quält.<br />
Mit den tiefen Bahnen uns durchwächst,<br />
Lüfte lenkbar macht und Sterne pfählt,<br />
Schlaflos. Wälderklang in Geigen hext! . .<br />
<br />
Du, . . und doch, daß deine nüchternen<br />
Wunder mich durchrannen wie ein Sieb,<br />
Merkt mein Auge gern in diesen Bergen,<br />
<br />
Alles schwebt in göttlich schüchternen<br />
Fernen hin und hat mich zwanglos lieb,<br />
Mich erhöhend statt mich zu verzwergen!<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Alfred Wolfenstein<br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
DRAUSSEN<br />
<br />
Berstend angefüllte leere Stadt,<br />
Deren Wucht die Erde flinker dreht.<br />
Gierig um sich selber sausend Rad,<br />
Dessen Innres wie ein Loch vergeht! . .<br />
<br />
Die den Fuß auf Asphaltwiesen quält.<br />
Mit den tiefen Bahnen uns durchwächst,<br />
Lüfte lenkbar macht und Sterne pfählt,<br />
Schlaflos. Wälderklang in Geigen hext! . .<br />
<br />
Du, . . und doch, daß deine nüchternen<br />
Wunder mich durchrannen wie ein Sieb,<br />
Merkt mein Auge gern in diesen Bergen,<br />
<br />
Alles schwebt in göttlich schüchternen<br />
Fernen hin und hat mich zwanglos lieb,<br />
Mich erhöhend statt mich zu verzwergen!<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Abschied]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25718</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 17:55:20 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25718</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
ABSCHIED<br />
<br />
<br />
Die sonderbarste meiner Trennungen .<br />
Wir hatten immer uns nur fremd geliebt.<br />
Nur das von uns in uns gesiebt.<br />
Was nackten Stoff gab unsern Brennungen.<br />
<br />
Und küßte meine Brust an deinen zwein.<br />
Dein Mund an meinem von Gelüst und Geiste doppelten —:<br />
Die Scham, daß sie so uneins sich verkoppelten,<br />
War schwächer als die Lust, sich nichts zu sein.<br />
<br />
Ach . . Liebe . ., dachten wir, umarmt . . und hinter Mauern,<br />
Verworrner Wunsch, sich füreinander hinzutöten.<br />
Der guten Grenzen plumpe Überschreiterin!<br />
<br />
Und nun, als hätten wir uns doch betreten.<br />
Als sei Genuß auch tief, . . erfaßt uns Trauern<br />
. . War nicht der Zug da, dehnten wirs vielleicht noch ewig weiter hin . <br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
ABSCHIED<br />
<br />
<br />
Die sonderbarste meiner Trennungen .<br />
Wir hatten immer uns nur fremd geliebt.<br />
Nur das von uns in uns gesiebt.<br />
Was nackten Stoff gab unsern Brennungen.<br />
<br />
Und küßte meine Brust an deinen zwein.<br />
Dein Mund an meinem von Gelüst und Geiste doppelten —:<br />
Die Scham, daß sie so uneins sich verkoppelten,<br />
War schwächer als die Lust, sich nichts zu sein.<br />
<br />
Ach . . Liebe . ., dachten wir, umarmt . . und hinter Mauern,<br />
Verworrner Wunsch, sich füreinander hinzutöten.<br />
Der guten Grenzen plumpe Überschreiterin!<br />
<br />
Und nun, als hätten wir uns doch betreten.<br />
Als sei Genuß auch tief, . . erfaßt uns Trauern<br />
. . War nicht der Zug da, dehnten wirs vielleicht noch ewig weiter hin . <br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die Zeit]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25717</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 17:52:03 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25717</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
DIE ZEIT<br />
<br />
Daß ich nur jetzt bin! . . nicht mehr gestern nacht,<br />
Und Worte, die so drängend in mir staken,<br />
Wie fremde Zungen draußen nach mir blaken.<br />
. . Daß ich nur jetzt der bin, der etwas macht!<br />
<br />
Und, liebe, bist auch du so umgebracht?<br />
Der Wind, vor dem wir beide nicht erschraken.<br />
Zerreißt sein Schrei am Tag wie Widerhaken<br />
Auch dich, gleichwie von dir noch nicht gedacht?<br />
<br />
Ich war voll Gier, nur endlich einmal so<br />
Gelebtes zu bewahren, wie's gewesen,<br />
. . Es alles jeden Augenblick zu sein .<br />
.<br />
Ich wollte Haltung haben irgendwo.<br />
Kein Schicksal haben! . . Doch mit quickem Besen<br />
Kratzt mich die Zeit von treuer Dauer rein<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
DIE ZEIT<br />
<br />
Daß ich nur jetzt bin! . . nicht mehr gestern nacht,<br />
Und Worte, die so drängend in mir staken,<br />
Wie fremde Zungen draußen nach mir blaken.<br />
. . Daß ich nur jetzt der bin, der etwas macht!<br />
<br />
Und, liebe, bist auch du so umgebracht?<br />
Der Wind, vor dem wir beide nicht erschraken.<br />
Zerreißt sein Schrei am Tag wie Widerhaken<br />
Auch dich, gleichwie von dir noch nicht gedacht?<br />
<br />
Ich war voll Gier, nur endlich einmal so<br />
Gelebtes zu bewahren, wie's gewesen,<br />
. . Es alles jeden Augenblick zu sein .<br />
.<br />
Ich wollte Haltung haben irgendwo.<br />
Kein Schicksal haben! . . Doch mit quickem Besen<br />
Kratzt mich die Zeit von treuer Dauer rein<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Im Zimmer]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25716</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 17:50:09 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25716</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
IM ZIMMER<br />
<br />
Dieser schwarzen Wanduhr rechnerisches<br />
Ticken . . dieses Haun mit spitzen Beilen<br />
. . Blutlos Atmen wie des kalten Fisches<br />
. . Dieses unmenschlich unmüde Eilen . .<br />
<br />
Hör es nicht! Das soll dir nicht zerteilen<br />
Deiner Freude zeitenloses frisches<br />
In den Himmeln um die Erde Weilen,<br />
Unzerteilbar fließenden Gemisches!<br />
<br />
— Da — der giftig langen schwarzen Uhr<br />
Hauen — hakend zäher Räder Tour<br />
— Findet wieder meine leichte Spur —<br />
<br />
Und es rötet wie von einem Schuß<br />
Sich mein wellenvoller reiner Fluß<br />
Und die Zeit reißt mich hinweg zum Schluß.<br />
<br />
<br />
.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
IM ZIMMER<br />
<br />
Dieser schwarzen Wanduhr rechnerisches<br />
Ticken . . dieses Haun mit spitzen Beilen<br />
. . Blutlos Atmen wie des kalten Fisches<br />
. . Dieses unmenschlich unmüde Eilen . .<br />
<br />
Hör es nicht! Das soll dir nicht zerteilen<br />
Deiner Freude zeitenloses frisches<br />
In den Himmeln um die Erde Weilen,<br />
Unzerteilbar fließenden Gemisches!<br />
<br />
— Da — der giftig langen schwarzen Uhr<br />
Hauen — hakend zäher Räder Tour<br />
— Findet wieder meine leichte Spur —<br />
<br />
Und es rötet wie von einem Schuß<br />
Sich mein wellenvoller reiner Fluß<br />
Und die Zeit reißt mich hinweg zum Schluß.<br />
<br />
<br />
.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Städter]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25715</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 17:47:55 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25715</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
STÄDTER<br />
<br />
Dicht wie Löcher eines Siebes stehn<br />
Fenster beieinander, drängend fassen<br />
Häuser sich so dicht an, daß die Straßen<br />
Grau geschwollen wie Gewürgte sehn.<br />
<br />
Ineinander dicht hineingehakt<br />
Sitzen in den Trams die zwei Fassaden<br />
Leute, ihre nahen Blicke baden<br />
Ineinander, ohne Scheu befragt.<br />
<br />
Unsre Wände sind so dünn wie Haut,<br />
Daß ein jeder teilnimmt, wenn ich weine.<br />
Unser Flüstern, Denken . . wird Gegröhle .<br />
<br />
— Und wie still in dick verschlossner Höhle<br />
Ganz unangerührt und ungeschaut<br />
Steht ein jeder fern und fühlt: alleine.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
STÄDTER<br />
<br />
Dicht wie Löcher eines Siebes stehn<br />
Fenster beieinander, drängend fassen<br />
Häuser sich so dicht an, daß die Straßen<br />
Grau geschwollen wie Gewürgte sehn.<br />
<br />
Ineinander dicht hineingehakt<br />
Sitzen in den Trams die zwei Fassaden<br />
Leute, ihre nahen Blicke baden<br />
Ineinander, ohne Scheu befragt.<br />
<br />
Unsre Wände sind so dünn wie Haut,<br />
Daß ein jeder teilnimmt, wenn ich weine.<br />
Unser Flüstern, Denken . . wird Gegröhle .<br />
<br />
— Und wie still in dick verschlossner Höhle<br />
Ganz unangerührt und ungeschaut<br />
Steht ein jeder fern und fühlt: alleine.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Ende]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25714</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 17:46:38 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25714</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
<br />
ENDE<br />
<br />
Zu Bett, zu Bett! wie alle . . hingelegt!<br />
Du glaubst noch nicht, dies sei ein Tag gewesen,<br />
Weil du an seinen Eingang goldne Thesen<br />
Schneller Erwartung schlugst vom Licht erregt?<br />
<br />
Und fühltest dann mit dick bestaubtem Besen<br />
Die Stundenstufen dich hinabgefegt . .<br />
Nun zögerst du . . Nein, schweigend hingelegt!<br />
Und auch von Andrer Glück nicht mehr gelesen!<br />
<br />
Ein Stern sticht funkelnd durch die Jalousie,<br />
Der spielt nun Sonne in dem schwarzen Räume<br />
. . Auch ich bin hier so lächerlich und klein . .<br />
<br />
O daß der Schlaf mich nicht noch niedrer zieh!<br />
Vergolde nicht die Not und laß im Traume<br />
Den Armen nicht ein falscher König sein.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein</span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
<br />
ENDE<br />
<br />
Zu Bett, zu Bett! wie alle . . hingelegt!<br />
Du glaubst noch nicht, dies sei ein Tag gewesen,<br />
Weil du an seinen Eingang goldne Thesen<br />
Schneller Erwartung schlugst vom Licht erregt?<br />
<br />
Und fühltest dann mit dick bestaubtem Besen<br />
Die Stundenstufen dich hinabgefegt . .<br />
Nun zögerst du . . Nein, schweigend hingelegt!<br />
Und auch von Andrer Glück nicht mehr gelesen!<br />
<br />
Ein Stern sticht funkelnd durch die Jalousie,<br />
Der spielt nun Sonne in dem schwarzen Räume<br />
. . Auch ich bin hier so lächerlich und klein . .<br />
<br />
O daß der Schlaf mich nicht noch niedrer zieh!<br />
Vergolde nicht die Not und laß im Traume<br />
Den Armen nicht ein falscher König sein.<br />
<br />
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.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Bann II]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25712</link>
			<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 17:16:13 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=25712</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein </span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Bann II</span><br />
<br />
Wir können in so schwer uns auferlegten Tagen<br />
Mit den gesenkten Augen nicht nach Sternen schauen,<br />
Kaum wagen wir noch aufzuseufzen, und wir wagen<br />
Gewiss kein Abenteuer mehr mit traurigen Frauen.<br />
<br />
Wir staunen über all die Blumen in den Auen,<br />
Dass sie in Donnern, die uns eisenhart zerschlagen,<br />
So angenehm wie immer aufblühn, und wir trauen<br />
Der Liebe nicht mehr zu, noch Schmuck zu tragen.<br />
<br />
Doch alle schönen Dinge dürfen einmal fehlen:<br />
Wir müssen dennoch Menschen sein und unsre Seelen<br />
Nicht krumm gehn lassen, unter noch so schwerer Last –<br />
<br />
Ja, wir bewältigen am Abend noch das Leben,<br />
Obwohl der Tag oft tödlich war. Doch Angst erfasst<br />
Am Morgen uns. Wir müssen dennoch uns erheben.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Alfred Wolfenstein </span><br />
1883-1945<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Bann II</span><br />
<br />
Wir können in so schwer uns auferlegten Tagen<br />
Mit den gesenkten Augen nicht nach Sternen schauen,<br />
Kaum wagen wir noch aufzuseufzen, und wir wagen<br />
Gewiss kein Abenteuer mehr mit traurigen Frauen.<br />
<br />
Wir staunen über all die Blumen in den Auen,<br />
Dass sie in Donnern, die uns eisenhart zerschlagen,<br />
So angenehm wie immer aufblühn, und wir trauen<br />
Der Liebe nicht mehr zu, noch Schmuck zu tragen.<br />
<br />
Doch alle schönen Dinge dürfen einmal fehlen:<br />
Wir müssen dennoch Menschen sein und unsre Seelen<br />
Nicht krumm gehn lassen, unter noch so schwerer Last –<br />
<br />
Ja, wir bewältigen am Abend noch das Leben,<br />
Obwohl der Tag oft tödlich war. Doch Angst erfasst<br />
Am Morgen uns. Wir müssen dennoch uns erheben.<br />
<br />
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.]]></content:encoded>
		</item>
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