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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Gottfried Kinkel]]></title>
		<link>https://sonett.fontane-place.de/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett.fontane-place.de]]></description>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 13:29:40 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[An die Meister]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29205</link>
			<pubDate>Sat, 03 Feb 2024 06:06:54 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29205</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An die Meister</span>    <br />
<br />
<br />
Ihr scheltet mich, ihr Meister, unbescheiden,<br />
Weil ich euch achte, weil ich’s nicht ertrage,<br />
Daß meine Zunge Heuchelei euch sage,<br />
Weil meine Rede stählern ist, nicht seiden.<br />
<br />
Ihr scheltet mich, und ich? – ich muß es leiden!<br />
Ich kann mein Wort nicht wägen auf der Wage;<br />
Drum, ob euch auch mein ehrlich Wesen plage,<br />
Ich will und kann die Weise nicht vermeiden!<br />
<br />
Eins aber wünsch’ ich, und ihr müßt es loben:<br />
Daß mir auch einst, wie euch von mir geschehen,<br />
Die Jünger Wahrheit sagen ohne Schonung.<br />
<br />
Da mag sich denn mein wahrer Sinn erproben,<br />
Dann mögt ihr meine Demuth doch ersehen –<br />
Nennt’s Strafe ihr, ich nenn’ es kühn Belohnung!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An die Meister</span>    <br />
<br />
<br />
Ihr scheltet mich, ihr Meister, unbescheiden,<br />
Weil ich euch achte, weil ich’s nicht ertrage,<br />
Daß meine Zunge Heuchelei euch sage,<br />
Weil meine Rede stählern ist, nicht seiden.<br />
<br />
Ihr scheltet mich, und ich? – ich muß es leiden!<br />
Ich kann mein Wort nicht wägen auf der Wage;<br />
Drum, ob euch auch mein ehrlich Wesen plage,<br />
Ich will und kann die Weise nicht vermeiden!<br />
<br />
Eins aber wünsch’ ich, und ihr müßt es loben:<br />
Daß mir auch einst, wie euch von mir geschehen,<br />
Die Jünger Wahrheit sagen ohne Schonung.<br />
<br />
Da mag sich denn mein wahrer Sinn erproben,<br />
Dann mögt ihr meine Demuth doch ersehen –<br />
Nennt’s Strafe ihr, ich nenn’ es kühn Belohnung!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Beim Tode meiner frommen Mutter Maria]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29204</link>
			<pubDate>Sun, 28 Jan 2024 04:56:32 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29204</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Beim Tode meiner frommen Mutter Maria</span><br />
<br />
Du hast, o treue Mutter, uns verlassen,<br />
Als winterlich die erste Flocke fiel,<br />
Und mühten wir uns eifrig noch so viel,<br />
Die Blumen fehlen – o die kalten, nassen<br />
<br />
Herbstlichen Winde will ich immer hassen!<br />
Die Blume, ihres Zornes hülflos Ziel,<br />
Gab alle Blätter ihnen hin zum Spiel,<br />
Und alle Farben machten sie erblassen.<br />
<br />
Doch hast du redlich immerdar gerungen,<br />
Und wenn gerecht wird sein der Kämpfer Sichtung,<br />
Nicht ohne Kranz stehst du dann vor dem Throne!<br />
<br />
Drum nehm’ ich Thränen, Schmerz, Erinnerungen<br />
Und binde sie mit dunklem Band der Dichtung,<br />
Dir also flechtend eine Liederkrone.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Beim Tode meiner frommen Mutter Maria</span><br />
<br />
Du hast, o treue Mutter, uns verlassen,<br />
Als winterlich die erste Flocke fiel,<br />
Und mühten wir uns eifrig noch so viel,<br />
Die Blumen fehlen – o die kalten, nassen<br />
<br />
Herbstlichen Winde will ich immer hassen!<br />
Die Blume, ihres Zornes hülflos Ziel,<br />
Gab alle Blätter ihnen hin zum Spiel,<br />
Und alle Farben machten sie erblassen.<br />
<br />
Doch hast du redlich immerdar gerungen,<br />
Und wenn gerecht wird sein der Kämpfer Sichtung,<br />
Nicht ohne Kranz stehst du dann vor dem Throne!<br />
<br />
Drum nehm’ ich Thränen, Schmerz, Erinnerungen<br />
Und binde sie mit dunklem Band der Dichtung,<br />
Dir also flechtend eine Liederkrone.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Ich ging durch stille Abenddämmerungen]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29203</link>
			<pubDate>Fri, 26 Jan 2024 11:22:50 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29203</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ich ging durch stille Abenddämmerungen,</span><br />
Die stille Flur entschlummerte schon mählig,<br />
Die Vögel hatten, da sie tausendkehlig<br />
Die Sonn’ im Scheiden grüßten, ausgesungen.<br />
<br />
Da hat ein hoher Klang sich aufgeschwungen<br />
Von Abendglocken rings im Land vielzählig<br />
Da fühlt’ ich mich im tiefsten Herzen selig<br />
Und Thränen in’s Auge mir gedrungen.<br />
<br />
O Glockenton, wie du an Gott zu denken<br />
Uns aufrufst durch den trüben Erdenabend,<br />
Will sich der Geist so ganz in Andacht senken.<br />
<br />
Ein Ton nun klingt durch’s öde Weltgetriebe,<br />
Das sehnsuchtsmüde Herz noch süßer labend:<br />
O klinge fort, du Ruf der ew’gen Liebe!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ich ging durch stille Abenddämmerungen,</span><br />
Die stille Flur entschlummerte schon mählig,<br />
Die Vögel hatten, da sie tausendkehlig<br />
Die Sonn’ im Scheiden grüßten, ausgesungen.<br />
<br />
Da hat ein hoher Klang sich aufgeschwungen<br />
Von Abendglocken rings im Land vielzählig<br />
Da fühlt’ ich mich im tiefsten Herzen selig<br />
Und Thränen in’s Auge mir gedrungen.<br />
<br />
O Glockenton, wie du an Gott zu denken<br />
Uns aufrufst durch den trüben Erdenabend,<br />
Will sich der Geist so ganz in Andacht senken.<br />
<br />
Ein Ton nun klingt durch’s öde Weltgetriebe,<br />
Das sehnsuchtsmüde Herz noch süßer labend:<br />
O klinge fort, du Ruf der ew’gen Liebe!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Ja, sie war hier!]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29202</link>
			<pubDate>Wed, 24 Jan 2024 07:57:56 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29202</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ja, sie war hier! </span>O sage dir es wieder<br />
Und immer wieder, frohbewegte Brust!<br />
Empfinde ganz sie, der Erinn'rung Lust,<br />
Ergieße sie im Jubelklang der Lieder.<br />
<br />
Es bringt der Tag auf hellem Lichtgefieder<br />
Der scheuen Lieb' Entbehrung und Verlust;<br />
Ihr Recht ergreift sie kühn und selbstbewußt,<br />
Senkt sich die milde Nacht zur Erde nieder!<br />
<br />
Nun ist geweihet, wo sie stand, die Stelle,<br />
Und jeder Abend bringt die Huldgestalt<br />
Mir wieder bei der Kerzen Dämmerhelle.<br />
<br />
Von ihrem Odem fühl' ich mich umwallt -<br />
Leis rauscht ihr Kleid dann über meine Schwelle,<br />
Und fern des Fußes leichter Tritt verhallt!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ja, sie war hier! </span>O sage dir es wieder<br />
Und immer wieder, frohbewegte Brust!<br />
Empfinde ganz sie, der Erinn'rung Lust,<br />
Ergieße sie im Jubelklang der Lieder.<br />
<br />
Es bringt der Tag auf hellem Lichtgefieder<br />
Der scheuen Lieb' Entbehrung und Verlust;<br />
Ihr Recht ergreift sie kühn und selbstbewußt,<br />
Senkt sich die milde Nacht zur Erde nieder!<br />
<br />
Nun ist geweihet, wo sie stand, die Stelle,<br />
Und jeder Abend bringt die Huldgestalt<br />
Mir wieder bei der Kerzen Dämmerhelle.<br />
<br />
Von ihrem Odem fühl' ich mich umwallt -<br />
Leis rauscht ihr Kleid dann über meine Schwelle,<br />
Und fern des Fußes leichter Tritt verhallt!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Zehn Sonette an Johanna (10)]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29201</link>
			<pubDate>Mon, 22 Jan 2024 08:18:42 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=29201</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Zehn Sonette an Johanna<br />
<br />
1.</span><br />
<br />
Still war mein Knabenleben, eng und klein;<br />
Drum gruben sich auf meines Herzens Grund<br />
Nur wenig Bilder, aber farbenbunt<br />
Mit unzerstörbar tiefen Zügen ein.<br />
<br />
Eins blieb mir, du! O weißt du, dort am Rhein -<br />
Ein Kind fast warst du noch, froh, hell, gesund,<br />
Und blicktest heiter in das Weltenrund,<br />
Als wären all die schönen Wunder dein.<br />
<br />
Ich kam des Weges auch mit stillem Schritt:<br />
Da standst du dunkel vor dem Abendlicht,<br />
Das mächtig wiederglänzte von der Flut.<br />
<br />
Ich sah dich, hellverklärt das Angesicht,<br />
Von meiner Schwester Arme traut umruht -<br />
Ich schwieg und nahm dieß Bild in's Leben mit. <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">2.</span><br />
<br />
Die Stille schwand! der Cirkus that sich auf,<br />
Der Herold winkte: hei die Renner fliegen!<br />
Gilt es zu siegen? männlich zu erliegen?<br />
Frisch! Tod und Leben, beide stehn zu Kauf.<br />
<br />
Und dich verlor ich in dem raschen Lauf:<br />
Wer kann in weichem Kindheitstraum sich wiegen,<br />
So lang die Kraft er spannen muß zu siegen,<br />
Der Gegner Schaar ihn noch umringt zu Hauf?<br />
<br />
Umflogen ist die Bahn! Stolz blickt' ich um,<br />
Langsamern Lauf nun gönnend dem Gespanne;<br />
Nah ist das Ziel, die Gegner all zurück.<br />
<br />
Doch jauchzen kann ich nicht: ich denke stumm,<br />
Daß mich der Kampf gereift zum ernsten Manne,<br />
Auch hinter mir liegt fern der Jugend Glück! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">3.</span><br />
<br />
Da trittst du mir zum zweitenmal entgegen,<br />
Das jugendliche Haupt im Witwenschleier:<br />
Des Mannes feste Brust darf kühner, freier,<br />
Als einst des Knaben, dir sich zubewegen.<br />
<br />
Noch hältst du mich mit deinem Zaubersegen;<br />
Mein Herz ist vollbesaitet deine Leier;<br />
Du nimmst es, wie du willst! Zur ernsten Feier<br />
Zum leichten Scherz kannst wechselnd du's erregen.<br />
<br />
Du singst den Psalm: da klingen Melodien<br />
Im Busen mir von Jugendandachtgluten;<br />
In stiller Kirche möcht' ich wieder knien.<br />
<br />
Du malst im Klang die Nacht - wie tief es dunkelt!<br />
Du hebst den Mond herauf aus schwarzen Fluten:<br />
Und träumend bin vom Sternglanz ich umfunkelt. <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">4.</span><br />
<br />
Wo führst du hin mich, Mächtige? Laß ab!<br />
Längst schläft die Jugendzeit mir todtenkalt,<br />
Was übt dein Wort so magische Gewalt,<br />
Was schwingst du ob der Gruft den Geisterstab?<br />
<br />
Den Garten seh' ich, der mich eng umgab,<br />
Der Mutter ernste mächtige Gestalt,<br />
Des Vaters Haupt von weißem Haar umwallt,<br />
Sie steigen lebend aus dem dunkeln Grab!<br />
<br />
Die Schwester zeigst du mir im Mädchenkleide,<br />
Die nun ein fremder Herd von mir entfernt,<br />
Genossin einst an Jubel wie an Leide.<br />
<br />
Du weckst mir Jauchzen und du weckst mir Thränen -<br />
O Lust der Thränen, die ich lang verlernt!<br />
Es schmilzt mein Erz in wonnig weiches Sehnen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">5.</span><br />
<br />
Und wer dich schaut' - du bist so jung geblieben!<br />
So harmlos bist du, wie nur Kinder sind;<br />
Rasch tanzt dein Geist, ein flüchtiger Wirbelwind,<br />
Und deines Witzes glühe Funken stieben.<br />
<br />
Der neckische Scherz steht auf der Stirn geschrieben:<br />
Mir ist, als wärst du noch das leichte Kind,<br />
Umspielt von Frühlingshauchen weich und lind,<br />
Als läge vor dir noch ein erstes Lieben!<br />
<br />
Doch weh, dein Mund ist plötzlich schmerzverbittert<br />
Die hohe Stirn deckt sich mit Finsterniß,<br />
Drauf zuckt's, wie wenn im Westen es gewittert.<br />
<br />
"Durch all mein Leben klafft ein solcher Riß,<br />
Daß es nur noch dem Tod entgegenzittert -"<br />
Elend auch du? du nickst - es ist gewiß! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">6.</span><br />
<br />
"Die Nacht ist schrecklich, finster, kalt und bang,<br />
Doch lieb' ich sie; sie ist des Todes Schein;<br />
Unendlich einsam bin ich und allein;<br />
Wie draußen, schweigt im Innern jeder Klang.<br />
<br />
Da streck' ich mich wie Leichen, starr und lang;<br />
Die müden Hände faltend, dämmr' ich ein -<br />
So träum' ich mich in meinen Todtenschrein,<br />
Und über mir hallt dumpf der Priester Sang.<br />
<br />
Und also lieg' ich, bis im wirren Hirn<br />
Des Lebens letzter Funke mild verglimmt,<br />
Und Eiseskälte mir bedeckt die Stirn.<br />
<br />
Dann spür' ich Ruhe - Tod und Grab und Nacht,<br />
Gefühl und Denken, Lust und Noth verschwimmt,<br />
Und ob mir waltet der Vernichtung Macht." <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">7.</span><br />
<br />
So strömt denn hin um Sie, ihr bangen Klagen,<br />
Ach um dieß starke Herz, das muthlos bricht!<br />
Ein Geist - ihn beugten lohe Blitze nicht,<br />
Zerstört sich selbst durch zweifelndes Verzagen!<br />
<br />
Sie sucht Genuß, um müde sich zu jagen,<br />
Sie strahlt ihr Leben aus im bunten Licht,<br />
Sie schwärmt im Ton und jauchzet im Gedicht,<br />
Sie stürmt, die zarte Harfe zu zerschlagen.<br />
<br />
Sie schlürft begierig mit Vernichtungswonne<br />
Als gährend Gift des Lebens heißen Wein,<br />
Sie treibt die Pulse, daß sie wild zerspringen!<br />
<br />
Furchtbarer Wahnsinn, von dem Licht der Sonne,<br />
Das jedes Herz verklärt mit Hoffnungschein,<br />
Freiwillig nach dem Tode hinzuringen! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">8.</span><br />
<br />
Am Fenster steh' ich in des Morgens Schauern:<br />
Im Osten flammt Gewölk mit goldnem Prangen:<br />
Der Frühhauch löscht die heißerglühten Wangen,<br />
Die von dem Kummer dieser Nacht noch trauern.<br />
<br />
Die Seele hebt sich aus den Klostermauern,<br />
In denen sie der dumpfe Gram gefangen:<br />
Denn der Entschluß ist hell ihr aufgegangen:<br />
Sie retten muß ich, statt sie zu bedauern!<br />
<br />
Auch ich war elend und von Gott verlassen;<br />
Auch ich begrüßte jauchzend mächt'ge Töne<br />
Im fremden Land einst, die mir Tod verhießen -<br />
<br />
Nun dennoch glücklich! Kann ich's auch nicht fassen,<br />
Für sie weiß ich den Weg zur ew'gen Schöne,<br />
Die voll uns tränkt mit ruhigem Genießen! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">9.</span><br />
<br />
Ich ging durch stille Abenddämmerungen:<br />
Die stumme Flur entschlummerte schon mählig;<br />
Die Vögel hatten, da sie tausendkehlig<br />
Die Sonn' im Scheiden grüßten, ausgesungen.<br />
<br />
Da hat ein hoher Klang sich aufgeschwungen<br />
Von Abendglocken rings im Land vielzählig;<br />
Da fühlt' ich mich im tiefsten Herzen selig,<br />
Und Thränen sind in's Auge mir gedrungen.<br />
<br />
O Glockenton, wie du an Gott zu denken<br />
Uns aufrufst durch den trüben Erdenabend,<br />
Will sich der Geist so ganz in Andacht senken.<br />
<br />
Ein Ton nur klingt durch's öde Weltgetriebe,<br />
Das sehnsuchtmüde Herz noch süßer labend:<br />
O klinge fort, du Ruf der ewigen Liebe! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">10</span>.<br />
<br />
Es stöhnt das müde Herz nach Frieden! Frieden!<br />
Der Friede kommt - doch langsam ist sein Gang.<br />
An Jugendüberfülle sind wir krank,<br />
Gesundheit ist dem Alter nur beschieden.<br />
<br />
So lange wild des Lebens Fluten sieden,<br />
Ist diesem stillen Gast bei uns zu bang;<br />
Es kommt die Frucht erst wenn die Blüte sank -<br />
Nie eint sich Stille mit der Kraft hienieden.<br />
<br />
Du hoffe still! Ich hoffe auch für dich!<br />
Der Tag kommt, wo ich dich versöhnt<br />
In weiten Weltraum freudig schauend sehe.<br />
<br />
Geb' es ein Gott uns beiden dann, daß ich,<br />
Wenn vollharmonisch deine Seele tönt,<br />
Ein Greis, wie dort ein Knabe, bei dir stehe!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Zehn Sonette an Johanna<br />
<br />
1.</span><br />
<br />
Still war mein Knabenleben, eng und klein;<br />
Drum gruben sich auf meines Herzens Grund<br />
Nur wenig Bilder, aber farbenbunt<br />
Mit unzerstörbar tiefen Zügen ein.<br />
<br />
Eins blieb mir, du! O weißt du, dort am Rhein -<br />
Ein Kind fast warst du noch, froh, hell, gesund,<br />
Und blicktest heiter in das Weltenrund,<br />
Als wären all die schönen Wunder dein.<br />
<br />
Ich kam des Weges auch mit stillem Schritt:<br />
Da standst du dunkel vor dem Abendlicht,<br />
Das mächtig wiederglänzte von der Flut.<br />
<br />
Ich sah dich, hellverklärt das Angesicht,<br />
Von meiner Schwester Arme traut umruht -<br />
Ich schwieg und nahm dieß Bild in's Leben mit. <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">2.</span><br />
<br />
Die Stille schwand! der Cirkus that sich auf,<br />
Der Herold winkte: hei die Renner fliegen!<br />
Gilt es zu siegen? männlich zu erliegen?<br />
Frisch! Tod und Leben, beide stehn zu Kauf.<br />
<br />
Und dich verlor ich in dem raschen Lauf:<br />
Wer kann in weichem Kindheitstraum sich wiegen,<br />
So lang die Kraft er spannen muß zu siegen,<br />
Der Gegner Schaar ihn noch umringt zu Hauf?<br />
<br />
Umflogen ist die Bahn! Stolz blickt' ich um,<br />
Langsamern Lauf nun gönnend dem Gespanne;<br />
Nah ist das Ziel, die Gegner all zurück.<br />
<br />
Doch jauchzen kann ich nicht: ich denke stumm,<br />
Daß mich der Kampf gereift zum ernsten Manne,<br />
Auch hinter mir liegt fern der Jugend Glück! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">3.</span><br />
<br />
Da trittst du mir zum zweitenmal entgegen,<br />
Das jugendliche Haupt im Witwenschleier:<br />
Des Mannes feste Brust darf kühner, freier,<br />
Als einst des Knaben, dir sich zubewegen.<br />
<br />
Noch hältst du mich mit deinem Zaubersegen;<br />
Mein Herz ist vollbesaitet deine Leier;<br />
Du nimmst es, wie du willst! Zur ernsten Feier<br />
Zum leichten Scherz kannst wechselnd du's erregen.<br />
<br />
Du singst den Psalm: da klingen Melodien<br />
Im Busen mir von Jugendandachtgluten;<br />
In stiller Kirche möcht' ich wieder knien.<br />
<br />
Du malst im Klang die Nacht - wie tief es dunkelt!<br />
Du hebst den Mond herauf aus schwarzen Fluten:<br />
Und träumend bin vom Sternglanz ich umfunkelt. <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">4.</span><br />
<br />
Wo führst du hin mich, Mächtige? Laß ab!<br />
Längst schläft die Jugendzeit mir todtenkalt,<br />
Was übt dein Wort so magische Gewalt,<br />
Was schwingst du ob der Gruft den Geisterstab?<br />
<br />
Den Garten seh' ich, der mich eng umgab,<br />
Der Mutter ernste mächtige Gestalt,<br />
Des Vaters Haupt von weißem Haar umwallt,<br />
Sie steigen lebend aus dem dunkeln Grab!<br />
<br />
Die Schwester zeigst du mir im Mädchenkleide,<br />
Die nun ein fremder Herd von mir entfernt,<br />
Genossin einst an Jubel wie an Leide.<br />
<br />
Du weckst mir Jauchzen und du weckst mir Thränen -<br />
O Lust der Thränen, die ich lang verlernt!<br />
Es schmilzt mein Erz in wonnig weiches Sehnen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">5.</span><br />
<br />
Und wer dich schaut' - du bist so jung geblieben!<br />
So harmlos bist du, wie nur Kinder sind;<br />
Rasch tanzt dein Geist, ein flüchtiger Wirbelwind,<br />
Und deines Witzes glühe Funken stieben.<br />
<br />
Der neckische Scherz steht auf der Stirn geschrieben:<br />
Mir ist, als wärst du noch das leichte Kind,<br />
Umspielt von Frühlingshauchen weich und lind,<br />
Als läge vor dir noch ein erstes Lieben!<br />
<br />
Doch weh, dein Mund ist plötzlich schmerzverbittert<br />
Die hohe Stirn deckt sich mit Finsterniß,<br />
Drauf zuckt's, wie wenn im Westen es gewittert.<br />
<br />
"Durch all mein Leben klafft ein solcher Riß,<br />
Daß es nur noch dem Tod entgegenzittert -"<br />
Elend auch du? du nickst - es ist gewiß! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">6.</span><br />
<br />
"Die Nacht ist schrecklich, finster, kalt und bang,<br />
Doch lieb' ich sie; sie ist des Todes Schein;<br />
Unendlich einsam bin ich und allein;<br />
Wie draußen, schweigt im Innern jeder Klang.<br />
<br />
Da streck' ich mich wie Leichen, starr und lang;<br />
Die müden Hände faltend, dämmr' ich ein -<br />
So träum' ich mich in meinen Todtenschrein,<br />
Und über mir hallt dumpf der Priester Sang.<br />
<br />
Und also lieg' ich, bis im wirren Hirn<br />
Des Lebens letzter Funke mild verglimmt,<br />
Und Eiseskälte mir bedeckt die Stirn.<br />
<br />
Dann spür' ich Ruhe - Tod und Grab und Nacht,<br />
Gefühl und Denken, Lust und Noth verschwimmt,<br />
Und ob mir waltet der Vernichtung Macht." <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">7.</span><br />
<br />
So strömt denn hin um Sie, ihr bangen Klagen,<br />
Ach um dieß starke Herz, das muthlos bricht!<br />
Ein Geist - ihn beugten lohe Blitze nicht,<br />
Zerstört sich selbst durch zweifelndes Verzagen!<br />
<br />
Sie sucht Genuß, um müde sich zu jagen,<br />
Sie strahlt ihr Leben aus im bunten Licht,<br />
Sie schwärmt im Ton und jauchzet im Gedicht,<br />
Sie stürmt, die zarte Harfe zu zerschlagen.<br />
<br />
Sie schlürft begierig mit Vernichtungswonne<br />
Als gährend Gift des Lebens heißen Wein,<br />
Sie treibt die Pulse, daß sie wild zerspringen!<br />
<br />
Furchtbarer Wahnsinn, von dem Licht der Sonne,<br />
Das jedes Herz verklärt mit Hoffnungschein,<br />
Freiwillig nach dem Tode hinzuringen! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">8.</span><br />
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Am Fenster steh' ich in des Morgens Schauern:<br />
Im Osten flammt Gewölk mit goldnem Prangen:<br />
Der Frühhauch löscht die heißerglühten Wangen,<br />
Die von dem Kummer dieser Nacht noch trauern.<br />
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Die Seele hebt sich aus den Klostermauern,<br />
In denen sie der dumpfe Gram gefangen:<br />
Denn der Entschluß ist hell ihr aufgegangen:<br />
Sie retten muß ich, statt sie zu bedauern!<br />
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Auch ich war elend und von Gott verlassen;<br />
Auch ich begrüßte jauchzend mächt'ge Töne<br />
Im fremden Land einst, die mir Tod verhießen -<br />
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Nun dennoch glücklich! Kann ich's auch nicht fassen,<br />
Für sie weiß ich den Weg zur ew'gen Schöne,<br />
Die voll uns tränkt mit ruhigem Genießen! <br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">9.</span><br />
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Ich ging durch stille Abenddämmerungen:<br />
Die stumme Flur entschlummerte schon mählig;<br />
Die Vögel hatten, da sie tausendkehlig<br />
Die Sonn' im Scheiden grüßten, ausgesungen.<br />
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Da hat ein hoher Klang sich aufgeschwungen<br />
Von Abendglocken rings im Land vielzählig;<br />
Da fühlt' ich mich im tiefsten Herzen selig,<br />
Und Thränen sind in's Auge mir gedrungen.<br />
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O Glockenton, wie du an Gott zu denken<br />
Uns aufrufst durch den trüben Erdenabend,<br />
Will sich der Geist so ganz in Andacht senken.<br />
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Ein Ton nur klingt durch's öde Weltgetriebe,<br />
Das sehnsuchtmüde Herz noch süßer labend:<br />
O klinge fort, du Ruf der ewigen Liebe! <br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">10</span>.<br />
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Es stöhnt das müde Herz nach Frieden! Frieden!<br />
Der Friede kommt - doch langsam ist sein Gang.<br />
An Jugendüberfülle sind wir krank,<br />
Gesundheit ist dem Alter nur beschieden.<br />
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So lange wild des Lebens Fluten sieden,<br />
Ist diesem stillen Gast bei uns zu bang;<br />
Es kommt die Frucht erst wenn die Blüte sank -<br />
Nie eint sich Stille mit der Kraft hienieden.<br />
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Du hoffe still! Ich hoffe auch für dich!<br />
Der Tag kommt, wo ich dich versöhnt<br />
In weiten Weltraum freudig schauend sehe.<br />
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Geb' es ein Gott uns beiden dann, daß ich,<br />
Wenn vollharmonisch deine Seele tönt,<br />
Ein Greis, wie dort ein Knabe, bei dir stehe!]]></content:encoded>
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