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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Pumukels Planetarium]]></title>
		<link>https://sonett.fontane-place.de/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett.fontane-place.de]]></description>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 13:30:25 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Chronologie des Sonettenkriegs]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=1816</link>
			<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 00:45:59 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=92">pumukel</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=1816</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-size: x-large;" class="mycode_size">Eine kleine Chronologie des Sonettenkriegs</span><br />
(Schwerpunkt Goethe aufgrund Seminararbeit-Thema)<br />
<br />
1748 veröffentlicht Klopstock die Ode Petrarca und Laura, 1764 Gleim Petrarchische Gedichte und 1774 Lenz den Zyklus Petrarch. Diese drei Ereignisse sind stellvertretend für eine auflebende Petrarka-Begeisterung mit gleichzeitiger Ablehnung des Sonetts. <br />
<br />
1776 erscheinen im Teutschen Merkur Sonette von Klamer Eberhard Schmid, zuvor wir die Sonettform schon bei den Anakreontikern um Gleim angewendet.<br />
<br />
1789 veröffentlicht Bürger in seiner Gedichtausgabe die Molly-Sonette. Schiller behandelt in seiner Rezension darüber Bürgers lyrische Volkstümlichkeit kritisch und befürchtet Nachahmungen. An der Behandlung des Hohen Liedes aus Bürgers Sonettzyklus zeigt sich, wie Schiller und Schlegel  mit verschiedenen Poesiebegriffen arbeiten.  In den darauf folgenden 90er-Jahren wird das Sonett häufig von den Frühromantikern verwendet, besonders als Widmungs- und Gemäldesonett. Das Sonett wirkt idenditätsstiftend, wird zur Parteisache.  <br />
<br />
1795/96 erscheinen Schlegels Briefe über Poesie, Silbenmaß und Sprache in den Horen, worin er eine „sprachphilosophisch verankerte Theorie der Metrik und des Reims“ vorlegt. Schlegel macht aus „Artifizialität [...] poetische Qualität.“ Am 10.12.95 kritisiert Schiller in einem Brief teilweise Schlegels Auslegungen.  <br />
<br />
1799 findet ein Treffen der Frühromantiker in Jena statt. Während mit der Sonettform zuvor (seit Bürger) experimentell umgegangen wurde, wird von den Frühromantikern nun eine einheitliche, feste Form verwendet.  Am 01.09.99 kritisiert Schlegel in einem Brief an Goethe Bürgers Sonettverständnis.  <br />
<br />
1800. Im März erhält Goethe von Schlegel Das Sonett – vermutlich die Anregung zu Goethes Das Sonett.   <br />
<br />
1802 publiziert Goethe das Vorspiel Was wir bringen, welches das Sonett Natur und Kunst enthält.  <br />
<br />
1803. Am 11.08.03 wird Goethes Eugenies Sonett in der Zeitung für die elegante Welt vorabgedruckt.  Am 06.10.03 wird in Der Freimüthige unter dem Pseudonym L. eben dieses kritisiert.  Am 14.10.03 setzt Karl Reinhardt im selben Blatt nach.  Tieck veröffentlicht mit Kunst der Sonette eine Parodie, die bezeichnend ist für die Distanzierung von Romantikern gegenüber der Form aufgrund der befürchteten Sonettschwemme.  <br />
<br />
1803/04. Im Winter hält Schlegel eine Vorlesung, in der er von Petrarka ausgehend die „theoretische Grundlegung des Sonetts“ vollführt.    Um dem Vorwurf der Willkürlichkeit vorzubeugen, argumentiert Schlegel in erster Linie mathematisch-geometrisch.   Demgegenüber äussert sich Jean Paul ist seiner Vorschule der Ästhetik kritisch zum Sonett.  <br />
<br />
1806 erscheint bei Frommann eine Petrarka-Ausgabe, Goethe nimmt Anteil daran.  <br />
<br />
1807. Am 18.1.07 veröffentlicht Haug im Morgenblatt für gebildete Stände ohne die Zustimmung Goethes Sonett mit einem sonettkritischen Kommentar. Friedrich Schlegel bezeichnet das Sonett daraufhin als Parodie auf die inflationär verwendete Sonettform.  Im März wird der erste Band Goethes Cotta-Werkausgabe ausgeliefert, er enthält auch das Sonett.  <br />
<br />
1807/08. Im Winter liest Zacharias Werner Goethe Sonette vor, vermutlich wurde Goethe hier zur Produktion seines Sonettzyklus angeregt.  <br />
<br />
1808. Die früheste bekannte Verwendung des Wortes Sonettkrieg findet sich in einem Brief von Riemer vom 20.01.08. Seit Anfang des Jahres findet eine literarische Fehde zwischen Voss und den Heidelberger Romantikern statt.  Am 08.03.08 lässt Voss im Morgenblatt sein Sonett An Goethe abdrucken. Darin äussert er sich in einem negativen Ton zu Goethes Sonettschöpfung.  Goethe reagiert nicht öffentlich darauf, beklagt aber am 09.04.08 in einem Brief an Cotta die „Sonettaversion“ seiner Morgenblatt-Redakteure und rühmt gleichzeitig die Sonette Werners.  In einem Brief vom 22.06.08 an Zelter schreibt Goethe, ihm sei das „Vossische Sonett zuwider“ und verurteilt es, dass sein Sonett für eine „Parteysache“ instrumentalisiert werde.  Im Juni publiziert Voss eine Bürger-Rezension in der Jenaischen Allgemeinen Litteraturzeitung, worin er „mit der gesamten Romantik abzurechnen versuchte.“ Darauf antwortet am 29.06.08 in Arnims Zeitung für Einsiedler Görres Parodie Die Sonnettenschlacht bei Eichstädt.  Im August folgt von Arnim selber der satirische Sonettzyklus Geschichte des Herrn Sonet und des Fräuleins Sonete. <br />
<br />
1809 erscheint von der „Voß-Partei“ der Klingklingel-Almanach, Herausgeber ist Baggesen. Diese „letzte grosse Manifestation gegen das deutsche Sonett“ wird als abschliessendes Zeugnis des Sonettenkriegs betrachtet.   <br />
<br />
1814. Durch Rückerts Geharnischte Sonette erhält die Gedichtform eine politische Dimension, was die Kontroverse um das Sonett entscheidend relativiert.  <br />
<br />
1815. Goethe veröffentlicht in seiner Werkausgabe 15 Sonette. <br />
<br />
1827. In der Vollständigen Ausgabe letzter Hand werden zwei weitere Sonette beigefügt. Zusammen mit zwei polemischen Schweifsonetten (welche Goethe selber nie veröffentlicht), Eugenies Sonett, Natur und Kunst und Das Sonett, sowie drei Widmungssonetten, ergibt dies das gesamte 25 Stücke zählende Sonettwerk Goethes.<br />
<br />
Quellen<br />
<span style="font-size: x-small;" class="mycode_size">   Borgstedt, Thomas: Poesie des Lebens, Poesie der Poesie. Die Wiedergeburt des Sonetts bei Gottfried August Bürger, August Wilhelm Schlegel und Johann Wolfgang Goethe. In: Erscheinungsformen des Sonetts: 10. Kolloquium der Forschungsstelle für europäische Lyrik, Hg. v. Theo Stemmler u. Stefan Horlacher. Mannheim 1999, S. 201-243<br />
<br />
   Borgstedt, Thomas: Topik des Sonetts: Gattungstheorie und Gattungsgeschichte. Tübingen 2009 (Frühe Neuzeit 138)<br />
<br />
   Das deutsche Sonett: Dichtungen, Gattungspoetik, Dokumente, Hg. v. Jörg-Ulrich Fechner. München 1969<br />
<br />
   Jordan, Katrin: "Ihr liebt und schreibt Sonette! Weh der Grille!" Die Sonette Johann Wolfgang von Goethes. (Diss. Konstanz 2008). Würzburg 2008 (Epistemata. Reihe Literaturwissenschaft 643)<br />
<br />
   Schlütter, Hans-Jürgen: Sonett, mit Beiträgen von Raimund Borgmeier und Heinz Will Wittschier. Stuttgart 1979 (Sammlung Metzler M 177)</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-size: x-large;" class="mycode_size">Eine kleine Chronologie des Sonettenkriegs</span><br />
(Schwerpunkt Goethe aufgrund Seminararbeit-Thema)<br />
<br />
1748 veröffentlicht Klopstock die Ode Petrarca und Laura, 1764 Gleim Petrarchische Gedichte und 1774 Lenz den Zyklus Petrarch. Diese drei Ereignisse sind stellvertretend für eine auflebende Petrarka-Begeisterung mit gleichzeitiger Ablehnung des Sonetts. <br />
<br />
1776 erscheinen im Teutschen Merkur Sonette von Klamer Eberhard Schmid, zuvor wir die Sonettform schon bei den Anakreontikern um Gleim angewendet.<br />
<br />
1789 veröffentlicht Bürger in seiner Gedichtausgabe die Molly-Sonette. Schiller behandelt in seiner Rezension darüber Bürgers lyrische Volkstümlichkeit kritisch und befürchtet Nachahmungen. An der Behandlung des Hohen Liedes aus Bürgers Sonettzyklus zeigt sich, wie Schiller und Schlegel  mit verschiedenen Poesiebegriffen arbeiten.  In den darauf folgenden 90er-Jahren wird das Sonett häufig von den Frühromantikern verwendet, besonders als Widmungs- und Gemäldesonett. Das Sonett wirkt idenditätsstiftend, wird zur Parteisache.  <br />
<br />
1795/96 erscheinen Schlegels Briefe über Poesie, Silbenmaß und Sprache in den Horen, worin er eine „sprachphilosophisch verankerte Theorie der Metrik und des Reims“ vorlegt. Schlegel macht aus „Artifizialität [...] poetische Qualität.“ Am 10.12.95 kritisiert Schiller in einem Brief teilweise Schlegels Auslegungen.  <br />
<br />
1799 findet ein Treffen der Frühromantiker in Jena statt. Während mit der Sonettform zuvor (seit Bürger) experimentell umgegangen wurde, wird von den Frühromantikern nun eine einheitliche, feste Form verwendet.  Am 01.09.99 kritisiert Schlegel in einem Brief an Goethe Bürgers Sonettverständnis.  <br />
<br />
1800. Im März erhält Goethe von Schlegel Das Sonett – vermutlich die Anregung zu Goethes Das Sonett.   <br />
<br />
1802 publiziert Goethe das Vorspiel Was wir bringen, welches das Sonett Natur und Kunst enthält.  <br />
<br />
1803. Am 11.08.03 wird Goethes Eugenies Sonett in der Zeitung für die elegante Welt vorabgedruckt.  Am 06.10.03 wird in Der Freimüthige unter dem Pseudonym L. eben dieses kritisiert.  Am 14.10.03 setzt Karl Reinhardt im selben Blatt nach.  Tieck veröffentlicht mit Kunst der Sonette eine Parodie, die bezeichnend ist für die Distanzierung von Romantikern gegenüber der Form aufgrund der befürchteten Sonettschwemme.  <br />
<br />
1803/04. Im Winter hält Schlegel eine Vorlesung, in der er von Petrarka ausgehend die „theoretische Grundlegung des Sonetts“ vollführt.    Um dem Vorwurf der Willkürlichkeit vorzubeugen, argumentiert Schlegel in erster Linie mathematisch-geometrisch.   Demgegenüber äussert sich Jean Paul ist seiner Vorschule der Ästhetik kritisch zum Sonett.  <br />
<br />
1806 erscheint bei Frommann eine Petrarka-Ausgabe, Goethe nimmt Anteil daran.  <br />
<br />
1807. Am 18.1.07 veröffentlicht Haug im Morgenblatt für gebildete Stände ohne die Zustimmung Goethes Sonett mit einem sonettkritischen Kommentar. Friedrich Schlegel bezeichnet das Sonett daraufhin als Parodie auf die inflationär verwendete Sonettform.  Im März wird der erste Band Goethes Cotta-Werkausgabe ausgeliefert, er enthält auch das Sonett.  <br />
<br />
1807/08. Im Winter liest Zacharias Werner Goethe Sonette vor, vermutlich wurde Goethe hier zur Produktion seines Sonettzyklus angeregt.  <br />
<br />
1808. Die früheste bekannte Verwendung des Wortes Sonettkrieg findet sich in einem Brief von Riemer vom 20.01.08. Seit Anfang des Jahres findet eine literarische Fehde zwischen Voss und den Heidelberger Romantikern statt.  Am 08.03.08 lässt Voss im Morgenblatt sein Sonett An Goethe abdrucken. Darin äussert er sich in einem negativen Ton zu Goethes Sonettschöpfung.  Goethe reagiert nicht öffentlich darauf, beklagt aber am 09.04.08 in einem Brief an Cotta die „Sonettaversion“ seiner Morgenblatt-Redakteure und rühmt gleichzeitig die Sonette Werners.  In einem Brief vom 22.06.08 an Zelter schreibt Goethe, ihm sei das „Vossische Sonett zuwider“ und verurteilt es, dass sein Sonett für eine „Parteysache“ instrumentalisiert werde.  Im Juni publiziert Voss eine Bürger-Rezension in der Jenaischen Allgemeinen Litteraturzeitung, worin er „mit der gesamten Romantik abzurechnen versuchte.“ Darauf antwortet am 29.06.08 in Arnims Zeitung für Einsiedler Görres Parodie Die Sonnettenschlacht bei Eichstädt.  Im August folgt von Arnim selber der satirische Sonettzyklus Geschichte des Herrn Sonet und des Fräuleins Sonete. <br />
<br />
1809 erscheint von der „Voß-Partei“ der Klingklingel-Almanach, Herausgeber ist Baggesen. Diese „letzte grosse Manifestation gegen das deutsche Sonett“ wird als abschliessendes Zeugnis des Sonettenkriegs betrachtet.   <br />
<br />
1814. Durch Rückerts Geharnischte Sonette erhält die Gedichtform eine politische Dimension, was die Kontroverse um das Sonett entscheidend relativiert.  <br />
<br />
1815. Goethe veröffentlicht in seiner Werkausgabe 15 Sonette. <br />
<br />
1827. In der Vollständigen Ausgabe letzter Hand werden zwei weitere Sonette beigefügt. Zusammen mit zwei polemischen Schweifsonetten (welche Goethe selber nie veröffentlicht), Eugenies Sonett, Natur und Kunst und Das Sonett, sowie drei Widmungssonetten, ergibt dies das gesamte 25 Stücke zählende Sonettwerk Goethes.<br />
<br />
Quellen<br />
<span style="font-size: x-small;" class="mycode_size">   Borgstedt, Thomas: Poesie des Lebens, Poesie der Poesie. Die Wiedergeburt des Sonetts bei Gottfried August Bürger, August Wilhelm Schlegel und Johann Wolfgang Goethe. In: Erscheinungsformen des Sonetts: 10. Kolloquium der Forschungsstelle für europäische Lyrik, Hg. v. Theo Stemmler u. Stefan Horlacher. Mannheim 1999, S. 201-243<br />
<br />
   Borgstedt, Thomas: Topik des Sonetts: Gattungstheorie und Gattungsgeschichte. Tübingen 2009 (Frühe Neuzeit 138)<br />
<br />
   Das deutsche Sonett: Dichtungen, Gattungspoetik, Dokumente, Hg. v. Jörg-Ulrich Fechner. München 1969<br />
<br />
   Jordan, Katrin: "Ihr liebt und schreibt Sonette! Weh der Grille!" Die Sonette Johann Wolfgang von Goethes. (Diss. Konstanz 2008). Würzburg 2008 (Epistemata. Reihe Literaturwissenschaft 643)<br />
<br />
   Schlütter, Hans-Jürgen: Sonett, mit Beiträgen von Raimund Borgmeier und Heinz Will Wittschier. Stuttgart 1979 (Sammlung Metzler M 177)</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Panorama]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=1791</link>
			<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 00:21:35 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=92">pumukel</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=1791</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2006</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Zucker</span><br />
<br />
Hin und her weht es dich,<br />
zerstreut, verstoben auf dem Tisch,<br />
von sanften Fingern umfahren,<br />
gestaltet in lieblich Spiralen,<br />
gescheffelt und gehäuft,<br />
im Schweiss des Duftes ersäuft,<br />
lebst du, <br />
stirbst du,<br />
machst du,<br />
Genuss,<br />
oder Überfluss.<br />
und dem Wunsch zu sein wie du,<br />
kommt der Ruf nach Liebe hinzu.<br />
<br />
Du bleibst haften ohne Müh,<br />
deine Hänglichkeit bemerkt man früh,<br />
mit Befreiung wäscht man dich ab,<br />
Sauberkeit, trocken und luftig ists dann,<br />
doch mein Leben ist genauso knapp,<br />
und ich will nicht fragen – wann?<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2007</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Genot</span><br />
<br />
zu schwach, um zu schreiben,<br />
zu müde, die Feder zu treiben,<br />
zu arm um die Ärmer’n zu leiden,<br />
zu stolz um die Bess’ren zu neiden.<br />
<br />
es fällt der Himmel auf den Grund,<br />
es fliegt die Erde aus dem Schlund,<br />
es schlägt die Seele selbst sich wund,<br />
es gibt der wohlgeformte Mund<br />
die Leiden seines Herren kund.<br />
<br />
in Liebe sucht er Glück und Schmerz,<br />
um Friede ist bemüht sein Herz,<br />
so frei und rein kann er doch sein,<br />
den Tod aus Not hat er gelobt.<br />
<br />
tief im Innern gräbt er Schätze,<br />
sein Kopf, sein Geist betreiben Hetze,<br />
und hat einmal ein Gut geruht,<br />
so braucht er wieder Wut genug.<br />
<br />
denn leben muss er ohnehin,<br />
für ihn macht sterben keinen Sinn,<br />
denn Leben wird das Ende sein,<br />
der Tod sucht ihn bestimmt nicht heim.<br />
<br />
wirft die Meuchler über Bord,<br />
nimmt all den Lügnern schnell ihr Wort,<br />
lässt den Dreck am Boden liegen,<br />
wird auch dich und mich besiegen.<br />
<br />
und wenn all das Werk vollbracht,<br />
wird es zärtlich in der Nacht,<br />
werden Geister und Dämonen,<br />
in der neuen Mutter wohnen.<br />
<br />
Licht der Welt! Licht der Welt!<br />
lass dich blicken, lass es strömen und versickern.<br />
Licht der Welt, das Licht behält!<br />
tränk die Rosen samt den Dornen,<br />
meine Hosen wasch ich Morgen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2008</span><br />
<br />
Schau hinaus durchs Fenster<br />
schau hinein: Gespenster<br />
schau voran noch ist’s nicht wahr<br />
schau zurück: nun nicht mehr da<br />
schau zum Grund, stets bleibt er fest<br />
schau hinauf, soweit’s dich lässt.<br />
schaue nicht und Bilder bleiben<br />
schau halt doch und bleib am Leiden<br />
das was ist<br />
ist was vergisst<br />
und was du frisst<br />
ist seine List<br />
solange wie du sterblich bist<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2009</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ein schönes Gedicht</span><br />
<br />
Dichter, ich sag’s dir gleich in’s Gesicht:<br />
Schreib mir ein schönes, kurzes Gedicht!<br />
<br />
Du meinst, so schön wie Frauenkörper?<br />
Du meinst, so schön wie klingend Wörter?<br />
Du meinst, so schön wie Bienenhonig?<br />
Du meinst, geniessend ohne Vorsicht?<br />
Du meinst, so schön wie Tanzmusik?<br />
<br />
Ganz recht! Genau, wie dir beliebt!<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2010</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Kreise</span><br />
<br />
Stets aufs neue geh ich kreise<br />
Immer auf dieselbe weise<br />
Mach ich meine kleine reise<br />
Wo der anfang liegt das ende<br />
Wos beginnt wirds wieder leise<br />
Wos entspringt und durch die fremde<br />
Wandert und nach jeder wende<br />
Wieder heimkommt, ich entsende<br />
Mich entsendets immer wieder<br />
Wie des engels leicht gefieder<br />
Immer wieder stests dasselbe<br />
Ewig schön die selben lieder<br />
Fall ich durch sie da hernieder<br />
Immer an demselben funken<br />
Wo der anfang stets mag prunken<br />
Ist das ende doch ertrunken<br />
Kreise werden immer weiter<br />
Doch ich werde nur gescheiter<br />
Werde niemals weiser meister<br />
Bleibe unberührt, mal heiter<br />
Bleibe nur ein unbefreiter<br />
<br />
suchend sehnend singender<br />
bleicher blasser bringender<br />
trauernd trüber tragender<br />
wahrlich wenig wagender<br />
fortan freilich fragender<br />
kalter kleiner klagender<br />
<br />
falle immer wieder wieder<br />
immer wieder <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">immer wieder</span><br />
immer <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">immer</span> wieder <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">wieder</span><br />
immer wieder fall ich nieder<br />
singe immer wieder lieder<br />
bringe immer wieder lieber<br />
worte mit für die geschichte<br />
worte mit und schreib gedichte<br />
worte womit ich errichte<br />
worte, worte, ich berichte<br />
und auf die ich nie verzichte<br />
weil sie in mir widerhallen<br />
echos aus geleerten hallen<br />
weil sie sind wie scharfe krallen<br />
fäuste, die sich kräftig ballen<br />
wellen, wieder widerwalllen<br />
fallen, fallen, fallen, fallen<br />
worte, immer stets die gleichen<br />
bilder, die mir nie entweichen<br />
klänge, die durch sänge schleichen<br />
leben lobend lachend leichen<br />
immer wieder macht der zeichen<br />
sie verführt mich, mich erreichen<br />
mich berühren, mich vergleichen,<br />
mit den armen, mit den reichen<br />
mit den harten, mit den weichen<br />
mit den blumengartenEichen<br />
mit den farben, die erbleichen<br />
wenn sie sterben, blaue veilchen<br />
weil sie nur ein kurzes weilchen<br />
<br />
am falschen ort das falsche wort<br />
zur falschen zeit das falsche leid<br />
beim falschen menschen <br />
das falsche denken<br />
dem falschen leben <br />
das falsche geben<br />
<br />
und im rechten existieren<br />
alle falschheit doch verlieren<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2011</span><br />
<br />
Dunst der alten jungen Zeiten,<br />
leg dein Nebelmeer auf mich,<br />
Dunst aus den Gemeinsamkeiten,<br />
mach ein Regen ohne Licht,<br />
Dunst du kannst dich vorbereiten,<br />
denn bald lässt du mich im Stich,<br />
Dunst du alter bist zum zweiten<br />
Mal gescheitert, so wie ich.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2012</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Stadtteichtage 4</span><br />
<br />
Er schenkt mir den Tag<br />
Und raubt mir die Nacht<br />
Seit Monaten Schweissnächte<br />
In die ich die verlorenen<br />
Stunden des Tags flechte<br />
Die täglich Neugeborenen<br />
sie kommen Schlag auf Schlag<br />
Und was sie nicht können<br />
Ist was sie macht<br />
Und was sie sich gönnen<br />
Sind Splitter des Tageslichts<br />
Und sie merken:<br />
Das ist aber nichts.<br />
Und sie suchen in Werken<br />
Doch sie finden nichts<br />
Sie sind sich Hindernis<br />
Sehen die Finsternis<br />
In ihr wandeln sie hinter sich<br />
Und bringen des Tages<br />
Leuchten er fragt es<br />
Euch denn seid ihr die Seuchen?<br />
Könnt ihr auch heucheln<br />
Oder nur wach sein<br />
So: zieht der Tag ein.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2013</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Landmine</span><br />
<br />
Die Knüppel schlagen aufs Fleisch<br />
und da eine Dame, die kreischt.<br />
Die Kinder verkriechen sich<br />
unter die Fensterrähmen der Keller.<br />
Die Kirchen, sie lieben dich<br />
unendlich, während sie Stellen<br />
streichen. Dort spritzt Blut<br />
auf den körnigen Asphalt der Strasse.<br />
Unglaublich, wie sie in sich ruht,<br />
diese gottlose Farce.<br />
Französisch, fuck die Aussprache.<br />
Ich will nur die Revolution.<br />
Und sei es mein letzter Ton:<br />
ich hulde nur einem Thron<br />
ohne väterlich führenden Sohn.<br />
<br />
Das Eisen glüht ganz rot,<br />
gerieben, explodiert.<br />
In den Gassen liegen die Menschen tot,<br />
dort hineingetrieben und exekutiert.<br />
Die Beamten wischen den Schweiss<br />
von der Stirn, denn es ist heiss<br />
unter der Sonne. Und putzen den Dreck<br />
von den Waffen. Sie nehmen das Besteck<br />
und essen ihren Frass von der Kantine.<br />
Was schon jeder vergass: die Landmine.<br />
Von damals, als sie noch streunten.<br />
<br />
Sie rennen davon, die mageren Beine.<br />
Ein falscher Tritt, ein Zug an der Leine.<br />
Sie fliegen in die Luft. Ein Springbrunnen.<br />
Und wir hören die Leichen den Sinn summen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2014</span> <br />
<br />
Wo sind sie, diese Heulereien?<br />
Von Ohnmacht und von Schwärze.<br />
Von Leere und von Nichtgedeihen.<br />
Von Angst und Tod und kalter Kerze.<br />
Wo sind sie, diese Jammerzeilen?<br />
Von Einsamkeit und fehlend Sinn.<br />
Von atemlosen, langen Weilen.<br />
Vom Hass zum Wesen das ich bin.<br />
<br />
Es wird nicht über sie geschwiegen,<br />
bloss sind sie halt bereits geschrieben.<br />
Sie sind nicht etwa weggestorben,<br />
du musst zur alten Zeit hinhorchen.<br />
Es ist bloss so: dass sie nun klingen<br />
nach Dingen die Gewinn nicht bringen.<br />
Sie sind kein Wert mehr für das Schreiben.<br />
Sie sind noch Worte, doch nicht Zeichen.<br />
<br />
Keine Hoffnung Trauergrund?<br />
Keine Hoffnung ist gesund!<br />
Keine Liebe zum Beklagen?<br />
Keine Liebe kann dich tragen!<br />
Keine Zärtlichkeit tut weh?<br />
Keine Zärtlichkeit ist Schnee,<br />
der dahinschmelzt wenn sie brennt,<br />
die Sonne die dich besser kennt.<br />
<br />
Klagelieder—schön und gut.<br />
Ich zieh vor dieser Zeit den Hut.<br />
Aber nieder tret ich diese<br />
trocken-ausgesaugte Wiese.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2015</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Andermatt</span><br />
<br />
verzerrt, durchkreuzt und tausend Narben<br />
stehst du Bergmassiv noch hier<br />
Kriegsangst schiesst dir Löcher<br />
tief in deine Seele<br />
und Touristen legen<br />
dich in Ketten, Schienen, Stahlseil<br />
und Sawiris Segen<br />
reisst die Reuss erneut auf<br />
immer wieder neue Wege<br />
muss sie bahnen<br />
wie die Andermatter Ahnen<br />
wo die Kugelhülsen flogen<br />
liegen jetzt die Golfparzellen<br />
keine trägt das Kreuz wie du<br />
schau vom Norden in den Süden<br />
Teufelsbrücke, Gotthardpass<br />
schau vom Westen in den Osten<br />
Furkagrotte, Oberalp<br />
Fadenkreuz, Kompassachse<br />
mit dir zieht man sich zurück<br />
auf die Scheibe,<br />
die sich dreht,<br />
weil vom Tal<br />
der Wind raufweht<br />
<br />
Kaum zu glauben:<br />
du warst Gletscher<br />
du warst unberührtes Grün,<br />
nicht weils andere nicht waren,<br />
sondern weil du noch so sprichst.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2016</span><br />
<br />
Nicht mal ein Jahr. Diagnose – Urne.<br />
Deine Charakterzüge sind purpurne.<br />
Sie waren: jetzt Präteritum.<br />
Aber usque ad extremum spiritum.<br />
Es liegt noch viel Arbeit vor uns,<br />
bis die Welt wieder in Ordnung ist.<br />
Und was du für ein Wort nun bist:<br />
du liegst gar weit vor uns.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2006</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Zucker</span><br />
<br />
Hin und her weht es dich,<br />
zerstreut, verstoben auf dem Tisch,<br />
von sanften Fingern umfahren,<br />
gestaltet in lieblich Spiralen,<br />
gescheffelt und gehäuft,<br />
im Schweiss des Duftes ersäuft,<br />
lebst du, <br />
stirbst du,<br />
machst du,<br />
Genuss,<br />
oder Überfluss.<br />
und dem Wunsch zu sein wie du,<br />
kommt der Ruf nach Liebe hinzu.<br />
<br />
Du bleibst haften ohne Müh,<br />
deine Hänglichkeit bemerkt man früh,<br />
mit Befreiung wäscht man dich ab,<br />
Sauberkeit, trocken und luftig ists dann,<br />
doch mein Leben ist genauso knapp,<br />
und ich will nicht fragen – wann?<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2007</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Genot</span><br />
<br />
zu schwach, um zu schreiben,<br />
zu müde, die Feder zu treiben,<br />
zu arm um die Ärmer’n zu leiden,<br />
zu stolz um die Bess’ren zu neiden.<br />
<br />
es fällt der Himmel auf den Grund,<br />
es fliegt die Erde aus dem Schlund,<br />
es schlägt die Seele selbst sich wund,<br />
es gibt der wohlgeformte Mund<br />
die Leiden seines Herren kund.<br />
<br />
in Liebe sucht er Glück und Schmerz,<br />
um Friede ist bemüht sein Herz,<br />
so frei und rein kann er doch sein,<br />
den Tod aus Not hat er gelobt.<br />
<br />
tief im Innern gräbt er Schätze,<br />
sein Kopf, sein Geist betreiben Hetze,<br />
und hat einmal ein Gut geruht,<br />
so braucht er wieder Wut genug.<br />
<br />
denn leben muss er ohnehin,<br />
für ihn macht sterben keinen Sinn,<br />
denn Leben wird das Ende sein,<br />
der Tod sucht ihn bestimmt nicht heim.<br />
<br />
wirft die Meuchler über Bord,<br />
nimmt all den Lügnern schnell ihr Wort,<br />
lässt den Dreck am Boden liegen,<br />
wird auch dich und mich besiegen.<br />
<br />
und wenn all das Werk vollbracht,<br />
wird es zärtlich in der Nacht,<br />
werden Geister und Dämonen,<br />
in der neuen Mutter wohnen.<br />
<br />
Licht der Welt! Licht der Welt!<br />
lass dich blicken, lass es strömen und versickern.<br />
Licht der Welt, das Licht behält!<br />
tränk die Rosen samt den Dornen,<br />
meine Hosen wasch ich Morgen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2008</span><br />
<br />
Schau hinaus durchs Fenster<br />
schau hinein: Gespenster<br />
schau voran noch ist’s nicht wahr<br />
schau zurück: nun nicht mehr da<br />
schau zum Grund, stets bleibt er fest<br />
schau hinauf, soweit’s dich lässt.<br />
schaue nicht und Bilder bleiben<br />
schau halt doch und bleib am Leiden<br />
das was ist<br />
ist was vergisst<br />
und was du frisst<br />
ist seine List<br />
solange wie du sterblich bist<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2009</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ein schönes Gedicht</span><br />
<br />
Dichter, ich sag’s dir gleich in’s Gesicht:<br />
Schreib mir ein schönes, kurzes Gedicht!<br />
<br />
Du meinst, so schön wie Frauenkörper?<br />
Du meinst, so schön wie klingend Wörter?<br />
Du meinst, so schön wie Bienenhonig?<br />
Du meinst, geniessend ohne Vorsicht?<br />
Du meinst, so schön wie Tanzmusik?<br />
<br />
Ganz recht! Genau, wie dir beliebt!<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2010</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Kreise</span><br />
<br />
Stets aufs neue geh ich kreise<br />
Immer auf dieselbe weise<br />
Mach ich meine kleine reise<br />
Wo der anfang liegt das ende<br />
Wos beginnt wirds wieder leise<br />
Wos entspringt und durch die fremde<br />
Wandert und nach jeder wende<br />
Wieder heimkommt, ich entsende<br />
Mich entsendets immer wieder<br />
Wie des engels leicht gefieder<br />
Immer wieder stests dasselbe<br />
Ewig schön die selben lieder<br />
Fall ich durch sie da hernieder<br />
Immer an demselben funken<br />
Wo der anfang stets mag prunken<br />
Ist das ende doch ertrunken<br />
Kreise werden immer weiter<br />
Doch ich werde nur gescheiter<br />
Werde niemals weiser meister<br />
Bleibe unberührt, mal heiter<br />
Bleibe nur ein unbefreiter<br />
<br />
suchend sehnend singender<br />
bleicher blasser bringender<br />
trauernd trüber tragender<br />
wahrlich wenig wagender<br />
fortan freilich fragender<br />
kalter kleiner klagender<br />
<br />
falle immer wieder wieder<br />
immer wieder <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">immer wieder</span><br />
immer <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">immer</span> wieder <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">wieder</span><br />
immer wieder fall ich nieder<br />
singe immer wieder lieder<br />
bringe immer wieder lieber<br />
worte mit für die geschichte<br />
worte mit und schreib gedichte<br />
worte womit ich errichte<br />
worte, worte, ich berichte<br />
und auf die ich nie verzichte<br />
weil sie in mir widerhallen<br />
echos aus geleerten hallen<br />
weil sie sind wie scharfe krallen<br />
fäuste, die sich kräftig ballen<br />
wellen, wieder widerwalllen<br />
fallen, fallen, fallen, fallen<br />
worte, immer stets die gleichen<br />
bilder, die mir nie entweichen<br />
klänge, die durch sänge schleichen<br />
leben lobend lachend leichen<br />
immer wieder macht der zeichen<br />
sie verführt mich, mich erreichen<br />
mich berühren, mich vergleichen,<br />
mit den armen, mit den reichen<br />
mit den harten, mit den weichen<br />
mit den blumengartenEichen<br />
mit den farben, die erbleichen<br />
wenn sie sterben, blaue veilchen<br />
weil sie nur ein kurzes weilchen<br />
<br />
am falschen ort das falsche wort<br />
zur falschen zeit das falsche leid<br />
beim falschen menschen <br />
das falsche denken<br />
dem falschen leben <br />
das falsche geben<br />
<br />
und im rechten existieren<br />
alle falschheit doch verlieren<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2011</span><br />
<br />
Dunst der alten jungen Zeiten,<br />
leg dein Nebelmeer auf mich,<br />
Dunst aus den Gemeinsamkeiten,<br />
mach ein Regen ohne Licht,<br />
Dunst du kannst dich vorbereiten,<br />
denn bald lässt du mich im Stich,<br />
Dunst du alter bist zum zweiten<br />
Mal gescheitert, so wie ich.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2012</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Stadtteichtage 4</span><br />
<br />
Er schenkt mir den Tag<br />
Und raubt mir die Nacht<br />
Seit Monaten Schweissnächte<br />
In die ich die verlorenen<br />
Stunden des Tags flechte<br />
Die täglich Neugeborenen<br />
sie kommen Schlag auf Schlag<br />
Und was sie nicht können<br />
Ist was sie macht<br />
Und was sie sich gönnen<br />
Sind Splitter des Tageslichts<br />
Und sie merken:<br />
Das ist aber nichts.<br />
Und sie suchen in Werken<br />
Doch sie finden nichts<br />
Sie sind sich Hindernis<br />
Sehen die Finsternis<br />
In ihr wandeln sie hinter sich<br />
Und bringen des Tages<br />
Leuchten er fragt es<br />
Euch denn seid ihr die Seuchen?<br />
Könnt ihr auch heucheln<br />
Oder nur wach sein<br />
So: zieht der Tag ein.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2013</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Landmine</span><br />
<br />
Die Knüppel schlagen aufs Fleisch<br />
und da eine Dame, die kreischt.<br />
Die Kinder verkriechen sich<br />
unter die Fensterrähmen der Keller.<br />
Die Kirchen, sie lieben dich<br />
unendlich, während sie Stellen<br />
streichen. Dort spritzt Blut<br />
auf den körnigen Asphalt der Strasse.<br />
Unglaublich, wie sie in sich ruht,<br />
diese gottlose Farce.<br />
Französisch, fuck die Aussprache.<br />
Ich will nur die Revolution.<br />
Und sei es mein letzter Ton:<br />
ich hulde nur einem Thron<br />
ohne väterlich führenden Sohn.<br />
<br />
Das Eisen glüht ganz rot,<br />
gerieben, explodiert.<br />
In den Gassen liegen die Menschen tot,<br />
dort hineingetrieben und exekutiert.<br />
Die Beamten wischen den Schweiss<br />
von der Stirn, denn es ist heiss<br />
unter der Sonne. Und putzen den Dreck<br />
von den Waffen. Sie nehmen das Besteck<br />
und essen ihren Frass von der Kantine.<br />
Was schon jeder vergass: die Landmine.<br />
Von damals, als sie noch streunten.<br />
<br />
Sie rennen davon, die mageren Beine.<br />
Ein falscher Tritt, ein Zug an der Leine.<br />
Sie fliegen in die Luft. Ein Springbrunnen.<br />
Und wir hören die Leichen den Sinn summen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2014</span> <br />
<br />
Wo sind sie, diese Heulereien?<br />
Von Ohnmacht und von Schwärze.<br />
Von Leere und von Nichtgedeihen.<br />
Von Angst und Tod und kalter Kerze.<br />
Wo sind sie, diese Jammerzeilen?<br />
Von Einsamkeit und fehlend Sinn.<br />
Von atemlosen, langen Weilen.<br />
Vom Hass zum Wesen das ich bin.<br />
<br />
Es wird nicht über sie geschwiegen,<br />
bloss sind sie halt bereits geschrieben.<br />
Sie sind nicht etwa weggestorben,<br />
du musst zur alten Zeit hinhorchen.<br />
Es ist bloss so: dass sie nun klingen<br />
nach Dingen die Gewinn nicht bringen.<br />
Sie sind kein Wert mehr für das Schreiben.<br />
Sie sind noch Worte, doch nicht Zeichen.<br />
<br />
Keine Hoffnung Trauergrund?<br />
Keine Hoffnung ist gesund!<br />
Keine Liebe zum Beklagen?<br />
Keine Liebe kann dich tragen!<br />
Keine Zärtlichkeit tut weh?<br />
Keine Zärtlichkeit ist Schnee,<br />
der dahinschmelzt wenn sie brennt,<br />
die Sonne die dich besser kennt.<br />
<br />
Klagelieder—schön und gut.<br />
Ich zieh vor dieser Zeit den Hut.<br />
Aber nieder tret ich diese<br />
trocken-ausgesaugte Wiese.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2015</span> <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Andermatt</span><br />
<br />
verzerrt, durchkreuzt und tausend Narben<br />
stehst du Bergmassiv noch hier<br />
Kriegsangst schiesst dir Löcher<br />
tief in deine Seele<br />
und Touristen legen<br />
dich in Ketten, Schienen, Stahlseil<br />
und Sawiris Segen<br />
reisst die Reuss erneut auf<br />
immer wieder neue Wege<br />
muss sie bahnen<br />
wie die Andermatter Ahnen<br />
wo die Kugelhülsen flogen<br />
liegen jetzt die Golfparzellen<br />
keine trägt das Kreuz wie du<br />
schau vom Norden in den Süden<br />
Teufelsbrücke, Gotthardpass<br />
schau vom Westen in den Osten<br />
Furkagrotte, Oberalp<br />
Fadenkreuz, Kompassachse<br />
mit dir zieht man sich zurück<br />
auf die Scheibe,<br />
die sich dreht,<br />
weil vom Tal<br />
der Wind raufweht<br />
<br />
Kaum zu glauben:<br />
du warst Gletscher<br />
du warst unberührtes Grün,<br />
nicht weils andere nicht waren,<br />
sondern weil du noch so sprichst.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2016</span><br />
<br />
Nicht mal ein Jahr. Diagnose – Urne.<br />
Deine Charakterzüge sind purpurne.<br />
Sie waren: jetzt Präteritum.<br />
Aber usque ad extremum spiritum.<br />
Es liegt noch viel Arbeit vor uns,<br />
bis die Welt wieder in Ordnung ist.<br />
Und was du für ein Wort nun bist:<br />
du liegst gar weit vor uns.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[.]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=1790</link>
			<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 00:14:27 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=92">pumukel</a>]]></dc:creator>
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