<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
	<channel>
		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Richard Dehmel ]]></title>
		<link>https://sonett.fontane-place.de/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett.fontane-place.de]]></description>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 21:47:31 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Venus Universa]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23947</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 16:03:13 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23947</guid>
			<description><![CDATA[Venus Universa<br />
<br />
Du sahst durch meine Seele in die Welt,<br />
es war auch Deine Seele: still versanken<br />
im Strom des Schauens zwischen uns die Schranken,<br />
es ruhten Welt und Du in Mir gesellt.<br />
 <br />
Dein Auge sah ich grenzenlos erhellt:<br />
Erleuchtung fluteten, Erleuchtung tranken<br />
zusammenströmend unsre Zwiegedanken,<br />
in Deiner Seele ruhte Meine Welt.<br />
 <br />
Und ganz im Weltgrund, wo sonst blindgeballt<br />
entzweite Lüfte hausen voller Fehle,<br />
enthüllten sich auf einmal unsre Hehle<br />
vereint als lauter Liebeslustgewalt.<br />
 <br />
Denn Liebe ist die Freiheit der Gestalt<br />
vom Bann der Welt, vom Wahn der eignen Seele.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Venus Universa<br />
<br />
Du sahst durch meine Seele in die Welt,<br />
es war auch Deine Seele: still versanken<br />
im Strom des Schauens zwischen uns die Schranken,<br />
es ruhten Welt und Du in Mir gesellt.<br />
 <br />
Dein Auge sah ich grenzenlos erhellt:<br />
Erleuchtung fluteten, Erleuchtung tranken<br />
zusammenströmend unsre Zwiegedanken,<br />
in Deiner Seele ruhte Meine Welt.<br />
 <br />
Und ganz im Weltgrund, wo sonst blindgeballt<br />
entzweite Lüfte hausen voller Fehle,<br />
enthüllten sich auf einmal unsre Hehle<br />
vereint als lauter Liebeslustgewalt.<br />
 <br />
Denn Liebe ist die Freiheit der Gestalt<br />
vom Bann der Welt, vom Wahn der eignen Seele.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Venus Natura]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23946</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 16:02:37 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23946</guid>
			<description><![CDATA[Venus Natura<br />
<br />
<br />
Durch einen menschenleeren Garten irrend<br />
geriet ich an ein Pfauenpaar; der Pfau<br />
stand mit gespreiztem Rad vor seiner Frau,<br />
die Flügel tief gesträubt, von Lichtern flirrend.<br />
 <br />
So stand er kreisend, sich die Henne kirrend,<br />
und bannte sie zu feierlicher Schjau;<br />
starr federte das goldne Grün und Blau<br />
des steilen Schweifes, vor Erregung klirrend.<br />
 <br />
Jetzt überfällt er sie, und seine Zier<br />
peitscht wild die Luft, die heiße; funkelnd spaltet<br />
der Radsaum seine Speichen, daß sich mir<br />
der Gartenkreis zum Paradies gestaltet –<br />
 <br />
O Mensch, wie herrlich ist das Tier,<br />
wenn es sich ganz als Tier entfaltet! -]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Venus Natura<br />
<br />
<br />
Durch einen menschenleeren Garten irrend<br />
geriet ich an ein Pfauenpaar; der Pfau<br />
stand mit gespreiztem Rad vor seiner Frau,<br />
die Flügel tief gesträubt, von Lichtern flirrend.<br />
 <br />
So stand er kreisend, sich die Henne kirrend,<br />
und bannte sie zu feierlicher Schjau;<br />
starr federte das goldne Grün und Blau<br />
des steilen Schweifes, vor Erregung klirrend.<br />
 <br />
Jetzt überfällt er sie, und seine Zier<br />
peitscht wild die Luft, die heiße; funkelnd spaltet<br />
der Radsaum seine Speichen, daß sich mir<br />
der Gartenkreis zum Paradies gestaltet –<br />
 <br />
O Mensch, wie herrlich ist das Tier,<br />
wenn es sich ganz als Tier entfaltet! -]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Venus Madonna]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23945</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 16:01:58 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23945</guid>
			<description><![CDATA[Venus Madonna<br />
<br />
<br />
Aus Mannesadel wächst des Weibes Tugend :<br />
Götter vermag sein Gein ihr zu gebären.<br />
Des Griechen Schönheitswille sah die Sphären<br />
beherrscht von Aphroditens Reiz und Jugend; -<br />
 <br />
dem Christen aber ward die Reinheit Wesen,<br />
selbst noch die Mutter will er sich verklären<br />
und beugt sich vor Marias Hochaltären,<br />
die keusch des Sohns, des keuscheren, genesen.<br />
 <br />
Nun kommt die Zeit, daß Männer freier denken<br />
und ihren eignen Stamm von Gottessöhnen<br />
hell mit dem Huldbild ihrer Freiheit krönen,<br />
 <br />
bis Alle Allen die erleuchtung schenken,<br />
die Wir uns schenkten, Sonne meiner Wonne,<br />
du keusche Venus, reizende Madonne!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Venus Madonna<br />
<br />
<br />
Aus Mannesadel wächst des Weibes Tugend :<br />
Götter vermag sein Gein ihr zu gebären.<br />
Des Griechen Schönheitswille sah die Sphären<br />
beherrscht von Aphroditens Reiz und Jugend; -<br />
 <br />
dem Christen aber ward die Reinheit Wesen,<br />
selbst noch die Mutter will er sich verklären<br />
und beugt sich vor Marias Hochaltären,<br />
die keusch des Sohns, des keuscheren, genesen.<br />
 <br />
Nun kommt die Zeit, daß Männer freier denken<br />
und ihren eignen Stamm von Gottessöhnen<br />
hell mit dem Huldbild ihrer Freiheit krönen,<br />
 <br />
bis Alle Allen die erleuchtung schenken,<br />
die Wir uns schenkten, Sonne meiner Wonne,<br />
du keusche Venus, reizende Madonne!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Venus Excelsior]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23944</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 16:01:06 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23944</guid>
			<description><![CDATA[Venus Excelsior<br />
<br />
<br />
Ich träume oft von einer bleichen Rose.<br />
Hell ragt ein Berg; sie blüht in seinem Schatten,<br />
zum fernen Licht aufschmachtend mit dem matten<br />
Traumblumenblick aus ihrem dunklen Loose.<br />
 <br />
Dann bangt sie mich; tief stockt mein Schritt im Moose.<br />
Doch weiter muß ich, muß das Ziel erreichen,<br />
den Gipfel mit den immergrünen Eichen;<br />
so steh ich schwankend zwischen Berg und Rose.<br />
 <br />
Denn wie sich auch mein Fuß bemüht zu kämpfen,<br />
ich kann die süße Sehnsucht nicht mehr dämpfen,<br />
aus ihrem Kelch den edlen Duft zu schlürfen.<br />
 <br />
Da -: Flügel -: frei! – und an der Brust die Blume!<br />
Schon naht der Hain mit seinem Heiligtume,<br />
wo auch die Rosen immergrünen dürfen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Venus Excelsior<br />
<br />
<br />
Ich träume oft von einer bleichen Rose.<br />
Hell ragt ein Berg; sie blüht in seinem Schatten,<br />
zum fernen Licht aufschmachtend mit dem matten<br />
Traumblumenblick aus ihrem dunklen Loose.<br />
 <br />
Dann bangt sie mich; tief stockt mein Schritt im Moose.<br />
Doch weiter muß ich, muß das Ziel erreichen,<br />
den Gipfel mit den immergrünen Eichen;<br />
so steh ich schwankend zwischen Berg und Rose.<br />
 <br />
Denn wie sich auch mein Fuß bemüht zu kämpfen,<br />
ich kann die süße Sehnsucht nicht mehr dämpfen,<br />
aus ihrem Kelch den edlen Duft zu schlürfen.<br />
 <br />
Da -: Flügel -: frei! – und an der Brust die Blume!<br />
Schon naht der Hain mit seinem Heiligtume,<br />
wo auch die Rosen immergrünen dürfen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Im Geiste]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23943</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 16:00:25 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23943</guid>
			<description><![CDATA[Im Geiste<br />
<br />
<br />
Ich steh im Geiste an ein Grab geführt,<br />
wo Eine ruht, die so beseelend lebte,<br />
daß ich nicht glauben kann, ihr Geist entschwebte;<br />
ich steh wie einst vor ihr, so rein gerührt.<br />
 <br />
Und dort steht Einer, dessen Auge schürt<br />
noch reiner an, was damals in mir bebte;<br />
er wars, der zart ihr Reinstes mir verwebte,<br />
und steht nun starr, als hätt er’s nie gespürt.<br />
 <br />
Du Hüter dieses Grabes, wehre<br />
der Andacht nicht, die Geist dem Geist hier weiht;<br />
es bebt in dir wie mir das seelvoll Leere.<br />
 <br />
Die wirren Zeiten haben uns entzweit;<br />
hier aber rührt uns Klarheit, und ich kehre<br />
vereint mit dir den Blick zur Ewigkeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Im Geiste<br />
<br />
<br />
Ich steh im Geiste an ein Grab geführt,<br />
wo Eine ruht, die so beseelend lebte,<br />
daß ich nicht glauben kann, ihr Geist entschwebte;<br />
ich steh wie einst vor ihr, so rein gerührt.<br />
 <br />
Und dort steht Einer, dessen Auge schürt<br />
noch reiner an, was damals in mir bebte;<br />
er wars, der zart ihr Reinstes mir verwebte,<br />
und steht nun starr, als hätt er’s nie gespürt.<br />
 <br />
Du Hüter dieses Grabes, wehre<br />
der Andacht nicht, die Geist dem Geist hier weiht;<br />
es bebt in dir wie mir das seelvoll Leere.<br />
 <br />
Die wirren Zeiten haben uns entzweit;<br />
hier aber rührt uns Klarheit, und ich kehre<br />
vereint mit dir den Blick zur Ewigkeit.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Ecce Poeta]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23942</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 15:59:47 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23942</guid>
			<description><![CDATA[Ecce Poeta<br />
<br />
<br />
Doch hör ich noch der Tausende Entzücken<br />
und Ihn von seinen goldnen Sternen sprechen,<br />
und sehe noch ihn seine Rosen brechen<br />
und noch den Kranz das Haupt ihm blutig drücken.<br />
 <br />
Sie lagen jubelnd an den Silberbächen<br />
und ließen sich mit seinen Blumen schmücken,<br />
und sahn ihn Blüte nur um Blüte pflücken<br />
und nicht die Dornen ihm die Stirn zerstechen.<br />
 <br />
Sie waren alle jammernd hergekrochen,<br />
und Jeder sprach von Plagen ohne Zahl.<br />
Er hatte Allen alle weggesprochen;<br />
 <br />
verschmachtet sank er hin am Bachesrande.<br />
Da starrten sie, da sahn sie seine Qual.<br />
So träumte mir in unserm Vaterlande.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ecce Poeta<br />
<br />
<br />
Doch hör ich noch der Tausende Entzücken<br />
und Ihn von seinen goldnen Sternen sprechen,<br />
und sehe noch ihn seine Rosen brechen<br />
und noch den Kranz das Haupt ihm blutig drücken.<br />
 <br />
Sie lagen jubelnd an den Silberbächen<br />
und ließen sich mit seinen Blumen schmücken,<br />
und sahn ihn Blüte nur um Blüte pflücken<br />
und nicht die Dornen ihm die Stirn zerstechen.<br />
 <br />
Sie waren alle jammernd hergekrochen,<br />
und Jeder sprach von Plagen ohne Zahl.<br />
Er hatte Allen alle weggesprochen;<br />
 <br />
verschmachtet sank er hin am Bachesrande.<br />
Da starrten sie, da sahn sie seine Qual.<br />
So träumte mir in unserm Vaterlande.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Wechselwirkung]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23941</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 15:59:07 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23941</guid>
			<description><![CDATA[Wechselwirkung<br />
 <br />
Ich wüßte nicht mich nach der Form zu richten,<br />
 wird mir bedeutet von euch Anstandsrichtern.<br />
 Und freilich: leicht ereignet sich's an Dichtern,<br />
 daß sie formloser leben als sie dichten. <br />
 <br />
Denn leider müssen sie die Menschen sichten <br />
und sehn den Inhalt hinter den Gesichtern;<br />
 zwar mancher hält's mit aufgeblasnen Wichtern,<br />
 doch mancher wägt nach schwereren Gewichten. <br />
 <br />
Ihr aber tut wie steife Dreierlichter,<br />
 wenn ihr auf euerm flachen Sumpf irrlichtert.<br />
 Seid, wie ihr seid-und gebt euch nicht als Richter,<br />
<br />
 wenn ihr nach leeren Formen splitterrichtert!<br />
 Sonst geb' ich mich so formvoll wie ein Trichter,<br />
 der von sich gibt, was ihr ihm selbst eintrichtert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Wechselwirkung<br />
 <br />
Ich wüßte nicht mich nach der Form zu richten,<br />
 wird mir bedeutet von euch Anstandsrichtern.<br />
 Und freilich: leicht ereignet sich's an Dichtern,<br />
 daß sie formloser leben als sie dichten. <br />
 <br />
Denn leider müssen sie die Menschen sichten <br />
und sehn den Inhalt hinter den Gesichtern;<br />
 zwar mancher hält's mit aufgeblasnen Wichtern,<br />
 doch mancher wägt nach schwereren Gewichten. <br />
 <br />
Ihr aber tut wie steife Dreierlichter,<br />
 wenn ihr auf euerm flachen Sumpf irrlichtert.<br />
 Seid, wie ihr seid-und gebt euch nicht als Richter,<br />
<br />
 wenn ihr nach leeren Formen splitterrichtert!<br />
 Sonst geb' ich mich so formvoll wie ein Trichter,<br />
 der von sich gibt, was ihr ihm selbst eintrichtert.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Sieg]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23940</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 15:58:18 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23940</guid>
			<description><![CDATA[Sieg<br />
<br />
<br />
Nun haben wir den schwersten Kampf gerungen<br />
im heiligen Krieg um unser Reich der Einheit,<br />
als heiß wir rangen mit der eignen Kleinheit,<br />
bis Seele ganz in Seele war gedrungen, <br />
 <br />
bis endlich von den Herzen uns gesprungen<br />
 das letzte Band selbstsüchtiger Alleinheit,<br />
 bis meine Rauhheit ganz von deiner Reinheit,<br />
 dein blasser Trotz von meiner Kraft bezwungen. <br />
 <br />
Und ob wir nur mit Mühe uns gefunden,<br />
 und ob sich unsre Herzen blutig stießen<br />
 im harten Zwiespalt dieser wilden Stunden: <br />
 <br />
so inniger dürfen wir des Siegs genießen,<br />
denn in der Tiefe sahn wir durch die Wunden<br />
die vollen Pulse unsrer Liebe fließen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Sieg<br />
<br />
<br />
Nun haben wir den schwersten Kampf gerungen<br />
im heiligen Krieg um unser Reich der Einheit,<br />
als heiß wir rangen mit der eignen Kleinheit,<br />
bis Seele ganz in Seele war gedrungen, <br />
 <br />
bis endlich von den Herzen uns gesprungen<br />
 das letzte Band selbstsüchtiger Alleinheit,<br />
 bis meine Rauhheit ganz von deiner Reinheit,<br />
 dein blasser Trotz von meiner Kraft bezwungen. <br />
 <br />
Und ob wir nur mit Mühe uns gefunden,<br />
 und ob sich unsre Herzen blutig stießen<br />
 im harten Zwiespalt dieser wilden Stunden: <br />
 <br />
so inniger dürfen wir des Siegs genießen,<br />
denn in der Tiefe sahn wir durch die Wunden<br />
die vollen Pulse unsrer Liebe fließen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Sühne]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23939</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 15:42:20 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23939</guid>
			<description><![CDATA[Sühne<br />
<br />
<br />
Erwachen endlich denn die Töne wieder,<br />
die mir so dumpf und schwer im Herzen schliefen?<br />
O steigt empor aus euren grauen Tiefen,<br />
steigt rauschend auf zum Lichtreich, meine Lieder! <br />
 <br />
Nehmt mit die Tränen alle im Gefieder,<br />
 die Tränen der Geliebten, die euch riefen!<br />
 Aus euren goldnen Höhen laßt sie triefen<br />
 wie Tau des Paradieses auf mich nieder! <br />
 <br />
Daß sie mir fluten durch die trübsten Gründe<br />
 der kranken Seele und gesund sie baden,<br />
 bis ich, versöhnt mit aller meiner Sünde,<br />
<br />
 mich vor mir selbst kann zu Gerichte laden<br />
 und jubelnd vor mir selbst entsühnt mich künde,<br />
 weil jede Träne eine Welt voll Gnaden!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Sühne<br />
<br />
<br />
Erwachen endlich denn die Töne wieder,<br />
die mir so dumpf und schwer im Herzen schliefen?<br />
O steigt empor aus euren grauen Tiefen,<br />
steigt rauschend auf zum Lichtreich, meine Lieder! <br />
 <br />
Nehmt mit die Tränen alle im Gefieder,<br />
 die Tränen der Geliebten, die euch riefen!<br />
 Aus euren goldnen Höhen laßt sie triefen<br />
 wie Tau des Paradieses auf mich nieder! <br />
 <br />
Daß sie mir fluten durch die trübsten Gründe<br />
 der kranken Seele und gesund sie baden,<br />
 bis ich, versöhnt mit aller meiner Sünde,<br />
<br />
 mich vor mir selbst kann zu Gerichte laden<br />
 und jubelnd vor mir selbst entsühnt mich künde,<br />
 weil jede Träne eine Welt voll Gnaden!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Die geflügelte Fackel]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23938</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 15:24:37 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23938</guid>
			<description><![CDATA[Die geflügelte Fackel<br />
<br />
<br />
Du wünschtest dir und deinem Haus ein Zeichen,<br />
das euch für alle Zeit ein Glücksbild sei;<br />
doch welches Gleichnis ist so reich und frei,<br />
so vieler Seelen Wünsche auszugleichen! <br />
 <br />
Wir möchten Alle gern das Glück erreichen,<br />
 daß endlich eint dies ewige Zweierlei;<br />
 doch fass ich meins, geht deins vielleicht entzwei.<br />
 So lag und sann ich über solch ein Zeichen. <br />
 <br />
Da träumte mir: Gewappnet mit zwei Schwingen<br />
 kam eine Fackel durch die Nacht geweht.<br />
 Sie loderte; die Sterne alle hingen<br />
<br />
 wie Mücken nach der Flamme hingedreht.<br />
 Und ihr Emporflug trieb mich aufzuspringen:<br />
 dies Zeichen gilt für Jeden, der's versteht!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die geflügelte Fackel<br />
<br />
<br />
Du wünschtest dir und deinem Haus ein Zeichen,<br />
das euch für alle Zeit ein Glücksbild sei;<br />
doch welches Gleichnis ist so reich und frei,<br />
so vieler Seelen Wünsche auszugleichen! <br />
 <br />
Wir möchten Alle gern das Glück erreichen,<br />
 daß endlich eint dies ewige Zweierlei;<br />
 doch fass ich meins, geht deins vielleicht entzwei.<br />
 So lag und sann ich über solch ein Zeichen. <br />
 <br />
Da träumte mir: Gewappnet mit zwei Schwingen<br />
 kam eine Fackel durch die Nacht geweht.<br />
 Sie loderte; die Sterne alle hingen<br />
<br />
 wie Mücken nach der Flamme hingedreht.<br />
 Und ihr Emporflug trieb mich aufzuspringen:<br />
 dies Zeichen gilt für Jeden, der's versteht!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: Das Opfer]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23937</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 15:23:44 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23937</guid>
			<description><![CDATA[Das Opfer<br />
<br />
<br />
Ich sah im Traum Apollos Tempelhallen,<br />
doch ringsum hört ich dunkle Donner grollen;<br />
ich sah vom blassen First die unruhvollen<br />
gebrochnen letzten Sonnenblicke prallen. <br />
 <br />
Herab zu mir vom schroffen Abhang quollen<br />
 die Schatten, schwer, wie Trauertücher fallen;<br />
 als wollt er drüberher ein Grabmal ballen,<br />
 so schaufelte der Sturm die Wolkenschollen. <br />
 <br />
Und ich verstand des Gottes Gram und Zorn<br />
 und brach mir Bahn zu seinem heiligen Born<br />
 und schöpfte Urglut aus den Finsternissen <br />
 <br />
und hob die Schale auf zu seinem Thron:<br />
 entflamme, großer Vater, deinen Sohn,<br />
 es gibt so Wenige, die zu opfern wissen!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Das Opfer<br />
<br />
<br />
Ich sah im Traum Apollos Tempelhallen,<br />
doch ringsum hört ich dunkle Donner grollen;<br />
ich sah vom blassen First die unruhvollen<br />
gebrochnen letzten Sonnenblicke prallen. <br />
 <br />
Herab zu mir vom schroffen Abhang quollen<br />
 die Schatten, schwer, wie Trauertücher fallen;<br />
 als wollt er drüberher ein Grabmal ballen,<br />
 so schaufelte der Sturm die Wolkenschollen. <br />
 <br />
Und ich verstand des Gottes Gram und Zorn<br />
 und brach mir Bahn zu seinem heiligen Born<br />
 und schöpfte Urglut aus den Finsternissen <br />
 <br />
und hob die Schale auf zu seinem Thron:<br />
 entflamme, großer Vater, deinen Sohn,<br />
 es gibt so Wenige, die zu opfern wissen!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Richard Dehmel: An eine Gütige]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23936</link>
			<pubDate>Sat, 03 Jul 2021 15:05:47 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=23936</guid>
			<description><![CDATA[An eine Gütige<br />
 <br />
Es mag mir oft nicht in den Mienen stehen,<br />
 wie tief ich in mein Innres dich geschrieben;<br />
 ach, oft schon hat es mich zum Wort getrieben<br />
 und wortlos mußt ich meines Weges gehen. <br />
 <br />
So ist, wie sehr du suchtest, es zu sehen,<br />
 ein Ungesehnes zwischen uns geblieben:<br />
 die alte Mühsal, daß sich Menschen lieben<br />
 und doch im eignen Kreis sich weiterdrehen. <br />
 <br />
Wie fruchtlos schon des Kindes Spiel sich mühte,<br />
 daß jeder Kreis sich glatt auf jeden lege!<br />
 Bald glitt der eine und durchschnitt den andern,<br />
<br />
und bald verschob ein dritter ihre Wege.<br />
In Einem Kreis nur läßt sich einig wandern:<br />
dem allumschlingenden grundloser Güte.<br />
 <br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[An eine Gütige<br />
 <br />
Es mag mir oft nicht in den Mienen stehen,<br />
 wie tief ich in mein Innres dich geschrieben;<br />
 ach, oft schon hat es mich zum Wort getrieben<br />
 und wortlos mußt ich meines Weges gehen. <br />
 <br />
So ist, wie sehr du suchtest, es zu sehen,<br />
 ein Ungesehnes zwischen uns geblieben:<br />
 die alte Mühsal, daß sich Menschen lieben<br />
 und doch im eignen Kreis sich weiterdrehen. <br />
 <br />
Wie fruchtlos schon des Kindes Spiel sich mühte,<br />
 daß jeder Kreis sich glatt auf jeden lege!<br />
 Bald glitt der eine und durchschnitt den andern,<br />
<br />
und bald verschob ein dritter ihre Wege.<br />
In Einem Kreis nur läßt sich einig wandern:<br />
dem allumschlingenden grundloser Güte.<br />
 <br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>