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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Josef Weinheber ]]></title>
		<link>https://sonett.fontane-place.de/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett.fontane-place.de]]></description>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 07:42:35 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[ERKENNTNIS (3)]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32875</link>
			<pubDate>Mon, 17 Mar 2025 08:16:19 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32875</guid>
			<description><![CDATA[ERKENNTNIS<br />
<br />
I.<br />
<br />
Weißt Du, wieviel ich muß geopfert haben,<br />
bis ich Dich nannte mit dem Namen "Braut"!<br />
Mein ganzes Sehnen, das nur Licht geschaut,<br />
mein Träumen hab ich stumm in Dir begraben.<br />
<br />
Die Wünsche, die sich Himmel aufgebaut<br />
und sich dann Deinem kleinen Licht ergaben,<br />
Ich beugte sie, die sich im heißen Knaben<br />
erdrosselnd wild und einsam hochgestaut.<br />
<br />
Als ich dann Dein war, schien mein Herz ergraut<br />
und satt von Deinen bürgerlichen Küssen.<br />
Und hab doch übermenschlich kämpfen müssen,<br />
<br />
ward nachts die tolle Sehnsucht wieder laut,<br />
die in mir schrie nach brennenden Genüssen -<br />
Weißt Du, daß ich mein Herz hab töten müssen?<br />
<br />
<br />
II.<br />
<br />
Denn also warst Du, daß, wer Dir genaht,<br />
ganz Oberfläche wurde, Spiel und Glätte.<br />
Und was die Menge nicht gebilligt hätte,<br />
das wurde Deinen Händen nie zur Tat.<br />
<br />
Und dennoch hättest Du der Dirne Pfad<br />
lieber vielleicht ersehn als den zur Mette -<br />
Und hättest dann in eines Lüstlings Bette<br />
erst klar erkannt, was Dir gemangelt hat.<br />
<br />
So aber trieb das Blut Dich mir zur Seite.<br />
Da war nur Glühn und Hungern nach Verstehn<br />
und stilles Schauen in die goldne Weite.<br />
<br />
Dem bliebst Du fremd. Denn meiner Seele Wehn<br />
war ja nicht vorgesehn im Maß der Leute. -<br />
Drum mußte diese Seele betteln gehn.<br />
<br />
<br />
III.<br />
<br />
Ich aber liebte Dich und hab um Dich<br />
gelitten und gekämpft mit heiligem Schwerte.<br />
Erst, als die langgedämmte Glut mich sehrte,<br />
erwachte ich. Blutjäh und bitterlich.<br />
<br />
Da stand mein Geist! Der schrie und bäumte sich,<br />
bis ich des stumpfen Pagenglücks mich wehrte<br />
und alles ließ, des ich einst so begehrte<br />
und jählings fühlte, Du seist nicht für mich.<br />
<br />
Denn Du gehörst nur einem, der sich gern<br />
dem Weibe unterordnet - oder straffen<br />
Zügels es meistert mit der Faust des Herrn.<br />
<br />
(Vielleicht auch nennt Dich ein Geschlecht von Schlaffen<br />
einst als der "großen Dirnen" hellsten Stern -)<br />
Doch zur Gefährtin bist Du nicht geschaffen.<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[ERKENNTNIS<br />
<br />
I.<br />
<br />
Weißt Du, wieviel ich muß geopfert haben,<br />
bis ich Dich nannte mit dem Namen "Braut"!<br />
Mein ganzes Sehnen, das nur Licht geschaut,<br />
mein Träumen hab ich stumm in Dir begraben.<br />
<br />
Die Wünsche, die sich Himmel aufgebaut<br />
und sich dann Deinem kleinen Licht ergaben,<br />
Ich beugte sie, die sich im heißen Knaben<br />
erdrosselnd wild und einsam hochgestaut.<br />
<br />
Als ich dann Dein war, schien mein Herz ergraut<br />
und satt von Deinen bürgerlichen Küssen.<br />
Und hab doch übermenschlich kämpfen müssen,<br />
<br />
ward nachts die tolle Sehnsucht wieder laut,<br />
die in mir schrie nach brennenden Genüssen -<br />
Weißt Du, daß ich mein Herz hab töten müssen?<br />
<br />
<br />
II.<br />
<br />
Denn also warst Du, daß, wer Dir genaht,<br />
ganz Oberfläche wurde, Spiel und Glätte.<br />
Und was die Menge nicht gebilligt hätte,<br />
das wurde Deinen Händen nie zur Tat.<br />
<br />
Und dennoch hättest Du der Dirne Pfad<br />
lieber vielleicht ersehn als den zur Mette -<br />
Und hättest dann in eines Lüstlings Bette<br />
erst klar erkannt, was Dir gemangelt hat.<br />
<br />
So aber trieb das Blut Dich mir zur Seite.<br />
Da war nur Glühn und Hungern nach Verstehn<br />
und stilles Schauen in die goldne Weite.<br />
<br />
Dem bliebst Du fremd. Denn meiner Seele Wehn<br />
war ja nicht vorgesehn im Maß der Leute. -<br />
Drum mußte diese Seele betteln gehn.<br />
<br />
<br />
III.<br />
<br />
Ich aber liebte Dich und hab um Dich<br />
gelitten und gekämpft mit heiligem Schwerte.<br />
Erst, als die langgedämmte Glut mich sehrte,<br />
erwachte ich. Blutjäh und bitterlich.<br />
<br />
Da stand mein Geist! Der schrie und bäumte sich,<br />
bis ich des stumpfen Pagenglücks mich wehrte<br />
und alles ließ, des ich einst so begehrte<br />
und jählings fühlte, Du seist nicht für mich.<br />
<br />
Denn Du gehörst nur einem, der sich gern<br />
dem Weibe unterordnet - oder straffen<br />
Zügels es meistert mit der Faust des Herrn.<br />
<br />
(Vielleicht auch nennt Dich ein Geschlecht von Schlaffen<br />
einst als der "großen Dirnen" hellsten Stern -)<br />
Doch zur Gefährtin bist Du nicht geschaffen.<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[WAS IST DER SINN? (2)]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32866</link>
			<pubDate>Sat, 15 Mar 2025 06:50:29 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32866</guid>
			<description><![CDATA[WAS IST DER SINN?<br />
<br />
I.<br />
<br />
Wir Menschen blühn und herbsten wie ein Baum -<br />
Viel Blüten sterben, wenig Früchte reifen -<br />
Wir gehen unsrer Sehnsucht nach und streifen<br />
an fremde Schicksale und fremden Traum.<br />
<br />
Und gehn uns müd und sehnen neu und greifen<br />
mit gierigen Händen in den blinden Raum.<br />
O Licht! O Glück! Aber das Glück kommt kaum.<br />
Und unsre Stirnen drückt ein blutiger Reifen.<br />
<br />
Und immer müssen wir so bitterlich<br />
bang suchen, ohne irgend Ruh zu finden.<br />
Was treibt uns denn? Weißt du es? Weiß es ich?<br />
<br />
Was für Zusammenhänge ahnen sich<br />
im Gang von Dirnen und Blühn der Linden?<br />
Was ist der Sinn, drin alle Süchte münden?<br />
<br />
<br />
II.<br />
<br />
Vielleicht ists gut, daß wir im Dunkel gehen -<br />
So glühn wir lichtentbrannt für manches Ding,<br />
das doch im Grund unwichtig und gering<br />
und kaum der Mühe wert ist, hinzusehen:<br />
<br />
Für Frühlingsbäume, die in Blüten stehen,<br />
für leisen Wind, drin sich ein Lied verfing,<br />
für einen Kampf, bei dems um "vieles" ging...<br />
denn wär das nicht, dann müßte dies geschehen:<br />
<br />
Daß einer, der sonst seine Menschenbürde<br />
geduldig trug und viel Blut hingegeben<br />
für eignes Glück und Glück von seinen Erben,<br />
<br />
hinginge (wenn er plötzlich sehend würde,<br />
wie ohne Beispiel sinnlos dieses Leben)<br />
und Gott um Gnade bäte: Laß mich sterben!...<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[WAS IST DER SINN?<br />
<br />
I.<br />
<br />
Wir Menschen blühn und herbsten wie ein Baum -<br />
Viel Blüten sterben, wenig Früchte reifen -<br />
Wir gehen unsrer Sehnsucht nach und streifen<br />
an fremde Schicksale und fremden Traum.<br />
<br />
Und gehn uns müd und sehnen neu und greifen<br />
mit gierigen Händen in den blinden Raum.<br />
O Licht! O Glück! Aber das Glück kommt kaum.<br />
Und unsre Stirnen drückt ein blutiger Reifen.<br />
<br />
Und immer müssen wir so bitterlich<br />
bang suchen, ohne irgend Ruh zu finden.<br />
Was treibt uns denn? Weißt du es? Weiß es ich?<br />
<br />
Was für Zusammenhänge ahnen sich<br />
im Gang von Dirnen und Blühn der Linden?<br />
Was ist der Sinn, drin alle Süchte münden?<br />
<br />
<br />
II.<br />
<br />
Vielleicht ists gut, daß wir im Dunkel gehen -<br />
So glühn wir lichtentbrannt für manches Ding,<br />
das doch im Grund unwichtig und gering<br />
und kaum der Mühe wert ist, hinzusehen:<br />
<br />
Für Frühlingsbäume, die in Blüten stehen,<br />
für leisen Wind, drin sich ein Lied verfing,<br />
für einen Kampf, bei dems um "vieles" ging...<br />
denn wär das nicht, dann müßte dies geschehen:<br />
<br />
Daß einer, der sonst seine Menschenbürde<br />
geduldig trug und viel Blut hingegeben<br />
für eignes Glück und Glück von seinen Erben,<br />
<br />
hinginge (wenn er plötzlich sehend würde,<br />
wie ohne Beispiel sinnlos dieses Leben)<br />
und Gott um Gnade bäte: Laß mich sterben!...<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Warum ist in mir dieses heiße Ringen]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32860</link>
			<pubDate>Wed, 22 Jan 2025 07:02:33 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32860</guid>
			<description><![CDATA[Warum ist in mir dieses heiße Ringen<br />
Nach Klarheit, Licht und stolzer Einsamkeit,<br />
Wenn mir kein Gott zu helfen ist bereit,<br />
Den wahn- und fluchbeladnen Weg zu zwingen.<br />
<br />
Oft glaubt' ich schon an seliges Gelingen;<br />
Doch wenn ich zusah, wars zu aller Zeit<br />
Ein Irrlicht nur - und Hoffnung ward zu Leid.<br />
Flugmüde wurden meiner Seele Schwingen.<br />
<br />
Und einem Vogel gleich ich, der den Trug<br />
Des Glases noch nicht kennt und durch die Scheiben<br />
Ins Freie nehmen will den wirren Flug.<br />
<br />
Auch er muß seiner Sehnsucht Spielzeug bleiben.<br />
Wenn er nicht früher sich den Kopf zerschlug<br />
An den geschloßnen, trügerischen Scheiben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Warum ist in mir dieses heiße Ringen<br />
Nach Klarheit, Licht und stolzer Einsamkeit,<br />
Wenn mir kein Gott zu helfen ist bereit,<br />
Den wahn- und fluchbeladnen Weg zu zwingen.<br />
<br />
Oft glaubt' ich schon an seliges Gelingen;<br />
Doch wenn ich zusah, wars zu aller Zeit<br />
Ein Irrlicht nur - und Hoffnung ward zu Leid.<br />
Flugmüde wurden meiner Seele Schwingen.<br />
<br />
Und einem Vogel gleich ich, der den Trug<br />
Des Glases noch nicht kennt und durch die Scheiben<br />
Ins Freie nehmen will den wirren Flug.<br />
<br />
Auch er muß seiner Sehnsucht Spielzeug bleiben.<br />
Wenn er nicht früher sich den Kopf zerschlug<br />
An den geschloßnen, trügerischen Scheiben.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[An die Nacht]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32922</link>
			<pubDate>Tue, 22 Oct 2024 10:38:21 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32922</guid>
			<description><![CDATA[An die Nacht<br />
<br />
<br />
MOTIV<br />
<br />
O nott', o dolce tempo benche nero,<br />
(Con pace ogn' opra sempr' al fin assalta)<br />
Ben ved' e ben intende chi t' esalta;<br />
E chi t' onor', ha l' intellett' intero.<br />
<br />
Tu mozzi e tronchi ogni stanco pensiero;<br />
Che l' umid' ombra ogni quiet' appalta:<br />
E dall' infima parte alla piu alta<br />
In sogno spesso porti ov' ire spero.<br />
<br />
O ombra del morir, per cui si ferma<br />
Ogni miseria l' alma al cor nemica<br />
Ultimo delli afflitti e buon rimedio;<br />
<br />
Tu rendi sana nostra carn' inferma,<br />
Rasciug' i pianti, e posi ogni fatica,<br />
E furi a chi ben vive ogn' ir' e tedio.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Michelangelo: An die Nacht III.</span><br />
<br />
<br />
<br />
I.<br />
<br />
O Nacht, du holde, wenn auch finstre Zeit!<br />
Mich drängt mein nächtiges Herz, von dir zu sprechen.<br />
Du Schreckliche, die in sein Dunkel schreit!<br />
Du Milde, es mit leisem Griff zu brechen!<br />
<br />
Du schwarzer See aus Angst, Gebirg aus Leid,<br />
Landschaft mit Seufzerwald und Tränenbächen!<br />
Gestrüpp aus Laster, Sumpf der Trunkenheit,<br />
Keim, dem verhängt ist, jede Lust zu rächen:<br />
<br />
Wenn du der Tod nicht bist, wer bist du, Schoß,<br />
der mich gebar in diese Flucht von Tagen,<br />
darin ich blind und taub und irrend bin ?<br />
<br />
Hier steh ich: nackt: ein bittres Menschenlos.<br />
Hilf mir dies Los, hilf mir dich selbst ertragen:<br />
Du gibst den Frieden, treibst das Werk dahin.<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[An die Nacht<br />
<br />
<br />
MOTIV<br />
<br />
O nott', o dolce tempo benche nero,<br />
(Con pace ogn' opra sempr' al fin assalta)<br />
Ben ved' e ben intende chi t' esalta;<br />
E chi t' onor', ha l' intellett' intero.<br />
<br />
Tu mozzi e tronchi ogni stanco pensiero;<br />
Che l' umid' ombra ogni quiet' appalta:<br />
E dall' infima parte alla piu alta<br />
In sogno spesso porti ov' ire spero.<br />
<br />
O ombra del morir, per cui si ferma<br />
Ogni miseria l' alma al cor nemica<br />
Ultimo delli afflitti e buon rimedio;<br />
<br />
Tu rendi sana nostra carn' inferma,<br />
Rasciug' i pianti, e posi ogni fatica,<br />
E furi a chi ben vive ogn' ir' e tedio.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Michelangelo: An die Nacht III.</span><br />
<br />
<br />
<br />
I.<br />
<br />
O Nacht, du holde, wenn auch finstre Zeit!<br />
Mich drängt mein nächtiges Herz, von dir zu sprechen.<br />
Du Schreckliche, die in sein Dunkel schreit!<br />
Du Milde, es mit leisem Griff zu brechen!<br />
<br />
Du schwarzer See aus Angst, Gebirg aus Leid,<br />
Landschaft mit Seufzerwald und Tränenbächen!<br />
Gestrüpp aus Laster, Sumpf der Trunkenheit,<br />
Keim, dem verhängt ist, jede Lust zu rächen:<br />
<br />
Wenn du der Tod nicht bist, wer bist du, Schoß,<br />
der mich gebar in diese Flucht von Tagen,<br />
darin ich blind und taub und irrend bin ?<br />
<br />
Hier steh ich: nackt: ein bittres Menschenlos.<br />
Hilf mir dies Los, hilf mir dich selbst ertragen:<br />
Du gibst den Frieden, treibst das Werk dahin.<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Heroische Trilogie III.]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32919</link>
			<pubDate>Tue, 22 Oct 2024 10:37:41 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32919</guid>
			<description><![CDATA[Noch einmal, eh des Herzens Licht verloht,<br />
aufflamme, Wille zur Unsterblichkeit!<br />
Noch sei geträumt, erhabner Traum im Leid,<br />
du jenes größern Lebens heiliges Brot.<br />
<br />
Und wenn das Joch auch der Notwendigkeit<br />
den nackten Menschen zu zermalmen droht:<br />
Verdoppele, Götter, mit der tiefern Not<br />
die tiefre Würde dieser Heldenheit!<br />
<br />
Dem Glühenden, erstummt im Lärm der Lauen,<br />
verschlungen von der Schmach, entbrannt am Nichts,<br />
am Taumel dieser Zeit zu sich entrückt -<br />
<br />
Gebt, höher aufzurichten, was zerstückt,<br />
gebt - einmal noch - im Hämmern des Gedichts<br />
die stolze Kraft, den wilden Mut zum Grauen!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Noch einmal, eh des Herzens Licht verloht,<br />
aufflamme, Wille zur Unsterblichkeit!<br />
Noch sei geträumt, erhabner Traum im Leid,<br />
du jenes größern Lebens heiliges Brot.<br />
<br />
Und wenn das Joch auch der Notwendigkeit<br />
den nackten Menschen zu zermalmen droht:<br />
Verdoppele, Götter, mit der tiefern Not<br />
die tiefre Würde dieser Heldenheit!<br />
<br />
Dem Glühenden, erstummt im Lärm der Lauen,<br />
verschlungen von der Schmach, entbrannt am Nichts,<br />
am Taumel dieser Zeit zu sich entrückt -<br />
<br />
Gebt, höher aufzurichten, was zerstückt,<br />
gebt - einmal noch - im Hämmern des Gedichts<br />
die stolze Kraft, den wilden Mut zum Grauen!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Heroische Trilogie I]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32918</link>
			<pubDate>Tue, 22 Oct 2024 10:37:07 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=32918</guid>
			<description><![CDATA[Für meine Frau<br />
<br />
I.<br />
<br />
Ich binde dir den Kranz mit ranker Rebe.<br />
In solcher Bindung sanftester Gewalt<br />
wird nie das sonst verwirrte Leben alt,<br />
das ich für dich zum heitern Teppich webe.<br />
<br />
Gebiet ich so den blinden Tagen Halt,<br />
den Monden, die in strengeres Licht ich hebe,<br />
beraub ich sie, nur daß ich reicher gebe:<br />
wird, Wort geworden, erst die Zeit Gestalt.<br />
<br />
Da schlägt Geheimnis untergründiger Tränen<br />
die Augen auf, und stummer Güte Blick<br />
geht nie mehr unter in der Leiden Braus.<br />
<br />
Ein zwiefach Glück gibt uns die Kunst zurück:<br />
Mag mir des Lebens Dorn die Stirn bekrönen<br />
den kühlen Lorbeer band ich dir zum Strauß.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Für meine Frau<br />
<br />
I.<br />
<br />
Ich binde dir den Kranz mit ranker Rebe.<br />
In solcher Bindung sanftester Gewalt<br />
wird nie das sonst verwirrte Leben alt,<br />
das ich für dich zum heitern Teppich webe.<br />
<br />
Gebiet ich so den blinden Tagen Halt,<br />
den Monden, die in strengeres Licht ich hebe,<br />
beraub ich sie, nur daß ich reicher gebe:<br />
wird, Wort geworden, erst die Zeit Gestalt.<br />
<br />
Da schlägt Geheimnis untergründiger Tränen<br />
die Augen auf, und stummer Güte Blick<br />
geht nie mehr unter in der Leiden Braus.<br />
<br />
Ein zwiefach Glück gibt uns die Kunst zurück:<br />
Mag mir des Lebens Dorn die Stirn bekrönen<br />
den kühlen Lorbeer band ich dir zum Strauß.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Sonettenkranz: Michelangelo "An Vittoria Colonna"]]></title>
			<link>https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=31383</link>
			<pubDate>Mon, 18 Mar 2024 08:25:04 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett.fontane-place.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett.fontane-place.de/showthread.php?tid=31383</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Motiv</span><br />
<br />
Com´ esser, donna, puote, e pur se ´l vede<br />
La lunga esperienza, che più dura<br />
Immagin viva in pietra alpestre e dura,<br />
Che ´l suo fattor che morte in breve fiede?<br />
<br />
La cagione all´ effetto inferma cede,<br />
Ed è dall´ arte vinta la natura:<br />
Io ´l so ch´ amica ho si l´ alma scultura,<br />
E veggo il tempo omai rompermi fede.<br />
<br />
Forse ad ambedue noi dar lunga vita<br />
Posso, o vuoi nei colori o vuoi nei sassi,<br />
Rassembrando di noi l´ affetto e ´l volto;<br />
<br />
Sicchè mill´ anni dopo la partita<br />
Quanto tu bella fosti ed io t´ amassi<br />
Si veggia, e come a amarti io non fui stolto.<br />
<br />
(Michelangelo "An Vittoria Colonna")</span><br />
<br />
<br />
<br />
Dies sehn wir, Herrin, zeit- und leiderfahren:<br />
Es ist ein dauernderes Dasein eben<br />
dem Bildwerk vor dem Bildenden gegeben, <br />
der hingehn muß in seinen weißen Haaren. <br />
<br />
Der Schöpfer stirbt, Geschaffnes kommt zu Jahren.<br />
So siegt die Kunst, so unterliegt das Leben.<br />
Mit ganzer Seele meinem Werk ergeben - <br />
Ich weiß, wie Zeit und Tod mit mir verfahren.<br />
<br />
Doch könnt ich Ewigkeit verleihn uns beiden,<br />
fügt ich nach deinem Wink in Farb, im Steine<br />
ein Bild von uns, getreu und formerlesen, <br />
<br />
zu zeugen tausend Jahr nach unserm Scheiden, <br />
wie diese Züge schön, wie elend meine, <br />
und wie dich lieben mir Gesetz gewesen. <br />
	<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Motiv</span><br />
<br />
Com´ esser, donna, puote, e pur se ´l vede<br />
La lunga esperienza, che più dura<br />
Immagin viva in pietra alpestre e dura,<br />
Che ´l suo fattor che morte in breve fiede?<br />
<br />
La cagione all´ effetto inferma cede,<br />
Ed è dall´ arte vinta la natura:<br />
Io ´l so ch´ amica ho si l´ alma scultura,<br />
E veggo il tempo omai rompermi fede.<br />
<br />
Forse ad ambedue noi dar lunga vita<br />
Posso, o vuoi nei colori o vuoi nei sassi,<br />
Rassembrando di noi l´ affetto e ´l volto;<br />
<br />
Sicchè mill´ anni dopo la partita<br />
Quanto tu bella fosti ed io t´ amassi<br />
Si veggia, e come a amarti io non fui stolto.<br />
<br />
(Michelangelo "An Vittoria Colonna")</span><br />
<br />
<br />
<br />
Dies sehn wir, Herrin, zeit- und leiderfahren:<br />
Es ist ein dauernderes Dasein eben<br />
dem Bildwerk vor dem Bildenden gegeben, <br />
der hingehn muß in seinen weißen Haaren. <br />
<br />
Der Schöpfer stirbt, Geschaffnes kommt zu Jahren.<br />
So siegt die Kunst, so unterliegt das Leben.<br />
Mit ganzer Seele meinem Werk ergeben - <br />
Ich weiß, wie Zeit und Tod mit mir verfahren.<br />
<br />
Doch könnt ich Ewigkeit verleihn uns beiden,<br />
fügt ich nach deinem Wink in Farb, im Steine<br />
ein Bild von uns, getreu und formerlesen, <br />
<br />
zu zeugen tausend Jahr nach unserm Scheiden, <br />
wie diese Züge schön, wie elend meine, <br />
und wie dich lieben mir Gesetz gewesen. <br />
	<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>