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Der Fluss
#1
Der Fluss

So fühlt sich einer, der vom Himmel fiel,
der sich Substanz gewünscht hat, etwas Schwere;
ein Sein, das sich in diese Welt gebäre,
um teilzuhaben an dem großen Spiel.

Die Wandlungen vollziehen sich subtil,
der eigne Wunsch entpuppt sich als Chimäre,
als Keim für's Unbewußte, Ungefähre,
das nur konkret wird für ein fernes Ziel.

Gefallen, hat er die Substanz durchdrungen,
Das Schwere merkt sehr bald, es ist beschränkt.
Beschwerlich ist der Weg der Niederungen,

der sich durch Ritzen und Kanäle drängt,
bis er sich in die Freiheit durchgerungen
und wünscht sich doch ein Becken, das ihn fängt.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#2
audio 
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http://sonett-archiv.com/forum/audio/Der_Fluss.mp3


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Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#3
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Der Fluss

II


Der Regen sickert durch das Erdreich, netzt
hier Sand, dort Krume und hält fest verbunden
die Schichten, bis die Feuchtigkeit zuletzt
zu Nässe wird. Im Grund wiedergefunden

ziehn Tropfen Tropfen nach sich durch die Spalten,
vereint, den Halt des erdreichs abzuschwächen...
erst fließts nur langsam, doch bald gibt 's kein Halten...
Nachströmend drängt es an die Oberflächen,

wo das Gelände abfällt. Freier fühlt
sich dort das Fließen an, umgeben nur
von Gleichen, blos der Schwerkraft noch verpflichtet.

Ein Bett, von Gleichgesinnten ausgespült,
gibt eine Richtung vor dem eignen Streben,
geeint auf ein geeintes Ziel gerichtet.


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Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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